„Existenzbedrohend“: Bayerns Bauern zahlen tausende Euro drauf - Wasserpreis-Erhöhungen schlagen durch

Stand: 18.07.2026, 06:20 Uhr

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Holzhausen - Wasserpreis, Protest der Bauern, Georg Ertl

Auf dem Hof von Georg Ertl wird viel Wasser getrunken – das meiste von den Kühen des Holzhauser Landwirts. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Wenn Trinkwasser nur einen Euro teurer wird, bedeutet das für die Landwirte eine riesige Miese. Bayerns Landwirte formieren Protest gegen Preiserhöhungen.

Münsing/München – Er hat noch nicht versucht, Bayerns Kühen zu sagen, dass sie weniger trinken sollen. Das Ergebnis kennt Martin Wunderlich aber auch ohne es probiert zu haben: „Das wird nicht funktionieren.“ 80 bis 120 Liter trinkt eine Kuh am Tag. Frisches Wasser in Lebensmittelqualität. Tropfen für Tropfen trinken die Tiere die Landwirtschaft in die Miesen. In vielen Gemeinden steigen die Trinkwasserpreise, weil Hochbehälter und Leitungen saniert worden sind. Alle profitieren davon. Aber die Zeche zahlen die, die am meisten Wasser verbrauchen – die Landwirte vor allem. Das finden einige Bauern ungerecht – und sie schlagen Lösungen vor. Auf dem Moarhof in Münsing hören Bürgermeister und Gemeinderäte zu. Der Bayerische Bauernverband (BBV) veranstaltet dort, in Holzhausen, den Wassergipfel der Landwirte.

Holzhausen - Wasserpreis, Protest der Bauern, Benedikt Korntheuer

Benedikt Korntheuer erklärte 50 Gästen die Probleme der Landwirte. © Sabine Hermsdorf-Hiss

„Existenzbedrohend“: Bayerns Bauern zahlen tausende Euro drauf - Wasserpreis-Erhöhungen schlagen durch

Wunderlich leitet die Oberbayern-Geschäftsstelle des BBV. Er weiß: Das Wasserproblem beschäftigt viele Gemeinden in der Region. „Das ist existenzbedrohend, wenn die Erzeugerpreise so steigen.“ Bauern, vor allem Viehwirte, sind auf die Wasserversorgung angewiesen. Und so ist es im ganzen Land: Alle wollen regionale Lebensmittel – die müssen irgendwo produziert werden. „Wir haben eine tolle Kulturlandschaft – aber die ist auf die Viehwirtschaft angewiesen.“

Mehrere tausend Euro Mehrkosten im Jahr

Für den normalen Wassernutzer reißt die Preiserhöhung in Münsing kein Loch ins Portemonnaie. Der Kubikmeter kostet seit Jahresbeginn 2,94 Euro – das ist ein Euro mehr als zuvor. „Für uns sind das 4000 oder 5000 Euro im Jahr“, sagt Leonhard Hinterholzner. So groß ist der Wasserverbrauch auf seinem Hof in Attenkam. „Die Verteilung ist ungerecht.“ Denn die Vielverbraucher sind nicht alleine schuld am Sanierungsbedarf – tragen die immensen Kosten aber zum Großteil. „Alle Ausgaben, die für die Gemeinde entstehen, werden umgelegt – dann ist es fertig.“ Für die Bauern beginnt genau da aber erst der Überlebenskampf.

Münsings Bürgermeister Hubert Bernwieser kennt das Problem der Landwirte. Immer wieder gibt es Gesprächsrunden zu dem Thema. „Der Gemeinde fehlt die Möglichkeit, das auszugleichen – ich sehe den Ball bei der großen Politik.“ Die Gemeinde muss die Trinkwasserversorgung kostendeckend gestalten. Betriebskosten durch Strom und Personal sind gestiegen – außerdem hat die Gemeinde das alte Rohrnetz saniert und einen neuen Hochbehälter in Weidenkam geschaffen. Die Ausgaben muss die See-Gemeinde wieder reinholen. „Auf Gemeindeebene können wir das nicht lösen“ – und das, obwohl sich das alle Parteien wünschen würden: „In jedem Wahlprospekt vor der Kommunalwahl steht drin, dass wir die örtliche Landwirtschaft fördern wollen.“

Wenn Trinkwasser nur einen Euro teurer wird, bedeutet das für die Landwirte eine riesige Miese. Bayerns Landwirte formieren Protest gegen Preiserhöhungen.

Die Bauern haben Ideen, wie das gehen könnte. Die Gemeinde könnte beispielsweise erlauben, dass Landwirte ihre eigenen Brunnen bohren dürfen. Für alle käme das allerdings nicht in Frage. Benedikt Korntheuer hat auch einen Vorschlag: Neue Regeln im Umgang mit Braunwasser könnten helfen. Also mit Wasser, das nicht frisch aus der Leitung kommt. „Es gibt Bereiche in der Landwirtschaft, wo keine Trinkwasserqualität gebraucht wird“, weiß der Hühnerhalter. BBV-Bezirkspräsident Ralph Huber macht sich für eine solche Lösung stark: „Wasser von höchster Güte wird in unserer Gesellschaft verbritschelt.“ Obwohl vielen Menschen klar sei, wie wertvoll Trinkwasser ist, gibt‘s kein Einlenken. „Es gibt Ansätze, wie man das besser schützen könnte“, weiß der Freisinger. Kostengünstiger wäre das auch – in erster Linie für die Landwirte selbst, mittelbar auch für den Verbraucher. „Wir sollen günstige Lebensmittel erzeugen.“ Da könnten die Gemeinden nicht die Erzeugerkosten so massiv in die Höhe treiben, findet Bauer.

„Wollen keine Sonderbehandlung“

Den Landwirten würde auch eine Degression helfen. Das bedeutet: Wer mehr Wasser verbraucht, bekommt einen günstigeren Kubikmeterpreis. Es gibt Großverbraucher in der Industrie, die von dieser Regelung profitieren – landwirtschaftliche Betriebe gehören bisher nicht dazu. Für die Landwirte ist das ein Unding. „Wir wollen keine Sonderbehandlung, sondern Gleichbehandlung“, konstatierte Demeter-Bauer Korntheuer.

Landtagsabgeordneter und Landwirt Nikolaus Kraus ermutigte die Bauernverbands-Funktionäre, eine alte Petition wieder aufzugreifen. Darin hatten die Bauern gefordert, dass die Degression für landwirtschaftliche Betriebe eingeführt werden soll. Die Petition fiel im Landtag durch. Auf die Begründung warten die Landwirte noch immer. Eine Lösung zeichnete sich beim Wasser-Gipfel am Moarhof nicht ab.