Erste Saar-Kunden ans Netz angeschlossen: Nach Rückzug von Deutsche Glasfaser – wie Kunden zur Telekom wechseln können

Erste Saar-Kunden ans Netz angeschlossen Nach Rückzug von Deutsche Glasfaser – wie Kunden zur Telekom wechseln können

Saarbrücken · Ein Vertrag ist unterschrieben, doch der angekündigte Ausbau bleibt aus: Vor diesem Problem stehen Kunden von Deutsche Glasfaser in einzelnen Saar-Orten. Die Telekom könnte für einen Teil von ihnen eine Alternative sein – doch längst nicht überall.

09.10.2026 , 20:00 Uhr

 Am Freitag nahm die Deutsche Telekom den Glasfaser-Netzverteiler in Eschringen in Betrieb. Dort gingen nach wenigen Monaten Bau-Zeit die ersten Kunden ans Netz. Telekom-Vorstand Ferri Abolhassan kündigte an, weitere Gebiete im Saarland erschließen zu wollen.

Am Freitag nahm die Deutsche Telekom den Glasfaser-Netzverteiler in Eschringen in Betrieb. Dort gingen nach wenigen Monaten Bau-Zeit die ersten Kunden ans Netz. Telekom-Vorstand Ferri Abolhassan kündigte an, weitere Gebiete im Saarland erschließen zu wollen.

Foto: Christine Funk

Wer auf einen Anschluss von Deutsche Glasfaser wartet, möchte wissen: Baut ein anderer Anbieter an meiner Adresse – und wie komme ich aus dem bisherigen Vertrag heraus? Die Telekom bietet Unterstützung beim Wechsel an. Entscheidend ist, ob der bisherige Anschluss bereits genutzt oder nur bestellt wurde.

Offene Aufträge müssen Kunden selbst klären

Bei einem regulären Wechsel von einem laufenden Internetanschluss übernimmt die Telekom nach eigenen Angaben die Kündigung und stimmt die Umstellung mit dem bisherigen Anbieter ab. Für unerfüllte Glasfaseraufträge gilt das nicht: „Die Klärung bei den noch nicht erfüllten Verträgen können wir leider nicht übernehmen“, erklärt die Telekom. Kunden müssen sich in dem Fall selbst an Deutsche Glasfaser wenden.

Für einen noch nicht erfüllten Glasfaserauftrag verweist die Telekom auf eine Kündigungsmöglichkeit nach zwei Jahren. „Es gelten immer die zwei Jahre ab Unterzeichnung“, heißt es in einer Mitteilung. Das Unternehmen verweist auf ein entsprechendes Urteil des Bundesgerichtshofs. Ob die Voraussetzungen im Einzelfall erfüllt sind, sollte vor einer Kündigung geprüft werden. Eine Bestellung bei der Telekom beendet den alten Vertrag nicht automatisch.

Kostenloser Hausanschluss nur mit Tarif

Für einen kostenlosen Haus-Anschluss im sogenannten Initial-Ausbau verlangt die Telekom die Buchung eines Glasfasertarifs. Für bestehende Telekom-Kunden bedeutet das eine Vertragsumstellung. Termine für den Bau des Haus-Anschlusses bietet das Unternehmen zunächst per E-Mail, danach telefonisch an.

Bei einem regulären Anbieterwechsel stößt die Telekom die Umstellung an, sobald der Montage-Termin für die neue Glasfaserdose feststeht. Dafür benötigt sie die korrekten Vertragsdaten und gegebenenfalls den Auftrag zur Rufnummern-Mitnahme. Bis zur Nutzung des neuen Glasfaserprodukts sollen Kunden mit ihrem bisherigen Anschluss versorgt bleiben. Den neuen Tarif zahlen sie erst ab der Nutzung; auch Übergangstarife seien verfügbar.

Telekom kann Infrastruktur von Deutsche Glasfaser nicht nutzen

Bereits verlegte Leer-Rohre oder Hausanschlüsse von der Deutschen Glasfaser nutzt die Telekom nach eigenen Angaben nicht weiter, da sie sich in deren Eigentum befinden.

Im Initial-Ausbau übernimmt die Telekom bei Mehrfamilienhäusern neben dem Hausanschluss auch die Verkabelung im Gebäude. Dem Kunden beziehungsweise Eigentümer entstünden dafür keine Kosten. Als Tarifbeispiel nennt das Unternehmen „Glasfaser 150“ für 47,95 Euro monatlich ohne Router. Berechtigte Breitband-Neukunden können in den ersten drei Monaten Einstiegsangebote für 9,95 Euro monatlich nutzen. Welches Angebot gilt, hängt von Adresse und Kundensituation ab.

Ausbauziel früher erreicht

Ob die Telekom dort einspringt, wo die Deutsche Glasfaser nicht weitermacht, hängt von vorhandenen Netzen und Leer-Rohren, dem Kunden-Interesse sowie der Zusammenarbeit mit Kommunen und den Genehmigungsbedingungen ab. In Saarbrücken seien dieses Jahr bereits 10.000 neue Anschlüsse entstanden.

In Saarbrücken-Eschringen, wo sich Deutsche Glasfaser vom Ausbau zurückgezogen hatte, wurden am Freitag die ersten Kunden ans Telekom-Netz angeschlossen. Eine Anwohnerin berichtete, sie habe vor vier Jahren bei der Deutschen Glasfaser unterschrieben, passiert sei nichts. Die Telekom habe den Anschluss binnen sechs Monaten gelegt.

Wo die Telekom jetzt ausbaut

Thomas Lauterbach, Mitglied der Geschäftsführung der Region Südwest, kündigte gegenüber der Saarbrücker Zeitung weitere Erschließungen in Homburg, St. Ingbert, Bübingen, Güdingen und Dudweiler an. In St. Wendel und Saarlouis wollen die Stadtwerke den Ausbau übernehmen.

Telekom-Vorstand Ferri Abolhassan erklärte bei der Inbetriebnahme des ersten Glasfaser-Netzverteilers in Eschringen, die bis Ende 2028 geplanten 120.000 Anschlüsse werde das Unternehmen bereits im Frühjahr 2027 erreichen. Dadurch entstünden Kapazitäten, um den Ausbau von Deutsche Glasfaser punktuell zu übernehmen.

Der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) erneuerte seine Kritik an Deutsche Glasfaser: Das Unternehmen habe „viele Schäden“ hinterlassen. Die Fertigstellung der Telekom-Anschlüsse in Eschringen lobte er dagegen als „echten Meilenstein“. (jos)

  • Saarbrücken

  • Saarland

  • Saar-Wirtschaft

  • Zur Startseite