Fed: US-Notenbank erhöht Leitzins erstmals unter Kevin Warsh
Die Entscheidung zur Zinserhöhung war mit Spannung erwartet worden. Fed-Chef Kevin Warsh tritt mit dem Schritt der hohen Inflation entgegen – und einem Vertrauten.
16.09.2026, 20.01 Uhr
Nach oben: Der neue Fed-Chef Kevin Warsh hebt erstmals den US-Leitzins an
Foto: Evelyn Hockstein / REUTERS
Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erhöht die Leitzinsen zum ersten Mal seit gut drei Jahren. Die neue Zinsspanne liegt nun bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Damit reagieren die Notenbanker auf eine unbefriedigende Entwicklung der Inflationszahlen. Die Entscheidung fiel einstimmig.
Die US-Inflationsrate liegt seit März 2021, also seit inzwischen 66 Monaten, oberhalb des Fed-Ziels von 2 Prozent. Die Verantwortung für diese Verfehlung liege „klar bei der Zentralbank“, so der Fed-Chef Kevin Warsh (56) zuletzt auf dem jährlichen Notenbankertreffen Ende August in Jackson Hole.
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Mit dem Zinsschritt stellt sich Warsh gegen den Mann, der ihn einst für den Posten nominiert hatte: US-Präsident Donald Trump (80) hatte in der Vergangenheit immer wieder vehement einen niedrigeren Leitzins gefordert. Die Märkte hatten den Schritt dagegen mit großer Wahrscheinlichkeit eingepreist.
Bereits bei der letzten Fed-Sitzung Ende Juli hatte sich der Druck für eine Leitzinserhöhung erhöht. Drei der zwölf Mitglieder des zuständigen Offenmarktausschusses votierten dafür.
Warsh besänftigt Kritiker
Vor knapp einer Woche hatte schon die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der wegen des Irankriegs gestiegenen Teuerung ihren Leitzins erhöht, bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Die Notenbank hob den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins von 2,25 auf 2,5 Prozent an.
Mit der Straffung der Geldpolitik dürfte Warsh nun allerdings auch gleich zwei Lager von Kritikern besänftigt haben. So vermissten einige Experten seit seinem Amtsantritt im Mai tatsächliche Schritte, um der von ihm priorisierten Preisstabilität nachzukommen. An den Finanzmärkten war befürchtet worden, dass eine sechste Zinspause in Folge seit Dezember 2025 die Glaubwürdigkeit der Fed massiv beschädigt hätte.
Zudem dürfte Warsh zunächst jenen Skeptikern den Wind aus den Segeln nehmen, die ihm eine zu große Nähe zu Trump nachgesagt hatten. Warshs Personalie war umstritten: Volkswirte befürchteten, dass sich die Fed von einer datenbasierten Geldpolitik entfernen und politisch gesteuert agieren könnte. Warsh hingegen beteuert, er habe sich gegenüber dem Präsidenten zu keiner bestimmten Zinsentscheidung verpflichtet und sei von diesem auch nie dazu aufgefordert worden. Er wolle die Fed unabhängig weiterführen.
Irankrieg treibt Preise
Der von Trump vor gut sechs Monaten mit ausgelöste Irankrieg treibt massiv die Energiepreise und entsprechend die Inflation. Mit 3,4 Prozent lag die Inflationsrate in den USA im August deutlich über der Fed-Empfehlung von 2,0 Prozent. Der Arbeitsmarkt hatte sich im August dagegen robuster erwiesen als erwartet, mit einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent.
Trump drohte der Fed vor ihrer Sitzung: „Senkt den Zins, oder ich werde aufhören, mit Ländern zu handeln, mit denen wir ein Defizit haben“, schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social, als die Arbeitsmarktzahlen Anfang September bekannt wurden. Ein solches Handelsbilanzdefizit besteht etwa mit Deutschland oder der Schweiz, die USA importieren aus beiden Ländern deutlich mehr als sie exportieren.
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Trump-Berater wiegelt ab
Ob Trump seine Drohung wahr machen könnte, ist unklar. Der Wirtschaftsberater des Präsidenten, Kevin Hassett, schien am Dienstag abzuwiegeln. Eine Leitzinserhöhung sei zwar nicht wünschenswert, sagte er. Das Weiße Haus würde eine solche Entscheidung aber „respektieren“, falls es dazu komme, sagte Hassett.
dbl/dpa/AFP/Reuters