„Unverhältnismäßig“: EU verhängt Rekordstrafe gegen AliExpress: 550 Millionen Euro

EU verhängt Rekordstrafe gegen AliExpress: 550 Millionen Euro wegen gefährlicher Produkte

Stand: 21.07.2026, 13:13 Uhr

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AliExpress App auf einem Smartphone (Symbolbild).

AliExpress App auf einem Smartphone (Symbolbild). © Mojahid Mottakin/Imago

Die EU-Kommission wirft der Online-Plattform vor, den Verkauf illegaler und gefährlicher Produkte nicht ausreichend verhindert zu haben. AliExpress bezeichnet die Strafe als „unverhältnismäßig“.

Brüssel – Die Europäische Kommission hat gegen den chinesischen Online-Marktplatz AliExpress eine Geldbuße von 550 Millionen Euro verhängt. Nach Ansicht der Behörde hat das Unternehmen gegen den Digital Services Act (DSA) verstoßen, indem es den Verkauf illegaler, gefährlicher und gefälschter Produkte auf seiner Plattform nicht ausreichend verhindert habe. Es handelt sich um die bislang höchste Strafe, die die EU nach dem DSA gegen eine sehr große Online-Plattform verhängt hat.

Die Kommission wirft AliExpress systemische Mängel bei der Erkennung und Entfernung rechtswidriger Angebote vor. Nach den Ermittlungen konnten unter anderem gefälschte Waren, unsicheres Spielzeug und gefährliche Kosmetikprodukte teils noch Wochen nach ihrer Entdeckung auf der Plattform angeboten werden. Zudem hätten Verkäufer Sicherheitskontrollen durch falsche Produktkategorien umgehen können, berichtete die Deutsche Welle.

Mängel bei Kontrollen

Nach Angaben der EU setzte AliExpress zu wenig Personal für die Überprüfung potenziell illegaler Angebote ein. Teilweise hätten Mitarbeitende nur wenige Sekunden Zeit gehabt, um Produkte auf ihre Vereinbarkeit mit den EU-Vorschriften zu prüfen. Zudem seien interne Sanktionsmaßnahmen nicht konsequent umgesetzt worden, sodass Händler mit wiederholten Verstößen weiterhin auf der Plattform verkaufen konnten.

Auch die Empfehlungs- und Werbesysteme der Plattform hätten nach Angaben der Kommission nicht ausreichend verhindert, dass illegale Produkte Nutzern vorgeschlagen oder beworben wurden. Nach dem Digital Services Act müssen sehr große Online-Plattformen solche systemischen Risiken aktiv erkennen und eindämmen.

AliExpress kündigt Berufung an

AliExpress wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die Geldbuße als „unverhältnismäßig“. Das Unternehmen erklärte, die Entscheidung sorgfältig zu prüfen und Berufung einzulegen. Zugleich verwies der Konzern auf nach eigener Darstellung umfangreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Produktsicherheit und der Moderation.

Neben der Geldstrafe muss AliExpress bis zum 20. Oktober einen Maßnahmenplan vorlegen, mit dem die von der EU festgestellten Mängel behoben werden sollen. Die Kommission will den Plan prüfen. Sollten die vorgeschlagenen Änderungen nicht ausreichen, könnten im Dezember weitere Sanktionen folgen.

Schärferes Vorgehen der EU

Die Entscheidung reiht sich in das verschärfte Vorgehen der Europäischen Union gegen große Online-Plattformen ein. Bereits zuvor hatte die Kommission nach dem Digital Services Act Geldbußen gegen X und Temu verhängt. Gleichzeitig verschärft die EU ihre Kontrollen von Billigimporten aus China und geht verstärkt gegen den Online-Handel mit gefälschten oder gefährlichen Produkten vor, berichtet Reuters. (Redaktion)