Epstein-Akten: Behindert das US-Justizministerium die Aufklärung?
Teilen
- Die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat New Mexico ermittelt seit einigen Momaten wieder im Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein und seinem Netz.
- Nun wirft der Staatsanwalt von New Mexico dem US-Justizministerium vor, diese Ermittlungen zu behindern. Es verweigere die Herausgabe von ungeschwärzten Akten, so der Staatsanwalt.
- Die sogenannte Zorro-Ranch, die Epstein gehörte, liegt im Bundesstaat New Mexiko. Dort soll es auch zu sexuellem Missbrauch und Menschenhandel gekommen sein.
- Wie bereits früher öffentlich wurde, steht in den ungeschwärzten Akten auch der Name des amtierenden US-Präsidenten. Ob dies auch bezüglich der Ranch der Fall ist, ist nicht bekannt.
Der oberste Staatsanwalt von New Mexico, Raúl Torrez, will mit der Klage die Herausgabe der unbearbeiteten Dokumente erzwingen. «Diese Akten und Dokumente sind von entscheidender Bedeutung für die laufenden Ermittlungen New Mexicos zu mutmasslichen Straftaten auf Jeffrey Epsteins Zorro Ranch im Santa Fe County», hiess es.
Der Fall Epstein
Box aufklappen Box zuklappen
Der Multimillionär Jeffrey Epstein hatte über Jahre einen Missbrauchsring betrieben, dem zahlreiche junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Unter seinen Klienten sollen viele einflussreiche Menschen gewesen sein. Vor fast 20 Jahren kamen erste Vorwürfe vor Gericht, und Epstein bekannte sich in bestimmten Punkten schuldig. Er erhielt 2008 ein sehr mildes Urteil.
Jahre später wurde der Fall neu aufgerollt und der Multimillionär wieder festgenommen. Noch bevor ein mögliches weiteres Urteil gefällt werden konnte, starb der Financier am 10. August 2019 im Alter von 66 Jahren in seiner Gefängniszelle. Im Obduktionsbericht wurde Suizid als Todesursache genannt. Dies ist allerdings nicht unumstritten.
Das US-Justizministerium äusserte sich zunächst nicht dazu. Bereits zuvor hatte Torrez dem Ministerium vorgeworfen, die Zusammenarbeit zu verweigern. Ein Sprecher des Justizministeriums bezeichnete den Vorwurf gegenüber dem Nachrichtenportal «Axios» damals als «falsch». Diese Akten ungeschwärzt weiterzugeben, würde gegen Gesetze verstossen.
Das Argument des Justizministeriums, dass es die Identität der Opfer schützen wolle, ist lächerlich, wenn das Justizministerium bereits ihre Namen und persönlichen Informationen preisgegeben hat.
Dies allerdings stiess einer Gruppe von Epstein-Opfern und Familienmitgliedern der Opfer sauer auf. Sie warfen Todd Blanche, dem Interims-Justizminister, in einer Erklärung vor, «weiterhin Täter zu schützen», indem das Ministerium die von New Mexico verlangten Informationen zurückhält. Wörtlich sagten sie: «Das Argument des Justizministeriums, dass es die Akten nicht herausgeben will, um die Identität der Überlebenden zu schützen, ist lächerlich, wenn das Justizministerium bereits ihre Namen und persönlichen Informationen preisgegeben hat.»
Um diese Ranch geht es
Box aufklappen Box zuklappen
Um Epsteins sogennannte Zorro-Ranch im US-Bundesstaat New Mexico in der Nähe von Santa Fé ranken sich viele Gerüchte. Allerdings gibt es auch Beweise, die von Bundesstaatsanwälten in New York gesammelt wurden.
Reuters/Rebecca Noble
Epstein kaufte 1993 sein weitläufiges Grundstück in Stanley, New Mexico, einer dünn besiedelten Ranch-Gemeinde etwa 30 Meilen (48 Kilometer) südlich von Santa Fe, vom ehemaligen demokratischen Gouverneur Bruce King und baute dort eine Villa auf einem Hügel mit eigenem Flugfeld und Helikopterlandeplatz. Das Grundstück wurde 2023 vom Nachlass Epsteins an die Familie von Don Huffines verkauft, einem Republikaner, der kürzlich zum staatlichen Rechnungsprüfer von Texas ernannt wurde. In einem Social-Media-Beitrag im Februar erklärte Huffines, dass das Grundstück in San Rafael Ranch umbenannt wurde, nach einem Heiligen, der mit Heilung in Verbindung gebracht wird, und dass seine Familie dort ein christliches Rückzugszentrum betreiben wolle.
Die Ermittlungen gegen Epstein in New Mexico waren ursprünglich 2019 auf Antrag der Staatsanwaltschaft des Southern Districts in New York eingestellt worden.
Gesammelte Beweise
Der Zwischenbericht der New Mexico Survivors' Truth Commission machte teilweise die Bundesstaatsanwälte in Manhattan für den Mangel an Informationen über Epsteins Aktivitäten in New Mexico verantwortlich. Die Kommission, die im Februar von den Landesgesetzgebern ins Leben gerufen wurde, erklärte, dass sich die Bundesbeamten auf Epsteins Fehlverhalten in New York, Palm Beach in Florida und auf den Jungferninseln konzentrierten, während seine Vergehen in New Mexico unbeachtet blieben.
Beim Eingang der früheren Zorro-Ranch, die auf den Namen San Rafael Ranch umgetauft wurde, haben Epstein-Überlebende Mahnmale aufgestellt.
Reuters/Rebecca Noble
Gleichzeitig zitierte sie Berichte, die von Bundesstaatsanwälten in New York gesammelt wurden, und in denen Frauen berichteten, sexuellen Missbrauch von Epstein auf seiner Zorro Ranch erlitten zu haben. Im Prozess gegen die Epstein-Komplizin Ghislaine Maxwell hatten Zeugen ausgesagt, in der Ranch in New Mexico sei es zu sexuellen Übergriffen gekommen.
Nachdem das Justizministerium vor einigen Monaten Millionen von Epstein-Akten – allerdings teilweise geschwärzt – veröffentlicht hatte, hatte die Staatsanwaltschaft in New Mexico angekündigt, die Ermittlungen wieder aufnehmen zu wollen. Der Veröffentlichung war eine heftige Kontroverse im US-Parlament vorausgegangen, die im Epstein-Transparency-Act endeten. Damit wurde die Regierung Trump quasi gezwungen, diese Dokumente offenzulegen.
SRF 4 News, 06.08.2026, 4:00 Uhr ; agenturen/srf/lin;