„Russischer Führer überlebt Niederlage nicht“ – Experte erklärt Putins brisanten Kurs im Ukraine-Krieg

Experte warnt vor Gewaltspirale im Ukraine-Krieg: Putin wird „eher eskalieren“

Stand: 22.08.2026, 18:57 Uhr

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Russland führt den Ukraine-Krieg mit unerbittlicher Härte. Doch Gegenangriffe aus Kiew lassen Putins Zustimmungswerte schrumpfen – reagiert der Kreml-Chef mit Eskalation?

Moskau – Der russische Präsident Wladimir Putin steht im Ukraine-Krieg immer mehr mit dem Rücken zur Wand. Die Invasion des Nachbarlandes dauert nun bereits mehr als vier Jahre – deutlich länger als von der russischen Führung angedacht. Die Kämpfe an der Front fordern täglich Tausende Opfer, Russland ist immer isolierter und die Wirtschaft des Landes zeigt nach Jahren des Krieges immer deutlichere Risse. Auch, weil die Ukraine mit ihren Drohnen immer neue, schmerzhafte Ziele in Russland angreift.

Russlands Präsident Putin besucht Militärübung

Eskaliert Wladimir Putin den Ukraine-Krieg weiter? Ein Experte warnt vor einer neuen Mobilisierungswelle. © Gavriil Grigorov/dpa

In Umfragen steht Putin im Zuge der steigenden Kriegsmüdigkeit im Land so schlecht da wie noch nie. Zwar sprechen sich laut dem staatsnahen Institut FOM immer noch 66 Prozent für den amtierenden Präsidenten aus. Doch für eine Regierung, die die Opposition gezielt zum Schweigen bringt und bei der immer wieder der Vorwurf von Wahlbetrug aufflammt, sind das alles andere als gute Zahlen. Und das, wo vom 18. bis 20. September dieses Jahres Parlamentswahlen anstehen. Doch statt seine Kriegsziele zu überdenken und die Kampfhandlungen einzudämmen, könnte Putin nun die Lage weiter eskalieren, warnt Sicherheitsexperte Frank Umbach von der Universität Bonn im Interview mit ntv.

Eskalation im Ukraine-Krieg? Sicherheitsexperte geht von neuer Mobilisierung aus

Ein Umdenken bei Putin sei wünschenswert, so Umbach. „Aber dafür spricht wenig. Vor allem die innenpolitischen Faktoren sprechen völlig dagegen. Wenn wir in der Geschichte zurückgehen, dann hat ein russischer Führer eine militärische Niederlage entweder physisch nicht überlebt, oder wurde zumindest abgesetzt.“ Auch die Rückkehr zehntausender Soldaten in die Zivilwirtschaft würde ein „Sicherheitsrisiko“ darstellen, so der Experte.

Wirtschaftlich würde sich eine Abkehr von der Kriegsindustrie ebenfalls als schwierig erweisen. In Anbetracht der kniffligen Lage würden die meisten Russland-Experten eher davon ausgehen, dass Putin den Krieg „eher eskalieren“ werde, statt ihn beenden zu wollen. Das sei auch an der hybriden Kriegsführung gegen Europa zu erkennen.

Eine neue Mobilisierungswelle nach den Wahlen im September sei ebenfalls denkbar. Laut dem Guardian verliert Russland im Monat rund 30.000 Soldaten im Ukraine-Krieg. Die Nachrichtenseite berichtet von russischen Telegram-Chats, die ebenfalls eine neue Rekrutierungswelle beobachten würden. Und selbst wenn diese nach den Wahlen nicht kommen sollten, werde die Angst davor bereits von den Verantwortlichen ausgenutzt, zitiert der Guardian Ivan Chuviliaev, einen Sprecher von Get Lost. Die Gruppe unterstützt russische Soldaten beim Desertieren. „Die Botschaft lautet: Die Mobilmachung kommt sowieso, also unterschreibt lieber jetzt einen Vertrag und kassiert eine Auszahlung, bevor ihr zum Kampf gezwungen werdet“, so Chuviliaev.

Heftige Kämpfe im Ukraine-Krieg: Moskau und Kiew setzen auf Drohnenangriffe

Unterdessen gehen die Kämpfe im Ukraine-Krieg immer weiter. Am Freitag (21. August) flog Russland einen massiven Drohnenangriff auf ein ukrainisches Einkaufszentrum in Krywyj Rih, der Heimatstadt von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Mittlerweile ist die Zahl der Toten Medienberichten zufolge auf 16 angestiegen. Selenskyj sprach in einem Beitrag auf X den Familien und Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Gleichzeitig pochte er darauf, dass verbündete Länder die Luftabwehr des Landes stärken sollen. „Der Schutz von Menschenleben erfordert tägliche Entscheidungen und wirksame Unterstützung aus aller Welt. Neue Lieferungen von Abfangraketen und anderen Raketen können jetzt helfen“, so Selenskyj. Gleichzeitig dankte er allen Unterstützern der Ukraine.

Auch aus Russland werden immer mehr Meldungen ukrainischer Luftangriffe laut. Große Wellen schlugen etwa Attacken auf das Online-Versandhaus Wildberries. Vergangene Woche geriet ein mehr als 200.000 Quadratmeter großes Warenlager des Online-Riesen nach einem ukrainischen Drohnenangriff in Brand.

Kiew bezeichnet Angriffe auf das als „russisches Amazon“ bekannte Unternehmen als legitim. Laut BBC erklärte die ukrainische Führung, dass das Unternehmen Russlands Militär mit Drohnenkomponenten versorge. Auch Navigationsgeräte und andere militärische Ausrüstung würden über den Versandhändler geliefert. Russland wies die Vorwürfe bislang zurück. (Quellen: ntv, The Guardian, BBC) (nhi)