Nach 127 Jahren: KI knackt verschlüsselten Brief von Napoleon
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Nach 127 Jahren: Eine KI hat einen verschlüsselten Brief von Napoleon Bonaparte geknackt. Ein Entwickler ließ GPT-6 Astra sechs Stunden lang rechnen. So ging das Model von OpenAI vor.
Von Sebastian Milpetz
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Im März 1809 ließ Napoleon Bonaparte über seinen Stiefsohn Eugene einen Brief an den Offizier Auguste de Marmont schicken. Der hatte seine Truppen in Dalmatien geparkt, also im heutigen Kroatien. Da ein Krieg zwischen Frankreich und dem Habsburger Reich bevorstand, ließ Napoleon den Inhalt verschlüsseln, falls er dem Feind in die Hände fallen sollte.
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Auguste de Marmont hat den Brief wahrscheinlich entziffert. Doch der Schlüssel, mit dem er dabei vorging, ist verschollen. Der Inhalt war also 127 Jahre unbekannt. Bis jetzt.
GPT-6 Astra rechnete sechs Stunden lang
Nun hat der Entwickler Carter Church den Brief entschlüsselt. Dies verkündete der KI-Ingenieur der Cybersecurity-Firma SentinelOne auf seiner Homepage der Öffentlichkeit.
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Carter Church setzte GPT-6 Astra auf den Brief an. Das KI-Modell von OpenAI rechnete sechs Stunden lang, ehe es ein Ergebnis präsentierte. Ganz bei null anfangen musste die KI aber nicht. Menschliche Kryptografen hatten in den Jahrzehnten zuvor 33 in dem Brief verwendete Zeichen dekodiert.
So ging die KI bei der Entschlüsselung vor
Der Marmont-Brief besteht aus rund 1300 Zeichen, die aus 155 unterschiedlichen Symbolen bestehen. Darunter sind zweistellige Zahlen, vereinzelte Buchstaben und völlig frei erfundene Symbole.
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GPT-6 Astra verwendete ein Verfahren namens simulierte Abkühlung. Dabei werden nach dem Prinzip des Trial and Error verschiedene Kandidaten für eine passende Lösung durchgespielt und mit Statistiken verglichen, die die Häufigkeit von Buchstaben in französischen Texten darstellen. Die KI wurde dafür mit Werken der französischen Literatur aus der Zeit und mit Briefen von Marmont gefüttert.
Dabei stieß die KI immer wieder auf Zeichen, die als Buchstaben keinen Sinn machten. Durch Versuch und Irrtum kam heraus, dass manche Symbole nicht für einzelne Lettern, sondern für ganze Worte standen.
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Entwickler hatte keine Erfahrung mit Kryptographie
Carter Church brachte laut eigener Aussage keine Erfahrungen mit Kryptographie mit. Er ließ sich für seine Arbeit von einem anderen Entwickler namens Carter Leffen inspirieren. Der hatte kürzlich mit GPT-6 Astra eine Botschaft entziffert, den die berühmte deutsche Chiffriermaschine Enigma verschlüsselt hatte.
Und was stand nun in dem Brief an Auguste de Marmont? Er verrät dem Offizier, wo Napoleons Truppen stehen. Genannt werden unter anderem 40 000 bayerische Soldaten bei München oder Passau und ein Elitekorps bei Augsburg.
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