Favorit im Zehnkampf - Leo Neugebauer greift nach Europas Krone
Stand: 10.08.2026 • 18:47 Uhr
Weltmeister Leo Neugebauer geht als Favorit in die Königsdisziplin bei der Leichtathletik-EM in Birmingham. Sein größter Konkurrent könnte Niklas Kaul werden. Wird es ein deutscher Zweikampf im Zehnkampf?
Wenn Leo Neugebauer am Mittwochmorgen (live im Ersten und bei sportschau.de) im Zehnkampf loslegt, dann sind die Blicke vor allem auf ihn gerichtet. Der Stuttgarter startet als Weltmeister in sein EM-Debüt in Birmingham.
Die Erwartungshaltung ist hoch und der Druck groß. Doch der 26-Jährige will das nicht an sich heranlassen. "Einfach in der Bubble bleiben, immer schön mit dem Coach unterwegs sein und diesen Zehnkampf nicht anders sehen als irgendeinen anderen", sagt er vor seinem Saisonhöhepunkt.
Neugebauer wirkt locker und entspannt
"Der wirkt total entspannt und locker", hat auch ARD-Experte Frank Busemann in Birmingham festgestellt, als er Neugebauer begegnete.
Druck hin, Lockerheit her - der Olympia-Zweite ist auf jeden Fall der Gejagte unter den Königen der Athleten beim europäischen Elite-Treffen. Mit seinen 8.730 Punkten, erzielt jüngst beim Meeting in Götzis, führt der deutsche Rekordhalter (8.961) die Meldeliste an. Auch die Ansprüche an sich selbst sind hoch. Eine EM-Medaille fehlt Neugebauer schließlich noch.
Solide Vorstellungen in Götzis und Ratingen
Damit auch diese den Weg in seine Sammlung findet, hat der 2,01 m große Modellathlet in der Saisonplanung diesmal einiges verändert. Neugebauer nahm neben Götzis, der EM-Generalprobe, auch das Meeting in Ratingen als Vorbereitung mit und erzielte solide Ergebnisse. "Das war wenig Zauberei, einfach normale Hausmannskost. Das zeigt seine Klasse", analysierte Busemann die Resultate des gebürtigen Görlitzers.
Erster Jäger von Neugebauer könnte nun ausgerechnet ein Mann aus dem eigenen Lager werden, denn auch Niklas Kaul ist in guter Form. In Götzis war der Weltmeister von 2019 Neugebauer mit 8.528 Punkten dicht auf den Fersen. Beide mussten sich nur Simon Ehammer (8.778) geschlagen geben. Der Schweizer startet aber in Birmingham nicht im Zehnkampf, sondern nur im Weitsprung.
Ehammer und Rooth nicht dabei
Olympiasieger Markus Rooth ist in Birmingham ebenfalls nicht dabei. Dessen norwegischer Teamkollege Sander Skotheim, EM-Zweiter von 2024, gilt für Busemann in diesem Jahr als "Wundertüte". Oben mitmischen wollen auch der Franzose Makenson Gletty und Karel Tilga aus Estland.
Wird es also vor allem ein Duell mit Kaul? Neugebauer will sich nicht genau festlegen: "Europa ist im Zehnkampf der stärkste Kontinent. Daher gibt es viele Top-Leute. Dazu gehört auch Niklas Kaul. Wenn wir beide zwei Medaillen für Deutschland holen könnten, wäre das krass. Es wird aber nie einfach."
9.000 Punkte? "Die sind irgendwann fällig"
Eine EM-Medaille beim Debüt ist das eine. Auf der Bucketlist von Deutschlands "Sportler des Jahres" steht aber noch etwas anderes: die magischen 9.000 Punkte. "Die sind definitiv irgendwann fällig. Da bin ich sehr zuversichtlich. Man kann nicht wirklich im Voraus ankündigen, wann es klappt. Oft merkt man erst während eines Zehnkampfes, dass er gut werden könnte", sagt Neugebauer und hofft auf den Flow von Birmingham, der ihn möglichst zum perfekten Zehnkampf tragen soll - der ist ihm bislang noch nicht gelungen. Kaum vorstellbar, was da noch geht. Vielleicht auch schon in Birmingham.