Jetzt möglich: Europäische Zentralbank lässt über Design der neuen Geldscheine abstimmen

EZB enthüllt neue Euro-Banknoten: So wird sich das Bargeld verändern

Stand: 27.07.2026, 14:12 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Zum ersten Mal dürfen Bürgerinnen und Bürger der EU über das Design der neuen Euro-Banknoten abstimmen – mit echten Gesichtern statt imaginären Brücken.

Frankfurt – Zum ersten Mal seit der Einführung des Euro können die europäischen Bürgerinnen und Bürger das Gesicht der künftigen Banknoten wählen. Die Europäische Zentralbank hat die zehn finalen Entwürfe der neuen Euro-Serie vorgestellt und eine öffentliche Konsultation eröffnet, die bis zum 21. September offen bleibt. Die Bürgerinnen und Bürger sollen gemeinsam mit Expertinnen und Experten sowie dem EZB-Rat zur Auswahl des neuen Designs der gemeinsamen Währung beitragen, der ersten Serie, die seit ihrer Einführung im Jahr 2002 vollständig überarbeitet wird.

Content-Partnerschaft

Dieser Artikel von Massimiliano Jattoni Dall’Asén entstand in Kooperation mit Corriere della Sera

„Die Euro-Banknoten sind mehr als ein Zahlungsmittel: Sie gehören zu den greifbarsten Ausdrucksformen Europas. Durch Designs, die Schönheit und Bedeutung verbinden, werden sie unsere gemeinsame Identität stärken“, erklärte die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, bei der Präsentation der zehn finalen Entwürfe am 23. Juli. Die Vorschläge sind das Ergebnis eines internationalen Wettbewerbs, auf den über 1200 Designer aus der gesamten Europäischen Union reagiert haben.

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), stellt die in die engere Auswahl gekommenen Entwürfe für die künftigen Euro-Banknoten vor

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), stellt die in die engere Auswahl gekommenen Entwürfe für die künftigen Euro-Banknoten vor. © Andreas Arnold/dpa

Nach einer ersten Auswahl wurden 25 Grafikerinnen und Grafiker eingeladen, ihre Konzepte weiterzuentwickeln. Eine unabhängige Jury aus 21 Expertinnen und Experten – Fachleute für Grafik, Kommunikation, Neurowissenschaften und Geschichte, benannt von den Zentralbanken des Euro-Raums – wählte anschließend die zehn finalen Vorschläge aus, geordnet nach den beiden von der EZB festgelegten Themen: „Kultur Europas“ und „Flüsse und Vögel“.

Die Veränderung betrifft jedoch nicht nur das grafische Erscheinungsbild, denn mit der neuen Serie verabschiedet sich die EZB von der vor über zwanzig Jahren eingeschlagenen Linie: Nach dieser wurden die Banknoten mit imaginären Brücken, Fenstern und Portalen gestaltet, um zu vermeiden, Monumente oder Symbole eines Mitgliedstaates gegenüber anderen zu bevorzugen.

Euro-Banknoten: Neue Serie soll Geschichte und Identität Europas erzählen

Die künftigen Banknoten sollen hingegen eine Geschichte erzählen. Im November 2023 hat der EZB-Rat zwei Themen ausgewählt, die die europäische Identität repräsentieren sollen: „Kultur Europas: Orte der Kultur und des Austauschs“ und „Flüsse und Vögel: Resilienz in der Vielfalt“. Im Januar 2025 wurden auch die dekorativen Motive festgelegt, also die Elemente, die auf den einzelnen Stückelungen erscheinen sollen.

Die Entscheidung ist das Ergebnis eines langen partizipativen Prozesses, an dem über 365.000 europäische Bürgerinnen und Bürger beteiligt waren, daneben multidisziplinäre Expertengruppen aus dem gesamten Euro-Raum. „Wir freuen uns, diese Motive vorzustellen, Bilder aus dem realen Leben, die unser Engagement für Europa belegen und sein kulturelles und natürliches Erbe feiern“, hatte die EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärt. „Die neuen Banknoten werden ein Symbol unserer gemeinsamen europäischen Identität und der Vielfalt sein, die uns stark macht.“

EZB-Serie „Kultur Europas“ ehrt große Persönlichkeiten

Falls die Serie zur europäischen Kultur ausgewählt wird, wird jede Stückelung einer bedeutenden Persönlichkeit der europäischen Geschichte gewidmet sein und von Orten begleitet, die symbolisch für das kulturelle Leben stehen. Der 5-Euro-Schein wird Maria Callas und den darstellenden Künsten gewidmet sein, mit Straßenkünstlern auf der Rückseite. Auf den 10 Euro wird Ludwig van Beethoven zu sehen sein, begleitet von einem Musikfestival mit einem Jugendchor.

Die 20 Euro werden Marie Curie gewidmet sein, eingebettet in eine Szene aus einer Schule oder Universität. Die 50 Euro stellen Miguel de Cervantes in den Mittelpunkt, flankiert von einer öffentlichen Bibliothek. Die 100 Euro sind Leonardo da Vinci gewidmet, mit einem Museum, das von Erwachsenen und Kindern besucht wird, während die 200 Euro Bertha von Suttner, Friedensnobelpreisträgerin, feiern, dargestellt vor einem öffentlichen Platz, der als Ort der Begegnung und des gesellschaftlichen Miteinanders konzipiert ist.

EZB-Serie „Flüsse und Vögel“ zeigt Natur und Institutionen

Der zweite Vorschlag folgt hingegen einem völlig anderen roten Faden. Jede Banknote erzählt eine Phase im Verlauf eines europäischen Flusses, von der Quelle bis zum Meer, begleitet von einer Vogelart, die die verschiedenen Ökosysteme repräsentiert. Der Weg beginnt an einer Gebirgsquelle mit der Mauerläufer-Dohle und endet in einer Meereslandschaft, über die die Basstölpel fliegen.

Auf den Rückseiten sind einige der wichtigsten Institutionen der Europäischen Union abgebildet, vom Europäischen Parlament über die Kommission, von der EZB bis zum Gerichtshof, bis hin zum Europäischen Rat und dem Rechnungshof. Die neue Serie bedeutet jedoch nicht nur eine ästhetische Veränderung. Nach Angaben der EZB werden die künftigen Banknoten fortschrittlichere Sicherheitsmerkmale enthalten, um Fälschungen zu erschweren, leichter zu überprüfen sein und zugleich besser zugänglich für Menschen mit Sehbehinderungen.

Europäische Zentralbank plant robustere und sicherere Banknoten

Der Eurotower will zudem ihre Umweltbilanz verbessern, indem auf nachhaltigere Materialien und eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen Abnutzung gesetzt wird. „Die Gestaltung der neuen Euro-Banknoten fügt sich in die langfristigen Maßnahmen des Eurosystems ein, mit denen sichergestellt werden soll, dass Bargeld ein sicheres, effizientes und bürgernahes Zahlungsmittel bleibt und die Freiheit der Menschen, selbst zu entscheiden, wie sie zahlen, gewahrt wird“, erklärte Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums.

Wie erwähnt, bleibt die öffentliche Konsultation bis zum 21. September 2026 geöffnet. Parallel dazu wird ein unabhängiges Forschungsunternehmen eine zweite Umfrage unter einer repräsentativen Stichprobe der Bürgerinnen und Bürger im Euro-Raum durchführen. Der EZB-Rat dürfte den endgültigen Entwurf bis Ende des Jahres auswählen und dabei die Einschätzungen der Jury, technische Prüfungen sowie die Ergebnisse der beiden Konsultationen berücksichtigen.

Von der Auswahl zum Umlauf der neuen Geldscheine

Der ausgewählte Entwurf wird anschließend weiterentwickelt und Tests unterzogen, bevor er in Produktion geht. Die neuen Banknoten werden in den darauffolgenden Jahren in Umlauf gebracht und zunächst parallel zu den bisherigen Scheinen existieren, die ihren vollen gesetzlichen Zahlungsmittelstatus behalten. Hier geht es zur Abstimmung der EZB.