Erster HPV-Atlas Deutschland: Sachsen-Anhalt Spitzenreiter bei Impfungen

Junge bekommt Pflaster auf den Arm

AUDIO: HPV-Impfungen in Deutschland: Sachsen-Anhalt Spitzenreiter (1 Min)

Erster HPV-Atlas Deutschland

Stand: 16.10.2026 13:30 Uhr

Die HPV-Impfung ist wirksam und hilft bei der Krebsprävention. Doch Deutschland hat bei der Anwendung noch viel Luft nach oben, zeigt der aktuelle "HPV-Atlas Deutschland 2026". Regional gibt es dabei starke Unterschiede. In Deutschland ist der Nordosten Vorreiter, vor allem Sachsen-Anhalt. Im europäischen Vergleich liegt die Impfquote in der BRD allerdings unter dem Durchschnitt.

von MDR WISSEN

Der Atlas ist vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Deutschen Krebshilfe herausgegeben worden und erstmals erschienen. Neben den reinen Zahlen zum Stand der Impfung gegen Humane Papillomviren schlagen die beiden Institutionen auch Strategien vor, die Impfquote zu steigern.

Fast alle Menschen infizieren sich mit HPV

HPV ist eine der am häufigsten sexuell übertragenen Erkrankungen, fast alle sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe des Lebens mit dem Virus. Meist folgenlos, doch bei Risikopatienten kann aus einer HPV-Infektion Krebs entstehen. Nicht nur, wie oft falsch angenommen, bei Mädchen und Frauen. Die Impfung kann dem entgegenwirken.

55 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen unter 15 sind bundesweit gegen HPV geimpft. Diese Viren stehen im Zusammenhang mit etlichen Krebsarten – nicht nur bei Gebärmutterhalskrebs, sondern auch bei Anal-, Penis-, Vulva- und Vaginalkrebs oder Mundrachenkrebs.

Mit Prävention dem Krebs begegnen

11.000 HPV-bedingte Krebsneuerkrankungen in Deutschland wurden allein im Jahr 2021 geschätzt. Dabei lassen sich diese Zahlen durch die Impfung deutlich senken, erklärt Nobila Ouédraogo, von der Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ, der die wissenschaftliche Aufarbeitung des HPV-Atlas geleitet hat.

Menschen werden gegen HPV geimpft.

Gebärmutterhalskrebs

Noch immer zu wenige Kinder gegen HPV geimpft

HPV-Impfungen schützen vor Krebs – doch nur wenige Jugendliche sind geimpft. Grund ist meist nicht Impfskepsis, sondern fehlende Informationen. In Sachsen soll sich das ändern.

"HPV-bedingter Krebs gehört zu den Erkrankungen, bei denen wir durch Prävention besonders viel erreichen können." Das habe die inzwischen seit 15 Jahren laufende Forschung über die Impfung gegen HPV gezeigt.

Regionale Unterschiede innerhalb Deutschlands und Europas

Regional unterscheidet sich die Impfquote derweil stark. Spitzenreiter ist dabei der Nordosten, besonders Sachsen-Anhalt mit 73 Prozent der Mädchen und der 50 Prozent der Jungen. Thüringen (64 und 45 Prozent) liegt auf dem vierten Platz, Sachsen auf Rang sechs bei den Mädchen (59) und auf acht bei den Jungen (40). Schlusslicht ist Baden-Württemberg.

HPV Imprate je Bundesland 2026

Im europäischen Vergleich wird aber die Luft nach oben sichtbar. In Portugal, Spitzenreiter in der EU, sind 90 Prozent der Jungen und Mädchen unter 15 Jahren geimpft. Deutschland liegt auch unter dem EU-Schnitt (65 beziehungsweise 55 Prozent).

Mit einer nationalen HPV-Präventionsstrategie, mehr Kommunikation und der Integration der Aufklärung in die Vorsorgeuntersuchungen im Kindesalter erhoffen sich Krebshilfe und das Krebsforschungszentrum einen Anstieg der Impfungen. Und in der Folge weniger Krebs in Deutschland.

pm/jar