Ernteausfälle: Dürre trifft NÖ und das Burgenland
Die Rekord-Trockenheit in der ersten Jahreshälfte führt zu massiven Ernteausfällen. Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger erwartet eine Getreideernte wie in den Dürrejahren 2017 und 2018. Auch Mais, Zuckerrübe, Kartoffel, Soja, Sonnenblume und Kürbis seien von Dürre betroffen, sagte Moosbrugger zur APA. Weil auch der Grünschnitt schlecht ausfällt, fehlt den Rinder- und Milchbauern das Futter.
Die Landwirtschaftskammer erwartet bei der Getreideernte ein Minus von 15 bis 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit eine der schwächsten Ernten der vergangenen zehn Jahre. Die Ernte werde diese Woche - so früh wie noch nie - großteils abgeschlossen sein. Besonders stark von der Trockenheit betroffen sind das Weinviertel und das Nordburgenland, wo am wenigsten Niederschlag verzeichnet wurde.
Internationaler Weizenpreis um ein Viertel gestiegen
Weil auch die Getreideernte in anderen Ländern schwach ausfällt, ist der Weizenpreis an der Pariser Warenterminbörse seit Anfang Juli um rund 20 Prozent auf 245 Euro je Tonne gestiegen. Der internationale Preisanstieg sei in Österreich im Getreidehandel aber „noch nicht angekommen“, sagte der Landwirtschaftskammer-Chef. Die Preise pendelten in den vergangenen Jahren zwischen 170 und 270 Euro. Höhere Weizen- und Maispreise seien „dringend notwendig, um die gestiegenen und nach wie vor steigenden Dünger-, Treibstoff- und Energiepreise decken zu können“, so Moosbrugger.
Die Dürreversicherung würde bei vielen Bauern das Schlimmste verhindern, aber die Betriebe müssten sich langfristig an den Klimawandel anpassen, sagte der oberste Bauernvertreter. Für Landwirte, die sich aufgrund der Dürre in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden, müsse es heuer eine Stundungsmöglichkeit für Sozialversicherungsbeiträge und Investitionskredite geben, forderte der Landwirtschaftskammer-Chef.
Futtermangel beschäftigt Bauern
Die Dürre hat vielen Wiesen in Österreich stark zugesetzt. Den Rinder- und Milchbauern fehlt dadurch Futter für ihre Tiere. Im Grünland sind die Erntemengen laut Landwirtschaftskammer „deutlich unter dem Durchschnitt“. Die Trockenheit lässt auch den Mais schlecht wachsen und die Bauern werden dadurch weniger Silomais als Futter für Milchkühe, Rinder und Zuchtsauen zur Verfügung haben. „Die Silomaisbestände sind aktuell noch nicht realistisch abzuschätzen, aber auch hier sieht man Flächen, die als Totalausfall verzeichnet werden müssen“, sagte Moosbrugger.
Der Pflanzenbau-Experte der Landwirtschaftskammer Österreich, Andreas Pfaller, erwartet deutlich geringere Erträge bei Zuckerrüben, Sonnenblumen, Soja und Erdäpfel. „Die Hauptanbaugebiete von Erdäpfeln liegen in Niederösterreich, wo die Niederschläge schon am längsten ausgeblieben sind“, sagte Pfaller zur APA.
Obsternte um 20 bis 25 Prozent geringer
Auch die Obstkulturen leiden unter der anhaltenden Trockenheit und wachsen derzeit kaum. Die Landwirtschaftskammer erwartet zumindest eine 20 bis 25 Prozent geringere Obsternte. Wenn die Trockenheit in den kommenden Wochen anhält, erwarten die Bauernvertreter auch „eine deutlich kleinere“ Weinernte. Große Ernteausfälle bei Gemüse werden nicht erwartet, weil die meisten Gemüseflächen mittlerweile bewässert werden. Schädlinge seien im Gemüseanbau aber „bei den Extremtemperaturen eine große Herausforderung, um die für die Vermarktung geforderten Qualitäten ernten zu können“, sagte der Landwirtschaftskammer-Chef.
Hohe Düngemittelpreise immer mehr ein Problem
Ab Juli beginnen die Bauern üblicherweise mit dem Einkauf des Düngers für die nächste Saison. Der Iran-Krieg hat die Öl- und Gaspreise sowie die Düngemittelpreise stark steigen lassen. Die Düngerpreise sind laut Landwirtschaftskammer derzeit rund 50 Prozent höher als im letzten Jahr. „Eine rentable Produktion ist angesichts der derzeitigen Erzeugerpreise aktuell nur schwer darstellbar“, warnte Moosbrugger.
Agenturen, msim | 24.07.2026, 6:56