Auktion: Trompe-l’œil-Fayencen des Barocks und Alte Meister in Zürich

Eine Taube auf dem Tisch, Rebhühner neben Blumenkohl, Wein und Zitronen auf üppig gedeckten Tafeln: Was wie ein niederländisches Geflügel- oder Jagdstillleben aus der Frühen Neuzeit anmutet, wird am 17. September in Zürich Wirklichkeit: Das Auktionshaus Koller bietet den Nachlass des Schweizer Sammlers und Porzellanexperten Peter Ducret an. Insgesamt 243 Fayencen sind in einem eigenen Katalog zusammengefasst.

Darunter befindet sich auch eine bemerkenswerte Gruppe mit Trompe-l’œil-Fayencen, also Keramiken im illusionistischen Stil der Augentäuschung, die den Inhalt des Geschirrs bereits durch ihre äußere Form ankündigen sollen: So diente eine Blumenkohl-Fayence als Terrine für Blumenkohl, und täuschend echt wirkende Trauben haben Wein beherbergt. Die Gestaltung dieser Keramiken geht auf prunkvolle Tischdekorationen des 17. Jahrhunderts zurück, als Reichtum und Status durch exklusive Speisen und Arrangements zum Ausdruck gebracht werden sollten. Gleichzeitig kamen sogenannte Schauessen in Mode: Dafür schmückte man Speisen mit Fell oder Federn, um an das Tier zu erinnern, von dem sie stammten, und trug Obst und Gemüse unzubereitet und im Ganzen auf.

Die gedeckte Tafel, ein Schauspiel sondergleichen

Die Schauessen bildeten die zentralen Elemente auf den reich gedeckten Tafeln und dienten der Repräsentation und dem Amüsement. Später, im Barock und Rokoko, ersetzte man die realen Objekte durch raffinierte Fayence- und Porzellangefäße, bei denen der Betrachter erst bei genauem Hinsehen den Unterschied zwischen echten und keramischen Speisen erkennen konnte. Ihre kreative Vielfalt reichte von Tierterrinen und Platten in Form von Eberköpfen, Hirschen, Enten oder Schildkröten bis zu Gefäßen, die heimische wie exotische Gemüse- und Fruchtsorten nachbildeten. Dazu kamen kleine Delikatessen wie Eier, Nüsse oder Oliven, aus Porzellan.

Aus dem Clemenswerther Service von Kurfürst Clemens August: Paar lebensecht gestalteter Rebhuhn-Terrinen, Straßburg, um 1745/54, Taxe 12.000 bis 22.000 Franken
Aus dem Clemenswerther Service von Kurfürst Clemens August: Paar lebensecht gestalteter Rebhuhn-Terrinen, Straßburg, um 1745/54, Taxe 12.000 bis 22.000 FrankenKoller

Als eines der Spitzenlose bei Kollers Auktion kommt ein Paar Trompe-l’œil-Enten aus einer der Fayencemanufakturen des bedeutenden Porzellanherstellers Paul Hannong zum Aufruf. Die Tiere wurde von Johann Wilhelm Lanz zwischen 1745 und 1754 gefertigt, der als Porzellanbildner sowohl in Hannongs Manufaktur in Frankenthal als auch in der Straßburger Manufaktur tätig war. Mit einer Länge von je 36 Zentimetern sind die beiden Entengefäße naturgetreu modelliert und mit einer Taxe von 28.000 bis 35.000 Franken versehen.

Das angebotene Paar keramischer Rebhühner, ebenfalls aus Hannongs Manufaktur, gehörte einst zum berühmten Clemenswerther Service (Taxe 12.000 bis 22.000 Franken). Erzbischof Clemens August von Bayern ließ 1750 zwei Jagdservice mit 600 Teilen – darunter 98 Trompe-l’œil-Terrinen – in der Straßburger Fayencemanufaktur für sein Schloss Clemenswerth anfertigen. Die Schildkrötenterrine gilt als das zentrale Stück des Services; sie wurde 2016 für 70.000 Euro vom Emslandmuseum erworben und ist seither im Schloss Clemenswerth ausgestellt. Aus der Sammlung Peter Ducrets und bei Koller offeriert, kommen noch weitere Fayencen aus diesem bedeutenden Service, darunter eine Taube (8000/15.000), Trauben (4000/6000) und ein Paar Spargelbündel (4000/6000).

So währt die Spargelsaison das ganze Jahr: Spargebündel aus dem Clemeswerther Service, im Paar taxiert auf 4000 bis 6000 Franken.
So währt die Spargelsaison das ganze Jahr: Spargebündel aus dem Clemeswerther Service, im Paar taxiert auf 4000 bis 6000 Franken.Koller

Am 18. September auktioniert Koller Gemälde, Zeichnungen und Grafiken Alter Meister und des 19. Jahrhunderts. Die 78 Altmeisterlose werden preislich angeführt von einem Gemälde Pieter Brueghels des Jüngeren. Seine Besonderheit liegt in der Eigenständigkeit des Motivs, ist der Maler doch bekannt dafür, dass sein Œuvre hauptsächlich aus Gemälden besteht, die auf Arbeiten des berühmten Vaters, Pieter Brueghel des Älteren, beruhen. Das angebotene „Wirtshaus zum Schwan“ entstand um 1626 und überrascht mit deutlich größeren Personendarstellungen, als sie auf den Werken seines Vaters auszumachen sind. Der Titel leitet sich von einer auf auf datierten Version ab, in der vor dem Wirtshaus ein Schild mit der Inschrift „In de swaen“ angebracht ist. Das 44 mal 62 Zentimeter messende Werk ist auf 600.000 bis 900.000 Franken geschätzt.

Spitzenlos der Offerte Alter Meister mit einem Taxpreis von 600.000 bis 900.000 Franken: Pieter Brughel der Jüngere, „Das Wirtshaus zum Schwan“, um 1626, Öl auf Holz, 44 mal 62,8 Zentimeter
Spitzenlos der Offerte Alter Meister mit einem Taxpreis von 600.000 bis 900.000 Franken: Pieter Brughel der Jüngere, „Das Wirtshaus zum Schwan“, um 1626, Öl auf Holz, 44 mal 62,8 ZentimeterKoller

Ihm gegenüber steht ein 20 Jahre früher entstandenes Kupfergemälde, das der Bruder von Pieter Brueghel dem Jüngeren, Jan Brueghel der Ältere, schuf. Dieser reiste zwischen 1589 und 1596 nach Italien, wo er abseits des familiären Erbes künstlerische Impulse empfing. Das Bild „Weg zum Markt“ entstand 1606, zwei Jahre nach der etwas kleineren Version, die sich heute in der Sammlung des Fürsten von und zu Liechtenstein befindet, und soll 350.000 bis 500.000 Franken einspielen.

Unter den Losen mit der Kunst des 19. Jahrhunderts besticht eine wolkenverhangene Berglandschaft von Hans Thoma: Der Maler bannte das Lauterbrunnental im Berner Oberland 1904 großformatig auf Leinwand. Das museale Werk kann mit einer beeindruckenden Ausstellungshistorie in Schweizer und deutschen Museen aufwarten (60.000/80.000 Franken). Toplos der Offerte ist Gustave Courbets Darstellung des Loue-Stauwehrs bei Ornans, das bis vor Kurzem noch in der umfangreichen Courbet-Ausstellung im südfranzösischen Hyères zu sehen war und auf 120.000 bis 150.000 Franken taxiert ist.