Nach satten WM-Einnahmen: UEFA fordert über zwei Milliarden Dollar an Nachzahlungen von der FIFA
Es geht um fast zwei Milliarden Euro: UEFA fordert FIFA zur Nachzahlung
Stand: 18.09.2026, 19:59 Uhr
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UEFA und Concacaf fordern 2,1 Milliarden Dollar von der FIFA und verschärfen den Machtkampf mit Infantino vor der Wahl 2027.
Frankfurt – UEFA und Concacaf haben von FIFA-Präsident Gianni Infantino die Ausschüttung von 2,1 Milliarden US-Dollar an alle 211 Mitgliedsverbände gefordert. Das geht aus einem gemeinsamen Brief hervor, den UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und Concacaf-Chef Victor Montagliani am heutigen Freitag an Infantino richteten.

Jeder der FIFA-Mitgliedsverbände soll demnach eine einmalige Sonderzahlung von zehn Millionen US-Dollar erhalten. Zur Begründung verweisen Ceferin und Montagliani auf die Finanzlage des Weltverbandes. Die FIFA verfüge nach der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko über Reserven von rund sechs Milliarden US-Dollar. Eine solche Ausschüttung sei deshalb ohne Weiteres möglich.
Das Geld solle zwischen 2027 und 2030 in Infrastrukturprojekte und die Weiterentwicklung des Fußballs fließen. Es käme zusätzlich zu den bereits im Programm „FIFA Forward Enterprise“ festgelegten Zahlungen hinzu. Im Brief heißt es: „Die FIFA verfügt bereits über die Kapazität, ihren Mitgliedsverbänden erheblich mehr aus ihrer eigenen Bilanz zur Verfügung zu stellen – ohne Verkauf von Beteiligungen an ihren Wettbewerben und ohne von den Mitgliedsverbänden eine Gegenleistung zu verlangen.“
Der aktuelle Konflikt hat seinen Ursprung in einem gescheiterten Plan Infantinos. Der FIFA-Präsident hatte abseits der offiziellen Gremien Pläne vorgelegt, einen 20-prozentigen Anteil der kommerziellen Rechte an FIFA-Wettbewerben für rund 20 Milliarden US-Dollar an US-Investoren zu verkaufen. Das Vorhaben stieß bei europäischen Funktionären auf massiven Widerstand. Die 55 UEFA-Mitgliedsverbände drohten offen mit einem Boykott aller FIFA-Wettbewerbe.
Infantino musste das Projekt zurückziehen. Rücktrittsforderungen wies er aber zurück. Ceferin und Montagliani halten Infantino nun vor, der Investorendeal sei von Anfang an unnötig gewesen. Die FIFA hätte ihren Verbänden auch ohne den Verkauf von Anteilen mehr Geld bereitstellen können. Beide fordern Infantino auf, vor der nächsten Sitzung des 37-köpfigen FIFA-Rats am 15. Oktober eine „vollständige und unabhängige Analyse“ der FIFA-Finanzen erstellen zu lassen.
DFB-Vize Hans-Joachim Watzke, zugleich Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee, formulierte es deutlich: „Die FIFA sitzt auf einem riesigen Geldberg, der eigentlich uns gehört, den Nationalverbänden.“ Seine Forderung geht noch weiter: „Infantino sollte weg – ohne Wenn und Aber.“ Der Streit um die Milliarden ist eingebettet in einen umfassenden Machtkampf vor der FIFA-Präsidentschaftswahl.
UEFA will Wiederwahl Infantinos verhindern
Infantino will sich am 18. März 2027 beim FIFA-Kongress in Rabat zum vierten Mal zum FIFA-Chef wählen lassen. Die UEFA arbeitet daran, das zu verhindern. Die Bewerbungsfrist für einen Gegenkandidaten läuft am 18. November ab. Vieles deutet darauf hin, dass Concacaf-Chef Montagliani selbst als Herausforderer antreten könnte. Gemeinsam verfügen UEFA und Concacaf über 90 der 211 Stimmen.
Am 8. und 9. Oktober kommen die Präsidenten und Generalsekretäre aller UEFA-Mitgliedsverbände in Berlin zusammen. Dort wird voraussichtlich eine Entscheidung über eine Gegenkandidatur fallen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat sich klar positioniert und fordert ebenfalls das Ende des „Systems Infantino“.
Parallel prüft die UEFA juristische Schritte gegen den 56-Jährigen. Im Mittelpunkt steht der Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Zusammenhang mit dem geplatzten Investorendeal. Ein entsprechendes Verfahren würde in der Schweiz geführt, dem Sitz der FIFA. Zudem wurde die US-Justiz eingeschaltet, um alle Dokumente im Zusammenhang mit dem Investorendeal zu sichern. Im Falle einer Verurteilung könnte Infantino nach Darstellung der UEFA sogar eine Haftstrafe drohen. (hbr)