"Europa muss sich warm anziehen", warnt Politologe in "ZiB 2" vor "noch erratischerem" Trump
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"Europa muss sich warm anziehen", warnt Politologe in "ZiB 2" vor "noch erratischerem" Trump
Donald Trump werde nach US-Wahl womöglich noch "aggressiver, weniger kontrolliert agieren", wenn Republikaner das Abgeordnetenhaus verlieren, sagt Michael Werz bei Armin Wolf
Harald Fidler
Wenn die Republikaner tatsächlich bei den US-Wahlen in drei Wochen die Mehrheit im Abgeordnetenhaus verlieren, wird es für, aber auch mit Donald Trump nicht leichter. Die Botschaft sendete Politikwissenschafter Michael Werz Montagabend aus Washington zu Armin Wolf ins Studio der ZiB 2. "Man kann davon ausgehen, dass er dann noch mehr Energie auf die Außenpolitik verwenden würde. Das bedeutet auch, dass Sie sich dann in Europa in diesem Winter besonders warm anziehen müssen." Seine Prognose liegt naturgemäß nicht alleine in der Jahreszeit begründet.
"Noch erratischer, noch aggressiver, noch weniger kontrolliert"
"Es ist klar, dass mit einer Mehrheit der Demokraten im Abgeordnetenhaus nicht nur ein erneutes Amtsenthebungsverfahren, sondern auch mindestens vier Untersuchungen wegen Korruption basierend auf den veröffentlichten Epstein-Dokumenten gegen Familienangehörige der Trump- und Kushnerfamilie auf die Spur gesetzt werden", umreißt Werz die Perspektive: "Das heißt, der Druck würde ungeheuer steigen auf das Weiße Haus."
Deshalb könne man davon ausgehen, "dass der Präsident dann noch erratischer, unter Umständen noch aggressiver und noch weniger kontrolliert agiert". Es sei "ganz offensichtlich", dass "sein Betätigungsfeld hier in der Außenpolitik liegen würde".
"Auf noch größere Dramen gefasst machen"
Dass Trump nun "mit den Dieselankäufen in Russland einen aktiven Beitrag zur Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine geleistet hat, deutet darauf hin, dass wir uns unter Umständen auf noch größere Dramen gefasst machen müssen", sagt der Senior Fellow am Council on Foreign Affairs.
Die Republikanische Partei stehe vor den Mid-Term-Wahlen "unter großem Druck", sagt Werz. Und Trump "spielt ein Spiel mit hohem Einsatz. Wenn diese Wahl schiefläuft, wird ihm das auch politisch angelastet."
Denn: "Der Präsident, der diese hypnotische Kraft entfaltet und Leute mobilisiert, steht nicht selbst zur Wahl. Darum versucht er, den Wahlkampf auf seine Person zuzuspitzen." Trump machte sich gerade selbst nach Alaska auf, um dort für einen unter Druck stehenden Senator Stimmung zu machen.
"Beträchtliches Unruhepotenzial"
Werz' Befund: "Selbst in Iowa müssen die Republikaner inzwischen kämpfen. Gleiches gilt für republikanisches Stammland wie North Carolina und Georgia, wo die Republikanische Partei gerade die gesamte Wahlkampffinanzierung zurückgefahren hat und diese Bundesstaaten de facto aufgab. Wir werden in drei Wochen wissen, ob sich das auch in politische Mehrheiten übersetzt."
Mit Neuauszählungen und Gerichtsverfahren über die Wahl ist zu rechnen, Trump habe "mehrmals signalisiert, dass jedes Ergebnis nicht akzeptabel ist, das ihn und seine Partei nicht als Sieger zertifiziert". Der Politologe warnt: "Da ist beträchtliches Unruhepotenzial." Aber er sagt auch: "Das System ist relativ zuverlässig und einigermaßen immun gegen Angriffe von außen." Die Republikaner müssten sich "irgendwann entscheiden, das Ergebnis anzuerkennen, auch wenn sie die Wahl nicht gewinnen".
In jedem Fall: Warm anziehen! (Harald Fidler, 14.10.2026)
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