Entscheidung zum Missbrauch sei "bewusste willentliche Entscheidung": Psychiaterin über Pädophilie

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Entscheidung zum Missbrauch sei "bewusste willentliche Entscheidung": Psychiaterin über Pädophilie

Kinder- und Jugendpsychiaterin Kathrin Sevecke spricht in der "ZiB 2" über gute und schlechte Geheimnisse und massive Eingriffe in die Seele des Kindes

Astrid Ebenführer

Der Fall um den wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und Besitzes von bildlichem sexualbezogenem Kindesmissbrauchsmaterial angeklagten Kabarettisten Günther "Gunkl" Paal schockiert. Er rückt auch das Thema Pädophilie wieder in den Mittelpunkt. Und welche Folgen sexueller Missbrauch für ein Kind hat und wie geholfen werden kann.

Schlafstörungen, Albträume, ein verändertes Spielverhalten, Bauchschmerzen oder auch Konzentrationsmangel bei Kindern können Anzeichen für sexuellen Missbrauch sein, sagt Kinder- und Jugendpsychiatrie Kathrin Sevecke bei Marie-Claire Zimmermann in der ZiB 2. Aber "das typische Missbrauchssyndrom" gibt es nicht. Es brauche Experten, um dann einen Verdacht oder eine Wahrscheinlichkeit zu eruieren, sagt sie. Sie rät Eltern davon ab, nachzubohren oder bestimmte Dinge aus den Kindern herauskitzeln zu wollen. Vielmehr sollen sie Verhaltensweisen und Auffälligkeiten beobachten.

Ein Missbrauch "ist ein massiver Eingriff in die Seele des Kindes". Es brauche einen sicheren Ort und das Gefühl, dass es vertrauenswürdige Menschen gibt. Es geht auch um Prävention. Etwa darum, Kindern und Jugendlichen mitzugeben, dass es gute und schlechte Geheimnisse gibt und man über diese schlechten Geheimnisse erzählen darf.

Je schwerer der sexuelle Missbrauch ist, desto wahrscheinlicher seien Spätfolgen, die auch Jahre oder Jahrzehnte später auftreten können, so Sevecke. Lebensereignisse wie Partnerschaft, Eheschließung, die Geburt eines Kindes könnten eine frühe, traumatische, sexuell übergriffig erlebte Vergangenheit wieder reaktivieren.

Sind Opfer von heute die Täter von morgen?

Wie sieht sie die Sichtweise, dass Opfer von heute Täter von morgen sind? Sevecke stimmt dem zu. "Wenn wir über pädophile Täter nachdenken, muss man mitdenken, dass es eine Wahrscheinlichkeit gibt, dass ihm selber früher ein Übergriff passiert ist".

Kinder- und Jugendpsychiaterin Kathrin Sevecke war Donnerstagabend zu Gast in der
Kinder- und Jugendpsychiaterin Kathrin Sevecke war Donnerstagabend zu Gast in der "ZiB 2".

Pädophilie sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit" anlagebedingt, die Entscheidung zum Missbrauch sei jedoch "eine bewusste willentliche Entscheidung". Und diesen Weg dorthin aufzuhalten, sei Sinn und Inhalt der Therapie bei Pädophilen. Rund fünf Prozent der Männer seien von Pädophilie betroffen, sagt sie. Hier gehe es darum, dass sich diese Männer unkompliziert Hilfe holen könnten, damit dieser Weg zum Missbrauch unterbrochen wird.

Sie macht aber auch darauf aufmerksam, dass Missbrauchstaten an Kindern und Jugendlichen in der Regel keine pädophilen Taten seien. Sondern die Ausnutzung von Machtkonstellationen, von Alter, Körpergröße, Position, Situation. Pädophile Täter seien es die Ausnahme. (Astrid Ebenführer, 18.9.2026)

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