EU: Einfuhrbeschränkung für chinesische Hybridautos

In der Europäischen Union gibt es Überlegungen, Maßnahmen zur Begrenzung der Einfuhr von chinesischen Hybridfahrzeugen in den europäischen Wirtschaftsraum vorzunehmen. Die Europäische Kommission könnte Beschränkungen verhängen, nachdem die Verkäufe von in China hergestellten Hybridfahrzeugen in Europa stark angestiegen seien, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Diese machen dem Bericht zufolge mittlerweile ein Viertel aller in Europa verkauften Hybridautos aus. Der Zuwachs der Einfuhren chinesischer Elektrofahrzeuge habe sich hingegen verlangsamt, weil für diese bereits hohe EU-Zölle fällig werden.

Zeitlich befristet

Die EU kann durch Schutzmaßnahmen Produkte aus einem bestimmten Sektor beschränken, wenn es zu einem sprunghaften Anstieg der Importe kommt. So kann sie etwa Zollkontingente einführen, bei denen Importe ab einer bestimmten Menge mit einer Abgabe belegt werden. Die von der EU-Kommission erwogene Obergrenze wäre zeitlich befristet, berichtete Bloomberg weiter.

Aktien deutscher Hersteller ziehen an

Die Aktien deutscher Autohersteller zogen nach Bekanntwerden des Berichts zwischenzeitlich deutlich an und stiegen teils auf Tageshochs. Zuletzt drehten Papiere von BMW und Mercedes-Benz jedoch wieder mit jeweils rund einem Prozent Abschlag ins Minus. Volkswagen-Aktien gewannen hingegen 2,6 Prozent, während die Titel der Konzerntochter Porsche AG um rund ein Prozent nachgaben.

Hybridfahrzeuge könnten als Testfall herangezogen werden. Sollten die Maßnahmen Wirkung zeigen, dann könnten diese auch auf andere Sektoren übertragen werden, in denen die EU Handelsungleichgewichte feststelle, hieß es weiter. Ein Sprecher der Kommission lehnte gegenüber Bloomberg eine Stellungnahme ab.

Marktverzerrende Praktiken

Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatten sich gemeinsam für neue Schutzinstrumente ausgesprochen. Systematisch marktverzerrende Praktiken gefährdeten den Wettbewerb für europäische Unternehmen und führten zu zunehmenden Abhängigkeiten, heißt es in einem Schreiben an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Die Regierungschefs schlagen unter anderem ein Instrument vor, das eine zu starke Abhängigkeit von Lieferanten aus einzelnen Ländern verhindern soll. Zudem soll ein Verfahren geschaffen werden, mit dem ein anderes Land im Eilverfahren vom europäischen Binnenmarkt ausgeschlossen werden könnte. Ein bestimmtes Land nennen Merz und Macron dabei nicht. Hintergrund dürfte aber vor allem die chinesische Handelspolitik sein. Die EU wirft China unter anderem staatliche Subventionen und Überkapazitäten vor, die europäischen Unternehmen den Wettbewerb erschwerten.

Kritik aus China

Derweil kritisierte China Deutschland und Frankreich wegen ihrer Forderung nach neuen europäischen Schutzinstrumenten gegen unfaire Handelspraktiken bereits kurz vor dem Bloomberg-Bericht. „Protektionismus kann die Wettbewerbsfähigkeit nicht steigern“, sagte ein Sprecher des Handelsministeriums in Peking. Eine Abkopplung und das Kappen von Lieferketten schadeten anderen und nützten einem selbst nicht.

Die Kritik aus Peking kam unmittelbar vor neuen Handelsgesprächen. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič wird am 8. und 9. Oktober in Peking erwartet. Dort sind Gespräche mit Chinas Handelsminister Wang Wentao über die angespannten Wirtschaftsbeziehungen geplant. Die Ergebnisse will die Kommission beim EU-Gipfel am 15. und 16. Oktober in Brüssel vorlegen. Wie wirksam Zölle auf Hybrid-Modelle sein könnten, ist ungewiss, denn einige chinesische Autohersteller produzieren bereits in Europa. Diese Modelle wären von Zöllen ausgeschlossen.

(mfz)