Fake-Ärztin in Wien: Patientin verliert beinahe Nase – zehn Jahre Haft drohen

Publiziert23. Juli 2026, 20:59

WienFake-Ärztin entstellt Patientin: Luxustrip endet in Handschellen

Eine Frau verlor beinahe ihre Nase, weitere Patientinnen wurden verletzt. Nun steht eine 46-Jährige vor Gericht, die sich jahrelang als Ärztin ausgegeben haben soll.

Jonas Bucher

Darum gehts

  • Eine 46-jährige Studienabbrecherin steht in Wien vor Gericht, weil sie sich jahrelang als Ärztin ausgegeben und illegale Schönheitsbehandlungen durchgeführt haben soll.
  • Eine Patientin verlor durch eine Injektion beinahe ihre Nase und wurde dauerhaft entstellt.
  • Die Beschuldigte legte ein Teilgeständnis ab. Ihr drohen bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe.

Beinahe verlor eine Patientin ihre Nase, weitere Frauen wurden nach den Eingriffen verletzt. Seit Donnerstag steht eine 46 Jahre alte Frau in Wien vor Gericht. Sie soll sich jahrelang als Ärztin ausgegeben und ohne Zulassung Schönheitsbehandlungen durchgeführt haben. Vor Gericht legte sie ein Teilgeständnis ab, wie die Zeitung «Heute» vom Prozess berichtet.

Studienabbrecherin statt Ärztin

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll sich die Studienabbrecherin Sanaz M. gemeinsam mit ihrer Schwester in Wien als Ärztin ausgegeben haben. Obwohl sie nicht über die erforderliche Zulassung verfügt habe, soll sie unter anderem Hyaluronbehandlungen für Lippen, Wangen, Nase und Kinn, Botox-Injektionen sowie Fettwegspritzen angeboten und durchgeführt haben.

Die Anklage wirft der 46 Jahre alten Deutschiranerin unter anderem schweren gewerbsmässigen Betrug, schwere Körperverletzung, Kurpfuscherei, Untreue und betrügerischen Konkurs vor. Auch ihre Schwester muss sich in einem getrennten Verfahren verantworten.

Eine Patientin wurde dauerhaft entstellt

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden zahlreiche Frauen durch die Behandlungen verletzt. Eine Patientin habe nach einer Injektion beinahe ihre Nase verloren und sei dauerhaft entstellt worden. Weitere Betroffene hätten sich langwierigen Nachbehandlungen und sogar Notoperationen unterziehen müssen.

Der Fall sorgte bereits Anfang 2023 für Schlagzeilen. Nach einer Razzia wurde die 46-Jährige zwar vorübergehend festgenommen, kam jedoch nicht in Untersuchungshaft. Die Behörden untersagten ihr lediglich, sich weiterhin als Ärztin auszugeben und ihr Schönheitsinstitut zu betreten. Ihren Reisepass musste sie jedoch nicht abgeben.

Bei Luxus-Shopping-Trip in Paris verhaftet

Noch vor dem ursprünglich für März 2026 angesetzten Prozess reiste sie in den Iran aus. Von dort liess sie mitteilen, sie könne das Land nicht mehr verlassen. Nach Angaben der Ermittler hielt sie sich später jedoch mehrfach in Paris auf und veröffentlichte auf Instagram Beiträge von Luxus-Shopping-Touren. Am 23. Mai wurde sie schliesslich aufgrund eines Europäischen Haftbefehls in der französischen Hauptstadt festgenommen und nach Österreich ausgeliefert.

Vor Gericht erklärte der Staatsanwalt, die Beautyklinik sei professionell organisiert gewesen: «Alles war professionell aufgezogen. Die Schönheitsklinik war mit Vorraum, Mitarbeitern, die Angeklagte ist als Ärztin aufgetreten und hat die Kundinnen getäuscht.»

Ihr drohen zehn Jahre Gefängnis

Die Beschuldigte legte ein Teilgeständnis ab. Sie bekannte sich zur Kurpfuscherei, zur Körperverletzung sowie zu einzelnen Betrugshandlungen teilweise schuldig. Die Schönheitsbehandlungen räumte sie ein. Sie sagte: «Ja, ich bin schuldig und habe mich als Ärztin ausgegeben. Aber dass sie so lange gelitten haben, war mir nicht bekannt. Ich wollte niemandem wehtun, wollte immer das beste Ergebnis haben, um weitere Kundinnen gewinnen zu können.» Den Vorwurf, illegale Produkte verwendet zu haben, wies sie zurück.

Der Prozess wird fortgesetzt. Im Fall einer Verurteilung drohen der 46-Jährigen bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für sie die Unschuldsvermutung.

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Jonas Bucher

Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.

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