Murat Yakin und Okafor: Der Bruch, der zum Nati-Rücktritt führte

Publiziert10. September 2026, 14:25

Okafors Nati-KarriereErst Zerwürfnis, dann Versöhnung – jetzt der grosse Okafor-Knall

Noah Okafor tritt mit 26 Jahren vorläufig aus der Nati zurück. Seine Karriere war geprägt von einem wichtigen WM-Quali-Tor – und dem Bruch mit Murat Yakin.

Nils Hänggi

Darum gehts

  • Noah Okafor (26) tritt vorläufig aus der Schweizer Nationalmannschaft zurück.
  • Als Grund nennt er Trainer Murat Yakin: Vertrauen sei verletzt und Zusagen nicht eingehalten worden.
  • 20 Minuten blickt auf die Nati-Karriere von Noah Okafor zurück.

Noah Okafor ist nicht mehr Teil der Schweizer Nati. Denn: Auf Instagram gibt er mit nur 26 Jahren seinen Rücktritt aus dem Nationalteam bekannt. Grund dafür ist Trainer Murat Yakin. Vertrauen sei verletzt und Zusagen nicht eingehalten worden, schreibt er. Alles zu Okafors Nati-Rücktritt-Gründen liest du hier.

Doch wie war die Nati-Karriere von Noah Okafor? Wir machen einen Rückblick.

Frühes Debüt

Noah Okafor debütierte im Juni 2019 mit 19 Jahren im Nations-League-Spiel um Platz drei gegen England. Bis zu seinem vorläufigen Rücktritt kam er auf 26 Länderspiele und zwei Tore.

Noah Okafor feierte sein Nati-Debüt gegen England.

Noah Okafor feierte sein Nati-Debüt gegen England.freshfocus

Der grosse Moment im Nati-Dress

Sein wohl wichtigstes Nati-Tor erzielte Okafor im November 2021 gegen Bulgarien. Beim 4:0 traf er zum 1:0 und half der Schweiz, sich als Gruppensiegerin direkt für die WM 2022 zu qualifizieren.

Turnierfahrer, aber selten prägend

Okafor gehörte sowohl an der WM 2022 und 2026 als auch an der EM 2024 zum Schweizer Aufgebot. In Katar kam er dreimal als Joker zum Einsatz, an der EM in Deutschland blieb er dagegen ohne Minute. Seine Nati-Karriere war deshalb weniger von grossen Spielen als von der Suche nach einer festen Rolle geprägt.

Unter Vladimir Petkovic machte Okafor die ersten Spiele für das Schweizer Nationalteam.

Unter Vladimir Petkovic machte Okafor die ersten Spiele für das Schweizer Nationalteam.freshfocus

Der Bruch mit Murat Yakin

Unter Murat Yakin wurde dann Okafors Situation zunehmend schwierig – zum Eklat kam es während der EM 2024, als es zum Zerwürfnis der beiden kam. Okafor, der nicht zum Einsatz kam, wurden Ego-Touren und fehlender Teamgedanke unterstellt.

Murat Yakin wird von Noah Okafor scharf kritisiert.

Murat Yakin wird von Noah Okafor scharf kritisiert.Mike Wiss/freshfocus

Noah Okafor kritisiert Yakin zum ersten Mal

Yakin bot ihn in der Folge nicht mehr auf. Okafor, der mittlerweile in der Premier League bei Leeds spielt, liess das nicht auf sich sitzen. «Es macht mich wirklich, wirklich traurig», meinte Okafor letzten Herbst im Gespräch mit «The Athletic».

Noah Okafor spielt mittlerweile in der Premier League für Leeds.

Noah Okafor spielt mittlerweile in der Premier League für Leeds.IMAGO/Pro Sports Images

Er beklagte sich, nie mit Trainer oder Sportchef gesprochen zu haben: «Für mich ergibt das keinen Sinn. Es macht mich traurig, weil sie mir nicht einmal eine SMS schicken oder mich anrufen, um zu fragen, wie es mir geht», so Okafor und führt den Umgang bei seinem Wechsel im Sommer von Milan nach Leeds an. «Da hätte ich mir ein ‹Glückwunsch› oder etwas in der Art gewünscht, denn ich spiele jetzt in der besten Liga der Welt.»

Noah Okafor spricht während der WM 2026 zu den Medien.20 Minuten

Die Versöhnung

Nati-Trainer Murat Yakin reiste im Frühling nach England, um sich mit Noah Okafor auszusprechen. Es klappte. Okafor wurde wieder aufgeboten. «Ich musste erst lernen, mit Kritik oder Sachen, die nicht so schön sind, umzugehen», gab derweil der Fussballer zu. Auch meinte er im Frühling: «Ich bin motiviert und hungrig, dem Team zu helfen.»

Das WM-Aufgebot

Noah Okafor wurde dann tatsächlich auch von Yakin für die WM 2026 aufgeboten. Zum Einsatz kam er aber lediglich 19 Minuten gegen Algerien. Diese Minuten spricht Okafor auf Instagram auch gleich selbst an.

«Es sind Dinge passiert, die mich tief getroffen haben. Vertrauen ist verletzt worden. Zusagen wurden nicht eingehalten», schreibt er: «Und als ich gegen Algerien spielen durfte, wurde selbst bei kleinen Fehlern weit weg von unseren Toren auf eine Art und Weise reagiert, die mich tief getroffen hat.»

Noah Okafor stand im WM-Kader, kam aber nur zu einem Kurzeinsatz.

Noah Okafor stand im WM-Kader, kam aber nur zu einem Kurzeinsatz.freshfocus

Was er damit meint: Yakin tickte in der Schlussphase des WM-Spiels total aus. Nach einem Ballverlust des eingewechselten Okafors schmetterte der Nati-Coach eine Trinkflasche wutentbrannt auf den Boden.

Yakin erklärte später: «In den letzten zehn Minuten war ich nicht zufrieden mit der defensiven Organisation. Wir haben viel zu leicht den Ball verloren, in Momenten, in denen es nicht nötig war. Damit haben wir dem Gegner wieder Möglichkeiten gegeben.»

Noah Okafor will nicht mehr für die Nati spielen.

Noah Okafor will nicht mehr für die Nati spielen.freshfocus

Der überraschende Rücktritt

Noah Okafor tritt vorläufig aus der Schweizer Nationalmannschaft zurück. Als Grund nennt er Nati-Trainer Murat Yakin: Vertrauen sei verletzt und Zusagen nicht eingehalten worden. Der SFV bestätigt den Rücktritt und wünscht Okafor Glück bei seinem Verein.

Nils Hänggi

Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredakteur und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.

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