„Etwas zu lieb“: Lustrinelli erklärt Unions bitteres 0:7-Debakel beim FC Bayern

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Harry Kane jubelte, seine Mitspieler umringten ihn – und Fußball-Bundesligist Union Berlin musste sich auf das gefürchtete Geräusch einstellen. „Yabba Dabba Doo!“, rief Fred Feuerstein durch die Allianz Arena, dann erklang der Cancan von Jacques Offenbach. Kane hatte in der 39. Minute per Elfmeter zum 2:0 getroffen – sein 100. Bundesligator.

Für den Engländer war es ein Jubiläum, für Union eine schmerzhafte Szene an einem bitteren Abend. Die Berliner verloren beim Rekordmeister mit 0:7 (0:3) und rutschten nach ihrem dürftigen Saisonstart tiefer in die Misere. Ein Punkt und 17 Gegentore nach vier Spielen lassen sich nicht allein mit dem Umbruch erklären.

Union Berlin gerät früh unter Druck

Trainer Mauro Lustrinelli hatte einen mutigen Auftritt verlangt. Anfangs setzte sein Team die Vorgaben um und ließ eine Viertelstunde lang keine klare Chance zu. „Zu Beginn haben wir gut dagegengehalten, waren griffig und in den Zweikämpfen präsent“, sagte Abwehrspieler Tom Rothe.

1. BL: Bayern München - 1. FC Union 2026/27

Viel Arbeit für Mauro Lustrinelli: Seine Mannschaft geriet beim FC Bayern deutlich unter die Räder.© imago/Matthias Koch | imago/Matthias Koch

Kapitän Christopher Trimmel stand erstmals in dieser Bundesliga-Saison unter Lustrinelli in der Startelf. Mit Rani Khedira, Janik Haberer, Michel Aebischer und Andras Schäfer bot der Trainer vier zentrale Mittelfeldspieler auf. Sie sollten das Zentrum schließen, Woo-yeong Jeong und Emmanuel Latte Lath für Entlastung sorgen.

Doch die in farbenfrohen Wiesn-Trikots spielenden Münchener übernahmen die Kontrolle. Jamal Musiala traf nach einem Zuspiel von Alphonso Davies wuchtig von der Strafraumgrenze zum 1:0 (18.). „Wir haben versucht, sie von unserem Strafraum fernzuhalten. Dann erzielen sie eben Tore von außerhalb“, sagte Trimmel.

Harry Kane verschärft die Sorgen der Berliner

Nach dem Rückstand verlor Union den Zugriff. Die Abstände wurden größer, die Ballverluste häuften sich. Latte Lath blieb isoliert, Jeong setzte kaum Impulse. Aus einem ordentlichen Beginn entwickelte sich eine einseitige Begegnung.

18.09.2026, Fussball Bundesliga FC Bayern - Union Berlin

Die Münchener Innenverteidiger Dayot Upamecano (l.) und Jonathan Tah (r.) hatten Union-Angreifer Emmanuel Latte Lath (M.) sicher im Griff.© imago/MIS | IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

In der 39. Minute verursachte Rothe den Elfmeter, den Kane zum 2:0 verwandelte. „Ich treffe ihn in der Situation. Deshalb kann man den Elfmeter geben“, räumte Rothe ein. Wieder ertönten Fred Feuersteins Jubelruf und der Cancan. Für Union wurde die Torhymne zum Soundtrack des Debakels.

Wir sind derzeit nicht gefestigt, das müssen wir ehrlich sagen.

Christopher Trimmel, Kapitän von Union Berlin

„Der Elfmeter kam zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt“, sagte Lustrinelli. Direkt danach habe seine Mannschaft eine eigene Chance vergeben. Noch vor der Pause erhöhte Michael Olise nach einer Freistoßvariante auf 3:0 (43.). Zur Halbzeit brachte Lustrinelli Tim Skarke für den wirkungslosen Latte Lath. Die erhoffte Reaktion blieb aus.

Aus dem Mut der Hauptstädter wird Schadensbegrenzung

Auch nach dem Seitenwechsel kontrollierten die Hausherren die Partie. Olise flankte auf Kane, der zum 4:0 und seinem 101. Bundesligator einköpfte (54.). Der eingewechselte Ismael Saibari ließ beim 5:0 drei Berliner stehen (70.). Danach brach Union völlig auseinander. Tom Bischof schickte Olise, der Rönnow umkurvte und zum 6:0 traf (73.). Drei Minuten später legte Bischof per Hacke erneut für Olise auf. Der Franzose vollendete seinen Dreierpack zum 7:0.

18.09.2026, Fussball Bundesliga FC Bayern - Union Berlin

Jubiläumsjubel: Harry Kane feiert seinen 100. Treffer in der Bundesliga© imago/MIS | IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

Aus dem Vorsatz, mutig zu bleiben, war Schadensbegrenzung geworden. Doch selbst die gelang nicht. Union verlor jede Ordnung und leistete kaum noch Gegenwehr. „In einigen Situationen haben wir den Fokus verloren“, sagte Lustrinelli. Sein Team sei zudem „etwas zu lieb“ gewesen. Drei Gegentore innerhalb von sechs Minuten belegten das Ausmaß des Einbruchs.

Der Berliner Fehlstart ist komplett

Eine Niederlage in München kann passieren. Die Höhe und Art dieses 0:7 müssen Union jedoch alarmieren. „Wir sind derzeit nicht gefestigt, das müssen wir ehrlich sagen“, erklärte Trimmel. Einfache Ballverluste und Abstimmungsprobleme bringen die Mannschaft regelmäßig in Bedrängnis. „Wir bekommen zu viele Gegentore und lassen zu viel zu“, sagte der Kapitän. Union müsse besonders in der Defensive besser harmonieren. Im Angriff fehlt ebenfalls die Durchschlagskraft.

„Natürlich müssen wir uns fragen, warum wir so viele Gegentore bekommen“, sagte Lustrinelli. Es seien viele kleine Dinge, an denen sein Team arbeiten müsse. „Man kann in München verlieren. Trotzdem müssen wir uns mit der Art und Weise auseinandersetzen.“

Vor der Partie hatte der Trainer die Entwicklung seiner Mannschaft mit einem Kind verglichen, das Fahrradfahren lernt. In München ist Union regelrecht unter die Räder geraten. In der Länderspielpause will Lustrinelli wieder „an den Grundlagen arbeiten“. Gegen die SV Elversberg muss der Hauptstadtklub anschließend zeigen, dass er wieder aufstehen kann.