Extreme Temperaturen im Sommer: Bundesumweltministerium will nationalen Hitzeaktionsplan
Nach Ansicht des Umweltstaatssekretärs geht es aber insgesamt nicht schnell genug nach vorn. Ein nationaler Hitzeplan soll da offenbar mehr Tempo und mehr Druck machen. Laut Bundesumweltministerium haben sieben der 16 Bundesländer bereits einen landesweiten Hitzeaktionsplan. NRW gehört nicht dazu.
Das Bundesumweltministerium gibt an, derzeit in einem Forschungsprojekt zu prüfen, wie ein nationaler Hitzeaktionsplan für Deutschland aussehen könnte, der die Eigenheiten der Bundesländer berücksichtigt.
NRW will keinen landesweiten Hitzeaktionsplan
Auf WDR-Nachfrage verweist das zuständige Landesgesundheitsministerium auf die Zuständigkeit der Kommunen: "Die Erstellung kommunaler Hitzeaktionspläne liegt in Nordrhein-Westfalen in der Verantwortung der Gemeinden." Konkrete Präventionsmaßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit müssten "unter Berücksichtigung der regionalen Gegebenheiten" konzipiert und umgesetzt werden, sagt ein Sprecher. Eine "landesweite Schablone" könne dem nicht gerecht werden, "mitunter sogar zu negativen Folgen führen".
Rheinland-Pfalz hat einen Plan
In Rheinland-Pfalz beispielsweise richtet sich der landesweite Hitzeaktionsplan mit festen Vorgaben an die Kommunen. Unter anderem soll die Bevölkerung bei bevorstehenden Hitzewellen über festgelegte "Kommunkationsketten" sensibilisiert werden. Das Ministerium gibt Flyer für Arztpraxen heraus, Informationen zum Hitzeschutz sollen auch in Pflegeheimen, Kitas, Schulen und an Arbeitgeber verteilt werden.
Nationaler Hitzeaktionsplan könnte Regeln vorgeben
Andererseits, sagt sie, könne ein von oben verordneter Hitzeaktionsplan ein guter Rahmen sein, um den Betroffenen vor Ort "Hilfestellung" zu geben: Wenn beispielsweise ein Sportverein überlegen muss, eine Veranstaltung abzusagen. Auf den Verantwortlichen liegt dann ein großer Druck. "Wenn es von oben klare Regeln für solche Fälle gibt, kann das sehr helfen", sagt Kauke.
Die aktuelle Hitzewelle, glaubt sie, habe sicherlich auch die Behörden auf allen Ebenen noch einmal sensibilisiert dafür, dass es nun schneller gehen muss mit Hitzeschutzmaßnahmen.
Hitzeaktionspläne auch für Krankenhäuser
Hitzeaktionspläne sind derzeit nicht nur für Kommunen vorgesehen. Auch in Krankenhäusern sollen bei großer Hitze künftig feste Reaktionspläne ablaufen. Darauf hatte sich das Gesundheitsministerium unter anderem mit der Pflegekammer NRW und der Krankenhausgesellschaft NRW verständigt.
Demnach sollen die standardmäßigen Notfallpläne der Krankenhäuser künftig auch den Punkt "Hitze" enthalten. Bei Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) will das Gesundheitsministerium ab sofort Verhaltenstipps veröffentlichen. Bei Warnstufe zwei des DWD sollen dann automatische Hitzeaktionspläne in den Kliniken wirksam werden. Manche Kliniken lagern dafür inzwischen zusätzliche Kühlmaterialien, statten Fenster mit Sonnenschutzfolien oder außenliegendem Sonnenschutz aus oder investieren in Klimaanlagen.
Dennoch hatte die Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW) Ende vergangener Woche noch gemahnt: Den NRW-Kliniken fehlten oft das Geld zum Hitzeschutz. "Es gibt leider für NRW – und auch bundesweit – bis heute kein flächendeckendes Investitionsprogramm für Hitzeschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen", sagte KGNW-Präsident Ingo Morell.