Extreme Temperaturen: Wie heiß oder kalt es auf dem Mond werden kann

Stand: 01.08.2026, 14:05 Uhr

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Ein Himmelskörper voller Kontraste: Auf dem Mond wechseln sich heiße und eisige Temperaturen ab. Wie moderne Technik den Aufenthalt auf dem Erdtrabanten sichern soll.

Frankfurt – Das ambitionierte „Artemis“-Programm markiert die Rückkehr der Menschheit zum Mond. Für den langfristigen Erfolg zukünftiger Missionen müssen Forschende jedoch eine der größten Herausforderungen des Himmelskörpers meistern: die dort herrschenden, radikalen Umweltbedingungen.

Dieses von der NASA zur Verfügung gestellte Bild zeigt die Mondoberfläche während der Umrundung auf der Artemis 2"-Mondmisson von der „Orion“-Kapsel aus. Im Hintergrund die Erde. Mit der Mission der US-Raumfahrtbehörde Nasa fliegen erstmals seit mehr als 50 Jahren wieder Menschen in die Nähe des Mondes. +++ dpa-Bildfunk +++

Welche Temperaturen herrschen tatsächlich auf der Mondoberfläche? Die Werte bewegen sich zwischen minus 100 und weit über 100 Grad Celsius (Symbolbild). NASA/dpa. © picture alliance/dpa/Nasa

Nach dem spektakulären Flug von „Artemis 2“ im April dieses Jahres, bei dem nach Jahrzehnten wieder Menschen zum Mond reisten, rückt die notwendige Ausrüstung in den Fokus. Die Kooperation der NASA mit den Raumfahrtbehörden Europas und Kanadas soll tiefere Einblicke bringen, doch der vermeintlich leblose Himmelskörper konfrontiert die Raumfahrt mit massiven thermischen Belastungen.

Extremtemperaturen auf der Mondoberfläche

„Die Temperatur schwankt extrem zwischen heiß und kalt“, erklärte der Astronomieprofessor John Monnier von der University of Michigan gegenüber dem Wissenschaftsnachrichtenjournal Live Science. Die Werte bewegen sich in Bereichen von minus 100 bis weit über plus 100 Grad Celsius.

Auf der Erde liegt der Mittelwert der Oberflächentemperatur bei etwa 15 Grad Celsius. Die irdische Atmosphäre sowie die Meere dämpfen die Schwankungen erheblich ab. Obwohl beide Himmelskörper eine ähnliche Distanz zur Sonne aufweisen – circa 150 Millionen Kilometer –, zeigen sich die Ausgangslagen völlig verschieden.

Die Lufthülle der Erde fungiert als Wärmespeicher und -verteiler, während die Ozeane tagsüber Energie aufnehmen und diese in der Nacht verzögert abgeben. Dem Mond fehlen sowohl eine schützende Atmosphäre als auch nennenswerte Wassermengen, weshalb die Oberfläche der Strahlung schutzlos ausgeliefert ist.

Wie der Spiegel berichtete, hat ein Forschungsteam aus Indien herausgefunden, dass es nur zehn Zentimeter unter der Oberfläche an den Polen des Mondes in vielen Regionen gefrorenes Wasser geben könnte – selbst dort, wo die Sonne scheint. Aus dem Eis ließe sich nicht nur Trinkwasser gewinnen, sondern auch Sauerstoff zum Atmen. Damit könnten in Zukunft bemannte Stationen auf dem Mond versorgt werden.

Herausforderungen für die künftige Mondbasis

Die oberste Schicht des Erdtrabanten wird durch Regolith gebildet, ein loses Gesteins- und Staubgemisch. Dieses Material wirkt stark isolierend und leitet Wärme kaum weiter. Die Hitze des Tages bleibt dadurch an der Oberfläche konzentriert, während nachts eine rapide Abkühlung erfolgt.

Daten der historischen Missionen Apollo 15 und 17 belegen, dass die thermischen Ausschläge bereits in einer Tiefe von 35 Zentimetern deutlich moderater ausfallen als direkt an der Oberfläche. Nach Angaben der NASA klettert das Thermometer am Mondäquator unter direkter Sonneneinstrahlung auf bis zu 121 Grad Celsius, während es in der Mondnacht auf minus 133 Grad Celsius sinkt. Damit gehört der Mond neben dem Merkur zu den Himmelskörpern mit den extremsten Bedingungen im Sonnensystem.

An den Mondpolen steht die Sonne dauerhaft flach am Horizont, was zu tiefen Schattenwürfen führt. Kraterböden, die niemals vom Licht erreicht werden, bergen laut Ansicht von Forschenden wahrscheinlich gefrorenes Wasser – eine essenzielle Ressource für die bemannte Raumfahrt. Erkenntnisse des Lunar Reconnaissance Orbiters (LRO) zeigten zudem, dass bestimmte, geschützte Vertiefungen konstante Werte von etwa 17 Grad Celsius aufweisen können. Derartige Regionen könnten sich demnach als optimale Standorte für künftige Stationen erweisen.

Temperaturen von bis zu minus 248 Grad Celsius

Wie Live Science berichtet, dürften andere, doppelt beschattete Krater am Südpol hingegen mit Temperaturen von rund 25 Kelvin (minus 248 Grad Celsius) oder weniger zu den kältesten Punkten im Sonnensystem zählen. Sie erhalten weder direkte Sonnenstrahlung noch reflektierte Wärme. Die exakte Kenntnis dieser Schwankungen ist für den Bau von Raumanzügen, Fahrzeugen und Basen überlebenswichtig.

„Wenn wir eine dauerhafte Siedlung auf dem Mond errichten oder wissenschaftliche Instrumente dort betreiben wollen, müssen wir die Temperatur und ihre Schwankungen genau kennen“, sagte John Monnier. „Nur so können wir Technik entwickeln, die langfristig zuverlässig funktioniert.“ (Quellen: Live Science, NASA) (aw)