„Es ist ein Desaster“: Gartenbesitzer pumpen Wasser aus Bächen, um Blumen zu bewässern

Stand: 13.08.2026, 08:21 Uhr

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Verzweifelte Rettungsaktion: Zwei Mitglieder des Bezirksfischereivereins sammeln im Niedrigwasser gefangene Fische ein, um sie woanders wieder auszusetzen.

Verzweifelte Rettungsaktion: Zwei Mitglieder des Bezirksfischereivereins sammeln im Niedrigwasser gefangene Fische ein, um sie woanders wieder auszusetzen. © Privat

An der Schlierach im Landkreis Miesbach fließen aktuell nur noch 73 Liter pro Sekunde – normal wären 200 bis 300. Der Bezirksfischereiverein muss Forellen und Mühlkoppen mit Elektrofischerausrüstung einsammeln und umsetzen.

Landkreis – Grüne Rasen entlang von Bächen sind bei Trockenheit nicht zwangsläufig ein gutes Zeichen. Vor allem dann nicht, wenn das scheinbar satte Grün auf Kosten der Natur geht. Ein Phänomen, das den Fischern im Landkreis Miesbach in diesen Wochen zunehmend Sorgenfalten und Schweißperlen ins Gesicht treibt. „Es ist ein Desaster“, seufzt Thomas Mattner, Vorsitzender des Bezirksfischereivereins Miesbach-Tegernsee. Und damit meint er eben nicht nur das anhaltend trocken-heiße Wetter, sondern auch das Verhalten der Gartenbesitzer entlang der Fließgewässer.

Diese würden trotz der niedrigen Pegel weiter fleißig ihre Rasen und Blumenbeete bewässern. Nicht nur mit einem einzelnen Eimer oder einer Gießkanne, was laut Mattner als „Jedermannsrecht“ noch zu tolerieren wäre, sondern mit fest in den Bächen installierten Pumpen. „Sie klauen den Fischen das Wasser“, betont Mattner. Weder der freundliche Hinweis, dass dies eigentlich verboten ist, noch die Aufklärung über die dramatischen Folgen für Forelle, Mühlkoppe und Co. hätten bis dato gefruchtet.

Zu wenig Wasser, zu hohe Temperaturen

Besonders schlimm ist die Lage laut Mattner an der Schlierach sowie an den Nebenarmen der größeren Bachläufe. So beträgt der Abfluss am Oberlauf der Schlierach aktuell nur noch 73 Liter pro Sekunde. Normal wären zwischen 200 und 300, erklärt der Fischereivereinsvorsitzende. Doch nicht nur die Trockenheit setzt die Fische unter Stress, sondern auch die hohe Wassertemperatur und der damit sinkende Sauerstoffgehalt. Die 26 Grad, ab denen die Bachforellen verenden, seien an der Schlierach schnell erreicht. Wenn es noch zwei bis drei Grad wärmer wird, sterben auch die Regenbogenforellen.

Immer wieder rücken die Vereinsmitglieder zu Rettungsaktionen aus. Mit der Elektrofischerausrüstung sammeln sie die Tiere ein und setzen sie an Stellen mit noch mehr oder kühlerem Wasser wieder aus, aktuell etwa in der Mangfall bei Thalham. „Auch das ist aber ein Stress für die Fische“, räumt Mattner ein. Und weist darauf hin, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es auch in der Mangfall eng wird mit dem Wasser. „Es kommt einfach zu wenig nach.“ Punktuelle Gewitterschauer würden die Situation kaum entspannen. Letztlich brauche es fast schon ein kleines Hochwasser, um Tegernsee und Schliersee als „Vorfluter“ der Flussläufe wieder auf ein normales Niveau zu hieven.

Ausgetrocknet: Ein Leser hat dieses Foto an der ehemaligen Schlierach auf Höhe des Wasserschlosses bei Miesbach aufgenommen. Es handle sich um den Abschnitt zwischen der Ableitung in das Aquädukt der Stadtwerke München und der Mündung in die Mangfall.

Ausgetrocknet: Ein Leser hat dieses Foto an der ehemaligen Schlierach auf Höhe des Wasserschlosses bei Miesbach aufgenommen. Es handle sich um den Abschnitt zwischen der Ableitung in das Aquädukt der Stadtwerke München und der Mündung in die Mangfall. © Privat

Noch ein weiteres Problem für die Fischpopulationen haben Mattner und seine Mitstreiter identifiziert: Durch das wenige Wasser könnten sich die Tiere auch immer schlechter vor Fressfeinden wie Fischottern oder Gänsesägern verstecken. Hier würde sich der Fischereivereinsvorsitzende auch von Vogel- und Naturschützern mehr Verständnis und Unterstützung wünschen. Es dürfe nicht sein, dass man in der Hoffnung auf Selbstregulation ganze Fischarten opfere. „Für mich ist das verfehlte Lobbyarbeit“, betont Mattner. So sei die Äsche als eigentlich in der Region beheimateter Laichfisch in einigen Flussabschnitten quasi ausgestorben.

Kurzfristige Unterstützung erhofft sich Mattner aber in erster Linie bei der Durchsetzung von Verboten zur Wasserentnahme. Dazu hat sich der Bezirksfischereichef bereits an Landrat Jens Zangenfeind gewandt. Mit der Bitte um eine zeitnahe Umsetzung einer ganzen Reihe von Maßnahmen. Hier schlägt Mattner unter anderem die Vorbereitung einer rechtssicheren Niedrigwasserregelung vor, die auf Basis von bestimmten Messwerten abgestuft aktiviert werden kann. So könnten die Wasserentnahmen per Allgemeinverfügung beschränkt oder zeitweise vollständig untersagt werden. Zudem sollte man unmissverständlich klarstellen, „dass Wasserentnahmen mit Pumpen, Saugvorrichtungen oder vergleichbaren technischen Einrichtungen ohne wasserrechtliche Gestattung unzulässig sind“.

Fischer fordern strengere Regeln durch das Landratsamt

Damit die Regelungen auch Wirkung entfalten, fordert Mattner die Überprüfung bestehender Gestattungen, die Kontrolle von Pumpen, Schläuchen und anderen Entnahmeeinrichtungen, die schnelle Verfolgung von Meldungen sowie konsequente und spürbare Ahndung von Verstößen als bußgeldbewährte Ordnungswidrigkeiten. Ausnahmen müssten „eindeutig, nachvollziehbar und eng gefasst“ sein.

All das, betont Mattner, diene letztlich der Vermeidung der aktuell drohenden dauerhaften ökologischen Schäden: „Es geht hierbei nicht um Partikularinteressen der Fischerei, sondern um den Erhalt unserer heimischen Gewässer als wertvolle Lebensräume und als wesentliche Bestandteile des Naturhaushalts.“