Eschweger Nahwärmenetz startet 2028 – Anschluss kostet 8500 Euro

Stand: 22.09.2026, 20:00 Uhr

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Vier Menschen, die sich über eine farbige Karte der Stadt Eschwege beugen am 18. 9. 2006 in der Stadthalle

Stieß auf großes Interesse: die kommunale Wärmeplanung der Stadt Eschwege, die die Stadtwerke am Freitag erstmalig öffentlich vorgestellt und erläutert haben. © Foto: Stefanie Salzmann

Die Eschweger Stadtwerke wollen 90 Prozent der Wärme für das geplante Nahwärmenetz aus der Werra gewinnen. Noch diese Woche erscheinen die Ausbaupläne online – mit Farbkodierung für jedes Stadtgebiet.

Eschwege – Der Blick auf die Tanksäule, den sich der Zwei-Euro-Marke nähernde Heizölpreis oder die Gasrechnung lässt den Menschen eine Frage unter den Nägeln brennen: „Wie heizen wir künftig verlässlich und bezahlbar?“ Am Freitagabend stellten die Eschweger Stadtwerke bei einer öffentlichen Infoveranstaltung in der Stadthalle die Ergebnisse der von ihnen in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie für ein Nahwärmenetz für Eschwege vor.

Welche Bereiche der Stadt können an das Nahwärmenetz angeschlossen werden?

Im Prinzip alle. Allerdings nicht gleichzeitig. Die Planer haben die Stadt in knapp 50 Kleingebiete aufgeteilt, die schrittweise an das Nahwärmenetz angeschlossen werden können. Entstehen wird quer durch die Stadt eine Haupttransportleitung, mit der bis 2045 ein Kernnetz von etwa 57 Kilometern Trassenlänge geschaffen wird.

Baubeginn für die ersten Ausbaustufen (A1K) ist 2028. Das umfasst die Gebiete um die Schlossmühle, Schlossplatz, Oberer Stad bis zum Höhenweg und Boyneburger Tor.

Welchen Zeitplan haben die Stadtwerke?

Weitere Ausbaustufen der konkreten Planung ziehen sich in Zwei- und Dreijahresschritten bis 2045. Alle anderen Gebiete – das sind zum Teil auch kleine Inseln – kommen erst nach 2045 dran.

Wie soll das Nahwärmenetz funktionieren?

Genutzt werden drei unterschiedliche Energieträger. Der wichtigste ist die Flusswärme aus der Werra, mit der 90 Prozent des Wärmebedarfes gedeckt werden sollen. Daher wird an der Schlossmühle eine der Energiezentralen sein. Weiterhin soll die Abwärme aus der Eschweger Kläranlage genutzt sowie eine große Luft-Wärmepumpe, die am Heuberg gebaut werden soll und die Spitzenlasten abfangen kann. Von den drei Wärmequellen aus soll das Hauptnetz aufeinander zuwachsen.

Ist der Anschluss an das Netz für jedes Gebäude möglich?

Ja. Die bisherige Heizung (Ölbrenner, Gastherme etc.) wird ausgetauscht gegen eine sogenannte Übergabestation ersetzt, über die das Nahwärmenetz und das bestehende Heizungssystem miteinander gekoppelt werden. Die Übergabestation ist etwa 1,50 Meter mal 1 Meter groß. Hinzu kommt ein 80 bis 150 Liter umfassender Warmwasserspeicher.

Was kostet Hauseigentümer der Anschluss an das Nahwärmenetz?

Das steht noch nicht genau fest und richtet sich auch danach, wie viele Haushalte sich letztlich an das Nahwärmenetz anschließen wollen. Die Stadtwerke haben verschiedene Modelle für den einmaligen Anschluss, den jährlichen Grundpreis und die laufenden Energiekosten durchgespielt. Kalkuliert haben sie einen Mischpreis. Die einmaligen Anschlusskosten an das Nahwärmenetz liegen bei 8500 Euro.

Wie sieht eine Beispielrechnung für ein normales Einfamilienhaus pro Jahr aus?

Ein durchschnittliches Einfamilienhaus, das 27.000 kWh Wärme im Jahr verbraucht, würde einen jährlichen Grundpreis von 1800 Euro zahlen und etwa 3000 Euro für die bezogene Wärmemenge. Die jährlichen Kosten der Wärmeversorgung liegen damit nach jetzigen Berechnungen bei etwa 4000 Euro. Der Mischpreis netto liegt damit bei 17,81 Cent je Kilowattstunde und 21,19 Cent brutto.

Wie kann man erfahren, in welchem geplanten Ausbaugebiet das eigene Haus liegt?

Noch in dieser Woche werden die exakten Pläne für den Nahwärmeausbau auf den Websites der Eschweger Stadtwerke (stadtwerke-eschwege.de) und der Stadt Eschwege (eschwege.de) veröffentlicht. Die grün und blau markierten Flächen stellen das priorisierte Kernnetz und erste Ausbaustufen dar. Rot markierte Flächen sind die Gebiete, die zwischen 2035 und 2045 angeschlossen werden können. Gelbe Flächen sind noch nicht geplant und werden frühestens ab 2045 realisiert werden. Wenn sich Hauseigentümer dort zusammenschließen, sodass eine hohe Ausbauquote in ihrem Straßenzug erreicht, wird, können diese Gebiete beim Ausbau auch vorgezogen werden. (Stefanie Salzmann)