„Absurd“: Extra-Stunde im Freibad nur für Muslima sorgt in Südtirol für Wirbel

Stand: 22.07.2026, 20:58 Uhr

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Ein Freibad in Südtirol bietet eine Stunde pro Woche nur für weibliche Muslime an. Die Regelung sorgt für heftige Reaktionen. Doch es gibt auch Zuspruch.

Salurn – Eine Stunde pro Woche bleibt das Freibad in Salurn, Südtirol eine Stunde länger geöffnet. Allerdings nur für bestimmte Gäste: Die Extra-Stunde ist muslimischen Frauen vorbehalten. Das löst nun eine teils aufgeheizte Debatte in Nord-Italien aus. Besonders rechte Parteien kritisieren das Modell scharf. Befürworter sehen darin einen Beitrag zur Integration.

Badegäste erfrischen sich im Freibad. (Symbolfoto)

Badegäste erfrischen sich im Freibad. (Symbolfoto) © Sebastian Kahnert/dpa

Starten soll das Projekt laut stol.it ab Ende Juli 2026. Der Pächter erhofft sich dadurch Integration von Frauen mit Migrationshintergrund und will das Wohlbefinden von Frauen muslimischen Glaubens fördern. Dafür setzt er auf Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen. Neben muslimischen Frauen generell sollen in der Extra-Stunde auch Mitglieder des Vereins „Armonia“ ins Freibad dürfen.

Auch das Schwimmen im sogenannten Burkini soll in dieser Stunde erlaubt sein. Das allerdings sorgt in normalen Bädern oft für Diskussionen mit anderen Badegästen, die das Schwimmen mit so viel Stoff unhygienisch finden. In Österreich verwies ein Bürgermeister eine Muslima kürzlich deshalb des Freibads.

Der Freibadbetreiber hat auch mit anderen örtlichen Vereinen ähnliche Sonder-Öffnungen. So gibt es einmal in der Woche Lido-Yoga für Frauen und auch das Beachvolleyballfeld steht einmal die Woche der Jugend der örtlichen Feuerwehr zur Verfügung.

Freibad-Angebot in Südtirol nur für Muslima sorgt für Wirbel

Das Angebot für Muslima löst nun in Südtirol massive Reaktionen hervor. Die rechte Lega lehnt das Angebot für Muslima in Salurn grundsätzlich ab. „Männer und Frauen im öffentlichen Raum zu trennen, bedeutet nicht Integration, sondern Spaltung“, erklärt die Partei. Die Kritik zielt auf das Prinzip der Geschlechtertrennung. Für die Lega widerspricht ein solches Angebot dem Gedanken eines gemeinsamen öffentlichen Raums. Integration bedeute Teilhabe unter gleichen Bedingungen. Eine Sonderstunde schaffe das Gegenteil davon.

Lega-Generalsekretärin Silvia Sardone hält das Projekt für „absurd“. Gegenüber der Lokalzeitung Alto Adige sagte sie: „Es ist eine sinnlose Entscheidung, die keineswegs Inklusion fördert, sondern vielmehr die Segregation verstärkt, indem Frauen von Männern getrennt und aus religiösen Gründen gezwungen werden, Ganzkörperbadeanzüge zu tragen.“ Das Projekt erlaube es religiösen Gruppen „sich freiwillig zu isolieren“. Sie spricht von „rückwärtsgewandter Integration“ und verlangt, dass man stattdessen „das Bewusstsein für unsere Werte und Rechte der Frauen fördern“ solle.

Die rechtspopulistische Partei die Freiheitlichen wird sogar noch deutlicher: Sie sieht ein komplett falsches Signal. „Initiativen dieser Art öffnen einer Vorstellung von der Frau Tür und Tor, die Unterdrückung fördert und Frauen im Wesentlichen als Sexualobjekte betrachtet“, so die Freiheitlichen laut Rai in einer Pressemitteilung.

Anders sieht es der Bozner Theologe Don Paolo Renner. „Toleranz bedeutet, zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die anders sind als wir“, so der Direktor des Instituts für Religionswissenschaften in Bozen gegenüber der Ansa. Weiter sagt er: „Respekt geht einen Schritt weiter und bedeutet, die Bedürfnisse anderer in jenen Bereichen zu achten, in denen ein gewisser Spielraum besteht“.

Für den Theologen ist die Freibadstunde für Muslima ein wichtiger Beitrag zur sozialen Teilhabe. Da gerade in Salurn das Zusammenleben gut funktioniere, sei die Gemeinde prädestiniert für ein solches Projekt. Renner warnt davor, das gute Miteinander durch ideologische Debatten von außen zu stören.

SVP-Senatorin Julia Unterberger sieht es laut südtirol.it auch positiv: „Die Initiative ermöglicht Frauen, die das Schwimmbad sonst wahrscheinlich nicht besuchen würden, das Haus zu verlassen, sich zu treffen, Sport zu treiben und einen öffentlichen Raum zu nutzen. Sie trennt diese Frauen nicht von der Gesellschaft, sondern schafft vielmehr eine zusätzliche Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.“ Sie verstehe die Kritik nicht.

Freibad-Zeiten nur für Frauen sind an anderen Orten ganz normal

Die Debatte ist nicht neu. Bereits 2009 wurde in Bozen über ein Frauenschwimmen im Bozner Lido diskutiert. Der damalige Bürgermeister Luigi Spagnolli zeigte sich offen für entsprechende Angebote. Er stieß damit jedoch auf heftigen Widerstand. Das Projekt wurde nie umgesetzt.

In anderen Städten ist das Modell in anderer Form längst etabliert. Etwa in Wien oder München gibt es seit Jahren Badezeiten speziell für Frauen. So etwa im Müllerschen Volksbad in München. Allerdings richtet sich das Angebot hier nicht ausschließlich an Muslima. Vielmehr will man auch Frauen, die aus nichtreligiösen, persönlichen oder gesundheitlichen Gründen geschützte Badezeiten bevorzugen, ein Angebot machen.

Auch das einzige Damenbad in Deutschland zieht viele Muslime an. Eine Ausnahme sorgt hier aber für Ärger. (Verwendete Quellen: Alto Adige, Rai News, Ansa, stol.it, südtirol.it) (rjs)