Lauert Franz Grüter auf den SVP-Bundesratssitz?

Faktor Franz

Ergreift SVP-Grüter seine letzte Bundesrats-Chance?

SVP-Nationalrat Franz Grüter prüft eine Bundesratskandidatur. Eigentlich spricht vieles gegen ihn. Doch der Luzerner geniesst weit über die Parteigrenzen hinaus Sympathien. Kommt er als Kandidat des Konsens'?

Publiziert: vor 53 Minuten

  • Der Luzerner SVP-Nationalrat prüft eine Bundesratskandidatur
  • Grüter gilt als erfahren, beliebt und wirtschaftsnah
  • Alter, Region und Geschlecht sprechen gegen ihn
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Leandra Sommaruga

Es wäre seine letzte Chance – und der ideale Zeitpunkt. Franz Grüter (63) hat letztes Jahr das Verwaltungsratspräsidium seiner Firma Green abgegeben, einem der führenden Datencenter- und Internetdienstanbieter der Schweiz. Der Luzerner SVP-Mann hat das Unternehmen aufgebaut und als CEO und Verwaltungsratspräsident gewirkt. Als er 2015 in den Nationalrat gewählt wurde, war er Chef der SVP Luzern.

Heute sitzt er in der Parteileitung. Führungserfahrung, wie SVP-Doyen Christoph Blocher (86) sie jüngst gewünscht hat, das kann Franz Grüter vorweisen. Bekannt ist: Grüter überlegt sich die Kandidatur für den Bundesrat. Das hat er zuerst gegenüber dem «Willisauer Bote» bekannt gegeben.

Theoretisch ein No-Go

Bisher war er allerdings nicht Teil des Kennenlernspiels, das die Partei derzeit veranstaltet. Dieses geht so: Wer als Kandidatin oder Kandidat genannt wird, nennt erst mal den Namen eines Parteigspändlis und lässt die eigenen Ambitionen offen.

Dass Grüter dabei bisher unerwähnt blieb, könnte daran liegen, dass man ihn parteiintern schlicht nicht mehr kennenlernen muss. Doch das ist Spekulation. Wahrscheinlich ist indes, dass seine Kandidatur aussichtsreich wäre – auch wenn einige Faktoren dagegen sprechen.

Eigentlich hat Grüter das falsche Geschlecht, das falsche Alter und kommt aus der falschen Region, um sich auf den frei werdenden Bundesratssitz zu bewerben. Mit ihm würde es die Partei verpassen, ihre erste Bundesrätin zu stellen. Mit 63 Jahren erhielte der Bundesrat keine Verjüngung. Und mit Martin Pfister (63, Mitte) stellt die Zentralschweiz bereits einen Bundesrat. Und trotzdem wäre der Luzerner ein attraktiver Kandidat. Blick hat sich in Bundesbern umgehört.

Mit Grüter hätte die SVP einen Mann, der für Freihandel steht und beste Beziehungen in die Wirtschaft hat, aber nicht durch heikle Mandate darin verstrickt ist. Grüter ist gelernter Mechaniker, profilierter IT-Unternehmer, Hauptmann im Militär und engagierter Kämpfer gegen die EU-Verträge. Über seine Politik sagt er zu Blick: «Ich verfolge eine klare politische Linie, aber ich spiele auf den Ball und nicht auf den Mann.»

Einer, der es mit allen kann

Zugänglichkeit und Fairness. Das attestieren ihm auch Ratsmitglieder aus anderen Fraktionen. So heisst es etwa, Grüter politisiere differenzierter als andere Parteikollegen, falle nicht mit polemischen Aussagen auf und biete immer wieder Hand für Lösungen. Es sind Eigenschaften, die ihn auch ausserhalb der eigenen Fraktion wählbar machen.

Doch wovon hängt seine Entscheidung ab? «Zum einen geht es darum, dass die Partei genügend Persönlichkeiten hat, die qualifiziert sind und das Amt auch wollen», erklärt Grüter. Für ihn persönlich zähle aber vor allem: «Das Amt bringt viel Würde, aber auch viel Bürde. Man muss sich ehrlich fragen, ob man bereit ist, diese Verantwortung zu tragen.» Zweifel daran, sich das Amt zuzutrauen, hat er hingegen keine. Führungserfahrung kann er vorweisen, aus der Leitung der Kantonspartei sowie aus der Wirtschaft.

Auf sein fortgeschrittenes Alter angesprochen, sagt Grüter: «Sollte ich kandidieren, wäre es sicher die letzte Gelegenheit.» Nervös ist er deswegen aber nicht. «Ich sehe dem gelassen entgegen.» Schliesslich gelte es nun abzuwarten. Ob in Lauerstellung oder als Notnagel, wird spätestens am 23. Oktober feststehen, wenn die Kandidierenden Farbe bekennen müssen.

Zu verlieren hat Grüter jedenfalls nichts. So sagte er einst der «NZZ»: Er sei in erster Linie Unternehmer. «Ich muss keine Karriere mehr machen in der Politik. Ich könnte morgen aufhören damit.» Aus der Wirtschaft hat er sich zurückgezogen. Und den Raum gewonnen, politisch den ganz grossen Coup zu landen?