„Schamhaft verdeckt“: Kreml-Methoden bei der UN – Lawrow legt Wadephul Propaganda-Papier auf den Platz
„Erben Goebbels“: Lawrow provoziert Wadephul bei UN-Treffen
Stand: 28.09.2026, 13:55 Uhr
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Ein 20-Minuten-Treffen mit Nachspiel: Lawrow verteilt Propaganda bei der UN, Moskau spottet – und deutsche Experten üben scharfe Kritik.
New York City – Sergej Lawrow hat beim Treffen am Rande der UN-Generalversammlung in New York eine 21-seitige Propaganda-Schrift auf den Platz des deutschen Außenministers Johann Wadephul (CDU) gelegt. Das Papier mit dem Titel „Die Erben Goebbels“ stellt die Massenmorde russischer Truppen an Zivilisten im ukrainischen Butscha als Inszenierung Kiews dar.
Der Vorfall verdeutlicht den Zustand der deutsch-russischen Beziehungen und die gezielte Nutzung diplomatischer Treffen für Propagandazwecke. Während deutsche Delegationskreise von einer Provokation sprechen, nutzen russische Medien und Regierungsvertreter den Vorgang spöttisch für ihre Narrative.

20-Minuten-Eklat: So reagierte Wadephul auf Lawrows Provokation
Wie die Bild-Zeitung unter Berufung auf Videomaterial berichtet, dauerte die Begegnung im UN-Gebäude rund 20 Minuten. Wadephul reagierte auf das Pamphlet, indem er es nach einem kurzen Blick mit seinem Notizblock verdeckte und für den Rest des Gesprächs ignorierte.
Das staatliche russische Propagandamedium Russia Today betonte in seinem Bericht über den Vorfall, wie die russische Außenamtssprecherin Marija Sacharowa die Szene umgehend auf Telegram kommentierte. Sacharowa behauptete spöttisch, der deutsche Außenminister habe die Schrift „schamhaft verdeckt“, da die Wahrheit schmerze. Lawrow selbst bezeichnete das Treffen im Nachgang als überflüssig und meinte, Wadephul hätte ihn „auch einfach anrufen können“.
Massaker von Butscha: Die Hintergründe von Lawrows Goebbels-Vorwurf
Das Massaker in der Kiewer Vorstadt Butscha im Frühjahr 2022 ist laut unabhängigen internationalen Untersuchungen ein dokumentiertes Kriegsverbrechen russischer Streitkräfte an hunderten Zivilisten. Die russische Führung versucht seitdem systematisch, diese Ermittlungsergebnisse als Fälschung darzustellen.
Dass Moskau die Anschuldigungen unter dem Titel „Die Erben Goebbels“ verbreitet, folgt einem bekannten Muster. Beobachter werten die Übergabe als Versuch, den Vorwurf des Nationalsozialismus gegen die Ukraine und ihre westlichen Unterstützer zu richten.
Falschbehauptungen als Methode: Wie der Kreml Goebbels-Techniken nutzt
Einen analytischen Rahmen für diese Rhetorik liefert eine Publikation des ukrainischen Center for Countering Disinformation (CCD). Die Stelle vergleicht die Methoden der aktuellen russischen Staatspropaganda mit den historischen Techniken des NS-Regimes unter Joseph Goebbels.
Das CCD führt aus, dass beide Systeme Medienkanäle nutzen, um Feindbilder zu etablieren und eigene Gewalttaten umzudeuten. Während das NS-Regime Verbrechen mithilfe inszenierter Berichte zu verbergen suchte, nutzt der Kreml gezielt Falschbehauptungen – etwa die These vom „inszenierten Massaker“ –, um die Verantwortung für zivile Opfer im Ukraine-Krieg abzuweisen.
Von Kiesewetter bis Masala: Experten uneins über Wadephuls Diplomatie
Die Reaktionen auf den Vorfall fallen unterschiedlich aus. Experten bewerten den Ablauf jedoch kritisch. In einem Beitrag für die Bild bezeichnet der Politikwissenschaftler und Ex-Diplomat Prof. Klemens Fischer Ad-hoc-Treffen auf dieser Ebene als „Hochrisiko-Aktionen“. Fischer kritisiert, dass das Treffen auf russischem Terrain stattfand und nicht neutral vorbereitet wurde: Moskau habe die Situation gezielt für seine Propaganda genutzt.
Deutliche Kritik kam aus den eigenen Reihen: Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sagte gegenüber der F.A.Z., ein Telefonat wäre klüger gewesen, da weder für die Ukraine noch für Deutschland etwas erreicht worden sei. Gegenüber Politico legte Kiesewetter nach und urteilte, Lawrow habe Wadephul „abtropfen lassen und ihn im Nachhinein lächerlich gemacht“.
Dennoch habe das Gespräch ein wichtiges Signal an Verhandlungsbefürworter gesendet, dass Moskau in aller Brutalität am Krieg festhalte, so Kiesewetter. Andere Stimmen verteidigen die diplomatische Initiative. Der Sicherheitsexperte Prof. Carlo Masala urteilte kurz auf X, Wadephul habe „vieles richtig gemacht“. (Quellen: Bild, RT, CCD, Focus Online) (frs)