Prognose: EU-Bevölkerung soll ab 2030 schrumpfen

Prognose

450,6 Millionen Menschen leben aktuell in der Europäischen Union, ein neuer Höchststand – doch schon bald soll die Bevölkerungszahl sinken. Das ist das Ergebnis des am Dienstag vorgestellten Bevölkerungsberichts der EU-Kommission. Bis 2029 soll die Zahl auf 453,3 Mio. steigen und dann bis 2100 auf 398,8 fallen. Parallel wird die Bevölkerung in der EU deutlich älter.

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Die prognostizierte Bevölkerungszahl im Jahr 2100 würde ungefähr der in den 1970er Jahren entsprechen, so die Studie. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Lebenserwartung von durchschnittlich 81,5 Jahren im Jahr 2024 (84,1 Jahre für Frauen und 78,9 Jahre für Männer) bis 2100 auf 90 Jahre für Frauen und 86 Jahre für Männer steigt. Bis 2050 werde ein Drittel der Menschen in der EU 65 Jahre oder älter sein.

Dabei lebt die Bevölkerung der EU dem Bericht zufolge durchschnittlich lange gesund. „Ein Kind, das 2023 in der EU geboren wurde, kann damit rechnen, ohne schwerwiegende Erkrankungen zu leben, bis es 75,3 Jahre alt ist“, so die EU-Kommission.

Rückgang der EU-Bevölkerung erwartet

Der Demografiebericht der EU-Kommission geht davon aus, dass die EU-Bevölkerung von derzeit 450,6 Millionen Menschen bis 2029 auf 453,3 Millionen steigen wird, um dann bis 2100 auf 398,8 Millionen zu sinken.

Dabei wird die Zahl der Pflegebedürftigen laut Bericht ebenfalls steigen, von 36 Millionen im Jahr 2025 auf voraussichtlich 48 Millionen bis 2070. Das entspreche dann etwa elf Prozent der EU-Bevölkerung. 2070 seien voraussichtlich 18,4 Mio. pflegebedürftige Menschen zwischen 80 und 89 Jahre alt.

Kommission sieht „erhebliche Herausforderungen“

Dass die Gesellschaft immer älter wird, sei eine große Herausforderung, so die Wissenschaftler des Wissenschaftszentrums der EU-Kommission. Die Kommission sprach angesichts der Prognosen von „erheblichen Herausforderungen“, darunter Fachkräftemangel, angespannte Haushaltslagen sowie erhöhter Druck auf Pflege- und Bildungssysteme.

Der demografische Wandel verändere die „Gesellschaften, unsere Volkswirtschaften und unsere Arbeitsmärkte“, sagte die zuständige EU-Kommissarin Dubravka Suica bei der Vorstellung. „Wir müssen jetzt handeln, um diesen Wandel in eine Chance zu verwandeln.“ Zeitgleich wurde hervorgehoben, dass es eine große Errungenschaft sei, dass die Menschen länger leben.

Seit 2012 würden aber jährlich mehr Menschen sterben, als pro Jahr geboren werden, heißt es im Bericht. 2024 wurden den Daten zufolge 3,55 Mio. Kinder in der EU geboren – 1964 waren es noch 6,8 Mio. Der Bevölkerungszuwachs werde durch Zuwanderung getragen.

Migration und Bildung kann Abhilfe schaffen

Die Migration von Fachkräften kann laut EU-Kommission dazu beitragen, die Folgen der alternden Bevölkerung abzumildern. Diese Maßnahme könne allerdings die Probleme einer alternden Gesellschaft „nicht vollständig“ beheben, hieß es weiter. Es brauche Qualifizierung und Umschulung von bereits in der EU lebenden Menschen.

Der EU zufolge müssen die Mitgliedstaaten ihre Produktivität erhöhen und die Arbeitslosigkeit senken, um die Auswirkungen einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung auszugleichen. In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil der arbeitenden Personen zwischen 55 und 64 Jahren bei Frauen bereits um 13,5 Prozentpunkte gestiegen, bei Männern um 12,2 Prozentpunkte.

Etwa 20 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter innerhalb der EU arbeiten derzeit nicht, heißt es im Bericht. Davon seien auch acht Millionen junge Menschen betroffen, die weder eine Schule besuchen noch in einer Ausbildung seien. Auch bei Frauen gebe es noch Potenzial: Derzeit seien 37 Mio. nicht berufstätig.