Erster richtiger Leader seit Rode? Eintracht-Neuzugang Raphael Onyedika setzt sich große Ziele

Stand: 05.08.2026, 19:15 Uhr

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Der Mittelfeldspieler kommt für zehn Millionen Euro vom FC Brügge zur Eintracht. Er soll die Lücke schließen, die seit Sebastian Rodes Abgang klafft.

Frankfurt am Main – Jay-Jay Okocha? Raphael Onyedika lächelt, ein wenig versonnen und auch ein wenig verschmitzt. Natürlich wisse er alles über den Zauberer, den unerreichten Rastelli aus der alten Fußballzeit. Alte Fußballzeit? Ja, ja, schließlich wird sogar ein Jay-Jay älter, 53 Jahre schon am 14. August. Das Leben rennt nicht, es rast.

In Sachen zweikampfstärke dürfte Onyedika Rode in kaum etwas nachstehen. Doch kann er auch die Leader-Rolle übernehmen?

In Sachen zweikampfstärke dürfte Onyedika Rode in kaum etwas nachstehen. Doch kann er auch die Leader-Rolle übernehmen? © picture alliance/dpa/Belga | Bruno Fahy

„Jedes Kind in Nigeria kennt ihn“, sagt der Neuzugang der Frankfurter Eintracht. „Er ist eine große Legende in der Heimat, jeder kennt seine Geschichte.“ Onyedika wird erst der zweite Nigerianer sein, der für die Eintracht in der Bundesliga spielt. Und sehr viel größer könnten die Fußstapfen nicht sein als die, die einst dieser Augustine Okocha in Frankfurt hinterlassen hat.

Abräumer statt Tänzer: Vorbild Rode?

Seine Bindung zur Eintracht ist nach wie vor eng, erst kürzlich präsentierte er das neue Auswärtstrikot im Retrostyle, Nummer zehn, aus den 80er-Jahren, als Jay-Jay selbst noch ein Jugendlicher war. Das Shirt hat jetzt schon alle Rekorde gebrochen, so schnell gingen noch nie so viele Hemden weg, 23.000 seit Verkaufsstart. Ungeheuerlich.

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Raphael Onyedika kommt sicher zugute, dass er kein Zehner ist, kein Tänzer wie das große Idol aus Nigeria. Der Zugang vom FC Brügge, zehn Millionen Euro schwer, kommt eher über die robuste Schiene, beschreibt sich selbst als „aggressiven“ Spieler. „Ich gehe in jedes Spiel, als wäre es mein letztes. Ich gebe immer alles, immer 100 Prozent.“ Die Erwartung an den Mann mit der Rückennummer 25 ist ganz schön hoch.

Das liegt daran, dass er ein großes Loch stopfen soll. Endlich mal. Die Eintracht fahndet im Grunde seit dem Abgang von Ex-Kapitän Sebastian Rode nach einem Anker, einer Leitfigur fürs zentrale Mittelfeld – und hat niemanden gefunden. Bis heute nicht. Ellyes Skhiri konnte die Lücke nicht adäquat schließen, auch Hugo Larsson und Oscar Hojlund nicht, kein Fares Chaibi, Mo Dahoud und auch kein Mario Götze.

Andere wie Nationalspieler Pascal Groß hätten vielleicht das Zeug dazu gehabt, sprangen aber im letzten Moment ab. Ein Problem, das die Eintracht gewissermaßen auch bei Onyedika hatte. Der 25-Jährige sollte schon zweimal anheuern, doch die geforderte Ablösesumme der Belgier war den Hessen jeweils zu hoch. „Wir haben aber immer Kontakt gehalten“, erzählt der Profi, der tapfer behauptet, die Eintracht sei einer seiner Traumvereine.

Das kann man glauben oder nicht. Er habe den Klub aus dem Hessischen näher unter die Lupe genommen, als dieser vor vier Jahren die Europa League gewann und in der vergangenen Saison in der Königsklasse mitspielen durfte. Nicht ganz so erfolgreich, mal zurückhaltend formuliert. Aber für den Mittelfeldmann spielt das eher eine untergeordnete Rolle. Er will mithelfen, den Verein wieder dorthin zu bringen, wo er hingehöre, „nach Europa“.

Die Champions-League-Hymne würde er gerne wiederhören. Als sie zum ersten Mal abgespielt wurde und er aufgereiht mit seinen Kollegen auf dem Feld stand, da überfiel ihn mal eben eine Ganzkörpergänsehaut. Inzwischen fast schon Routine: 24-mal lief er bereits in der Königsklasse auf. Der Bursche hat schon etwas nachgewiesen.

Ganz sicher ist, dass Rapha, wie er gerufen wird, seinen Traum lebt, einen Kindheitstraum. Wie viele andere Jungs in Nigeria malte er sich als Knirps stets blumig aus, es irgendwann mal als Fußballer nach Europa zu schaffen. Dass er es gepackt hat, erfüllt nicht nur ihn mit Stolz, „auch meine Familie“.

Sie bedeutet ihm alles. „Sie besucht mich gelegentlich und fliegt dann wieder zurück nach Nigeria.“ Onyedika stammt aus ärmlichen Verhältnissen. „Manchmal ging es einfach nur ums Überleben. Wir verbrachten viel Zeit auf der Straße, spielten Fußball, meistens barfuß. Mein Vater starb, als ich zwei Jahre alt war“, erzählte er einmal. Nicht leicht für den Bub.

Jay-Jay Okocha: Der König schaut zu

Seine Begabung blieb nicht unbemerkt, er schaffte es mit 15 in die Akademie Ebedei; der Fußball eröffnete ihm den Zugang zu einer anderen Welt, einer neuen, schönen, unbekannten. Über die Talentschmiede des FC Ebedei landete er beim Partnerklub in Europa, dem dänischen FC Midtjylland.

Dort begann der unaufhaltsame Aufstieg des Abräumers, erst als Leihspieler für den FC Fredericia: Profidebüt mit 19 gegen Kolding IF vor fast sechs Jahren, direkt ein Tor. Weiter ging es über die erste Mannschaft Midtjyllands, Stammspieler, gleich dabei in allen europäischen Wettbewerben, zudem Pokalsieger.

Weiter nach Belgien, was für eine großartige Zeit: 183 Spiele für Brügge, zwei Meisterschaften, einen Pokalsieg, einen Supercuptriumph, Torschütze in der Champions League, Conference-League-Halbfinale. Sehr viel erfolgreicher und schöner hätte es nicht laufen können für Raphael Onyedika. Nun schlägt er ein neues Kapitel auf, in Frankfurt. König Jay-Jay wird bei seinem Kronprinzen ganz genau hinsehen.