„Gift und Mist“: Selbst Grüner fordert Bußgeld-Stopp bei neuer EU-Verpackungsregel – Händler setzen Versand aus

Stand: 05.09.2026, 07:32 Uhr

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Weniger Müll – das ist das Ziel der neuen EU‑Verpackungsregel. Kleinere Händler stürzen die Regeln aber ins Chaos. Selbst ein EU-Grüner nennt die Vorgaben jetzt „Gift“.

Berlin – Die EU hat neue Regeln für Verpackungen verabschiedet. Doch schnell war klar, dass die neuen Regeln besonders für kleinere Unternehmen kaum einzuhalten sind. Selbst auf EU-Ebene gab es direkt Rufe, die Verordnung auszusetzen. Der Grüne Europaabgeordnete Erik Marquardt fordert jetzt ein Einlenken.

Ein Paketbote lädt Pakete in einen Transporter. (Symbolfoto)

Ein Paketbote lädt Pakete in einen Transporter. (Symbolfoto) © Sina Schuldt/dpa

„Es bräuchte eine gemeinsame Erklärung auf europäischer Ebene, dass bis Februar kein Staat bei Verstößen Sanktionen verhängt“, so Marquardt nun gegenüber der dpa. Er fordert die Regierung von Kanzler Friedrich Merz auf, hier aktiv zu werden und auch deutlich zu machen, dass Deutschland dies bereits so entschieden habe. Sein hartes Fazit mit der EU-Regel: „Die aktuelle Bürokratie in der Verordnung ist für kleine Unternehmen Gift und Mist. Das muss sich ändern.“

„Gift und Müll“: Selbst Grüner fordert Bußgeld-Stopp bei neuer EU-Verpackungsregel – Händler setzen Versand aus

Zwar seien die „langfristigen Ziele der Verpackungsverordnung – weniger Verpackungsmüll, Recycling-Systeme, Pfandsysteme in ganz Europa und so weiter – richtig“. Aber die Regelungen müssen eben auch praktisch umsetzbar sein, „ohne Unternehmen mit Bürokratie zu überfordern.

In Deutschland ist gesetzlich festgelegt, dass bis zum 12. Februar 2027 keine Bußgelder verhängt werden, wenn Unternehmen gegen die neuen EU-Regeln zu Verpackungen verstoßen. Marquardt fordert, dass die Zeit bis zu diesem Stichtag jetzt genutzt werde, um Änderungen herbeizuführen.

Die Regeln gelten in der EU seit 12. August. Wer Waren in mehrere Mitgliedsländer verkaufen will, muss sich dort jeweils einzeln registrieren und einen Bevollmächtigten benennen. Mehrere kleine Händlerinnen und Händler machten in den sozialen Netzwerken ihrem Ärger darüber Luft und kündigten an, künftig in weniger Länder zu versenden. 

Die EU-Kommission hatte schon im Dezember - und damit bevor die Verordnung angewandt wurde - vorgeschlagen, für europäische Hersteller die Verpflichtung auszusetzen, Bevollmächtigte zu benennen. Dafür ist aber noch die Zustimmung des Europäischen Parlaments und der Mitgliedstaaten nötig. EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall hatte im August mitgeteilt, sie hoffe, dass es keine weitere Verzögerung gebe. Bis dahin sollten die nationalen Behörden auf Sanktionen gegen Unternehmen verzichten. (Verwendete Quellen: dpa) (dpa/rjs)