"Evil Dead Burn": Der neue "Tanz der Teufel" ist nichts für schwache Mägen

Mit „Evil Dead Burn“ läuft jetzt ein weiterer Ableger der „Tanz der Teufel“-Reihe in den Kinos. Der Horrorfilm gehört locker zu den brutalsten des Jahres.
Man hat bei der Regie ein glückliches Händchen bewiesen. Für den neuen „Evil Dead“-Film wurde nämlich Sébastien Vaniček engagiert. Der Franzose hatte zuvor mit „Spiders“ einen wunderbar furchteinflößenden Spinnen-Horrorfilm gedreht. Vaniček hat darin gezeigt, dass er mit Schocks und Ekeleffekten bestens umgehen kann. Und das ist für einen Tanz der Teufel ja schon einmal die halbe Miete!
Das Original von Sam Raimi wurde in den 80ern zum Klassiker und Kultfilm. In Deutschland nicht zuletzt auch wegen seiner abenteuerlichen Zensurgeschichte. Inzwischen ist aus dem Independent-Schocker ein beliebtes Franchise hervorgegangen. „Evil Dead Burn“ ist der bereits sechste Eintrag der Reihe. Das Original erhielt zwei Fortsetzungen. Es folgten zudem eine Serie, ein Remake und zuletzt der Film „Evil Dead Rise“, der den Dämonenspuk in den urbanen Raum verlagerte.

„Evil Dead Burn“: Darum geht es im neuen Teil der Reihe
„Evil Dead Burn“ hat zunächst Mühe, einen klaren Gedanken oder eine Handlung zu formulieren. Obwohl der Plot recht dürftig und überschaubar gehalten ist! Ein junger Mann ist gestorben. Seine Partnerin trifft nun auf ihre feindseligen Schwiegereltern und den Rest der Sippe. Während der Trauerfeier brechen nicht nur die Konflikte innerhalb der Familie nach außen. Ein weiteres Mal werden dämonische Kräfte entfesselt, die nach und nach von den Menschen Besitz ergreifen und sie zu haarsträubenden Taten anstacheln.
Die erste Filmhälfte ist dabei recht ungelenk konstruiert. Da springt man erst in der Zeit vor und zurück. Dann ziehen Figuren von A nach B, um doch wieder an den Ausgangspunkt zurückzukehren. „Evil Dead Burn“ vergeudet damit unnötig Zeit. Zumal die Figuren sowieso blass bleiben!
Da geht es lediglich um eine grobe Konstellation: die Gewalt, die unter den Charakteren schwelt und weitergetragen wurde, die Ausgestoßene, die Rache nimmt und ihr persönliches Trauma verarbeitet. Und was hat der verstorbene Großvater mit alldem zu tun? Dass der Spuk von „Tanz der Teufel“ 2026 zur Metapher für toxische Beziehungen und Verwandtschaften dient, ist jedenfalls so abgedroschen wie naheliegend.

Der Reiz von „Tanz der Teufel“
Nun war „Evil Dead“ aber ohnehin nie eine Reihe, die mit ausgefeilten Handlungen und Psychogrammen bestach. Da ging um die Sensation und Attraktion des Schreckens. Da ging es um Eskapaden, um kindliche Tricks und Action (wie in „Armee der Finsternis“), aber auch um kleine, ganz universelle Gruselmomente, in denen ein vertrautes Gegenüber plötzlich eigenartige Verwandlungen durchlebt.
Das prägt auch in „Evil Dead Burn“ einige der stärksten Momente, in denen der Film kurz zur Ruhe kommt und den Horror der Besessenheit wirken lässt, wenn auf einmal fremde Stimmen aus Menschen dringen, die fragwürdige Versprechungen machen. Eine Begegnung mit der Großmutter im Schlafzimmer sticht hier besonders hervor.
Und natürlich kommt der Film dann ganz in der Gewalt zu sich. Die zweite Hälfte hat endlich alle nötigen Figuren im Haus versammelt und Sébastien Vaničeks Regiearbeit kennt keine Kompromisse mehr. Sie legt mit einer solchen Radikalität und Aggressivität los, dass schnell deutlich wird, was seine Mission ist. Er will aus der „Tanz der Teufel“-Prämisse maximalen Terror speisen.
Die Reihe hat oft mit Splatter- und Gore-Exzessen gearbeitet, aber dieser Teil ist mühelos der extremste von allen. Gerade auch deshalb, weil er seinen ärgerlich pubertären Humor auf ein Minimum beschränkt und in seinen gräulichen Bildern von Anfang bis Ende dermaßen finster, dreckig und ernst daherkommt. Slapstick und heitere Albernheit, wofür die Reihe früher ebenso stand, sind hier nur noch selten zu finden.

„Evil Dead Burn“ ist unfassbar brutal
In vielen Kommentaren wird der Film derzeit mit den Werken der sogenannten New French Extremity, also mit Filmen wie High Tension und „Martyrs“ verglichen. Der Vergleich ist durchaus angebracht und naheliegend, auch was einzelne Bildmotive anbelangt. Diese filmische Traumabewältigung kennt keine Versöhnlichkeit gegenüber einer patriarchalen, ignoranten Gesellschaft mehr, sondern nur noch die Radikalisierung und Zerstörung, den Blutrausch.
Und besagter Blutrausch rüttelt so oft an den Ekelgrenzen, dass man so heftige Bilder selten im regulären Kinoprogramm sehen kann. „Terrifier 3“ war in der jüngeren Vergangenheit eine Ausnahme. „Evil Dead Burn“ ist ihm in punkto Gewalt ebenbürtig.
Sébastien Vaniček geht dabei auch zurück zu den sexuell aufgeladenen Ursprüngen der Horrorreihe, wenn er eine ausgiebige Kussszene in Blut und Schmodder tunkt. Da geht es sowieso viel um taktile Bilder! Nahaufnahmen von Werkzeugen, die die Körpergrenzen verletzen, an Zähnen schaben, oder von einem Kopf, der in die zermatschten Überreste eines anderen gedrückt wird. Vor allem aber hat dieser Film verstanden, dass es in dem Original der Reihe auch um das Spiel mit der Kamera ging.

Man fühlt sich nach dem Film besudelt
Was „Evil Dead Burn“ visuell anstellt, ist heute keine Neuheit mehr, aber er legt in seinem rasanten Schnitt, den hektisch wechselnden Einstellungsgrößen und der Bewegung von Perspektiven eine große Kreativität an den Tag. Dauernd überschlägt sich hier die Kamera, stellen sich Bilder auf den Kopf. Das ist ein Film, der einem bisweilen offenbar das Gefühl eines Schleudertraumas geben, der überwältigen will. Gegen Ende lässt Vaniček eine Figur in einer ungeschnittenen Plansequenz über den Boden robben, während ringsherum die Apokalypse los ist. Leider hat man diese beklemmende Sequenz schon im Teaser verheizt!
Mag das Drehbuch also noch so schwach und hanebüchen sein, gerade auch was das Finale und die unnötigen Post-Credit-Szenen anbelangt: „Evil Dead Burn“ ist ein derart intensiver Horrortrip, dass man durchaus mit besudelten Gefühlen aus dem Kino kommt. Und das ist wohl nicht selbstverständlich, dass eine so langjährige Reihe noch einmal solche Effekte erzielt!
„Evil Dead Burn“ läuft seit dem 9. Juli 2026 in den deutschen Kinos.