Europas Thronfolgerinnen: Die Zukunft der Monarchien ist weiblich

Stand: 04.09.2026, 18:51 Uhr

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Ingrid Alexandra von Norwegen steht jetzt im Rampenlicht, weil sie Kronprinzessin wurde. Auch in mehreren anderen Ländern Europas wartet eine Generation von Frauen auf den Königsthron.

Bonn/Oslo – Kaum eine junge Frau steht derzeit so stark im Licht der Öffentlichkeit wie Ingrid Alexandra von Norwegen. Seit dem Tod ihres Großvaters Harald V. und dem Amtsantritt ihres Vaters Haakon VIII. ist die 22-Jährige die Nummer 1 in der Thronfolge und damit Kronprinzessin. Von daher muss sie bei zahlreichen offiziellen Terminen präsent sein.

Artikel der KNA

Dieser beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Sie begleitet ihren Vater, übernimmt eigene Aufgaben und hat – wie ihr Vater – den Eid auf die Verfassung abgelegt. So kann sie vertretungsweise die Regentschaft übernehmen, wenn ihr Vater erkrankt oder sich im Ausland aufhält.

Norwegens Kronprinzessin Ingrid Alexandra in einem schwarzen Kleid mit rot-blauer Schärpe und Orden.

Eines Tages wird sie Königin sein: Nach dem Tod Ihres Opas König Harald V. ist Ingrid Alexandra Kronprinzessin von Norwegen. © Terje Pedersen/dpa

Eines Tages wird sie Königin von Norwegen sein. Ähnlich ist es in weiteren Ländern Europas: In Schweden wartet Kronprinzessin Victoria (49) auf den Thron, in Belgien Prinzessin Elisabeth (24), in Spanien Prinzessin Leonor (20) und in den Niederlanden Kronprinzessin Catharina-Amalia (22).

Eine Generation junger Frauen wächst damit in eine Aufgabe hinein, die jahrhundertelang Männern vorbehalten war. Europas Monarchien tragen künftig überwiegend ein weibliches Gesicht.

Königinnen waren früher nicht vorgesehen

Als Frauen früher auf europäischen Thronen saßen, lag das häufig daran, dass es keinen männlichen Erben gab. Für die Frauen, die einen König oder Thronfolger heirateten, war dagegen vor allem eine andere Aufgabe vorgesehen: Sie sollten möglichst viele männliche Nachkommen zur Sicherung der Dynastie bekommen.

In den meisten Monarchien war die männliche Erbfolge bis weit ins 20. Jahrhundert hinein gesetzlich festgeschrieben. Seit der Einführung der absoluten Primogenitur zählt in immer mehr europäischen Monarchien allein die Geburtsreihenfolge – nicht mehr das Geschlecht. Das erstgeborene Kind erbt den Thron.

Neulich erst hat auch das Fürstliche Haus Liechtenstein dahingehend sein Hausgesetz reformiert. Aus der einstigen Ausnahme ist damit also für die nächste Generation die Normalität geworden. Nur im Fürstentum Monaco gilt noch die Bevorzugung eines männlichen Thronfolgers, der außerdem katholisch sein muss.

Royals in Hogwarts

Europaweit unterscheidet sich die Ausbildung der Thronfolgerinnen nicht wesentlich von der ihrer Väter. Sie werden auf erstklassige Schulen geschickt, die zudem möglichst viel Privatsphäre für die heranwachsenden Royals bieten sollen.

Prinz George

Prinz George wird aufs Eton College gehen. © IMAGO/i Images

Die britischen Royals setzen aktuell auf das Elite-Internat Eton, wo Prinz George (13) demnächst zur Schule geht. Bei anderen europäischen Königshäusern ist dagegen das UWC Atlantic College in Wales beliebt. Das Internat wird wegen seiner besonderen Atmosphäre gelegentlich als „Hippie-Hogwarts“ oder „Hogwarts für Royals“ bezeichnet.

Das UWC Atlantic College befindet sich nämlich im St Donat’s Castle, einer mittelalterlichen Burg aus dem 12. Jahrhundert nahe Llantwit Major an der Küste von Südwales. Zu seinen ehemaligen Schülern gehören unter anderem der niederländische König Willem-Alexander und die spanische Kronprinzessin Leonor. Auch Prinzessin Elisabeth von Belgien besuchte die Schule.

Erst zur Armee, dann zum Studium

Für Thronfolger gehört traditionell eine militärische Ausbildung zum Pflichtprogramm; das gilt inzwischen selbstverständlich auch für Thronfolgerinnen. Spaniens Königshaus hat immer wieder Bilder veröffentlicht, während Prinzessin Leonor ihre dreijährige Militärausbildung durchlief, um zu zeigen, dass sie dabei nicht geschont wurde.

Auch Elisabeth von Belgien absolvierte die Königliche Militärschule, und Norwegens neue Kronprinzessin Ingrid Alexandra leistete 2024/25 Wehrdienst bei einem Ingenieurbataillon.

In der Regel schließt sich dann ein Studium in Fächern wie Geschichte, Politik oder Wirtschaft an einer prestigeträchtigen Universität an. Elisabeth von Belgien hat erst Geschichte und Politik in Oxford studiert, dann im Mai 2026 ihren Master in Public Policy an der Harvard Kennedy School erfolgreich abgeschlossen. Prinzessin Leonor beginnt ihr Studium der Politikwissenschaft in Madrid.

Tagesfüllende und sinnvolle Beschäftigung gesucht

Jeder Thronfolger, gleich welchen Geschlechts, wird früh nach der Schule an seine künftigen Aufgaben herangeführt und nimmt repräsentative Aufgaben wahr. Thronfolgerinnen und Thronfolger begleiten ihre Eltern bei Staatsbesuchen und lernen, wie eine konstitutionelle Monarchie funktioniert.

Im Idealfall gründen Thronfolger in dieser Zeit eine Familie, damit die nächste Generation schon mal aus dem Gröbsten heraus ist, wenn die Eltern den Thron besteigen.

Alle Thronfolger haben aber ein gemeinsames Problem: Sie müssen die Zeit bis zum Regierungsantritt möglichst sinnvoll nutzen – und dürfen dabei keine Dummheiten machen, die ihnen immer wieder vorgehalten werden können. Allerdings haben nur wenige so lange auf die Aufgabe warten müssen, für die sie geboren wurden, wie seinerzeit Prinz Charles: 70 Jahre.