Das sind die schillerndsten Regierungsräte der Schweiz
Fehr, Maudet, Dittli & Co.
Das sind die schillerndsten Regierungsräte der Schweiz
Sie polarisieren, geben mit kuriosen Vorfällen zu reden oder stellen sich gegen den Bundesrat: In den Kantonsregierungen der Schweiz sitzen teils besondere Charakterköpfe. Blick stellt die Umtriebigsten vor.
Publiziert: 12:44 Uhr
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Aktualisiert: 13:15 Uhr
Darum gehts
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- Schweizer Regierungsräte prägen Alltagspolitik und sorgen oft für nationale Schlagzeilen
- Mario Fehr polarisiert mit Bundesrat-Kritik; Claudio Zali brüskiert Italien und SVP
- Valérie Dittli (33) jüngste Regierungsrätin Waadtlands, sieht sich Amtsmissbrauchsvorwürfen ausgesetzt
Céline ZahnoRedaktorin Politik
Sie entscheiden über das Lehrmittel von Schulen, den Ausbau von Strassen, betreiben Spitäler und richten Sozialhilfe aus. In der Schweiz liegt die wahre politische Macht bei den Kantonen – dort brüten die Regierungsräte über Dossiers, welche die Bevölkerung direkt im Alltag betreffen.
Einige von ihnen sind weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt. Eine Auswahl der schillerndsten Regierungsräte der Schweiz.
Mario Fehr (Zürich)
Mario Fehr (67, parteilos) ist wohl das bekannteste kantonale Regierungsmitglied der Schweiz – oder zumindest dasjenige, das am meisten polarisiert. Der Zürcher Sicherheitsdirektor scheut die grosse Bühne nicht und beruft regelmässig Medienkonferenzen ein, um gegen die Bundespolitik auszuteilen. Sein Lieblingsopfer: Justizminister Beat Jans (62). Beim Stimmvolk ist er äusserst beliebt. Dafür braucht er keinen Parteiapparat im Rücken: Bis Mitte 2021 war er SP-Mitglied, überwarf sich dann aber wegen Differenzen in der Asyl- und Sicherheitspolitik mit den Genossen.
Martina Bircher (Aargau)
Seit die Aargauer SVP-Politikerin Martina Bircher (42) 2024 die Bildungsdirektion übernahm, krempelt sie das Schulwesen um. Sie will den Deutschunterricht stärken – auf Kosten des Frühfranzösischs. Damit legt sie sich mit Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider (62) an, welche die Kantone gesetzlich zum Unterricht einer zweiten Landessprache in der Primarschule verpflichten will.
Claudio Zali (Tessin)
Lega-Staatsrat Claudio Zali (64) ist seit diesem April Regierungspräsident des Tessins und drängt seither in den nationalen Fokus. Zuletzt gab er bekannt, dass das Tessin Gelder für Italien zurückhält – just an dem Tag, als Karin Keller-Sutter (62) für Gespräche in Rom war. Unlängst kanzelte er die verbündete SVP im Parlament als «Nullen» («Siete Nulli») ab. Im Juli zog die Schwesterpartei schliesslich die Reissleine: Sie will bei den kommenden Wahlen nicht mehr mit Zali und der Lega zusammenarbeiten.
Valérie Dittli (Waadt)
Einst als jüngste Regierungsrätin des Kantons Waadt gefeiert, landete Valérie Dittli (33, Mitte) bald darauf im Zentrum eines handfesten Polit-Krimis. Seither reissen die Schlagzeilen aus Lausanne nicht ab: Wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch wurde eine Strafuntersuchung gegen sie eingeleitet, woraufhin ihr das Gremium die Verantwortung für den Finanzbereich entzog. Der Grosse Rat forderte sie sogar formell zum Rücktritt auf. Bisher denkt Dittli jedoch nicht ans Aufhören.
Heinz Tännler (Zug)
SVP-Politiker Heinz Tännler (66) hat einen dankbaren Job. Er waltet über die Staatskasse des reichsten Kantons der Schweiz. Wohin mit all den Überschüssen? Das löst in Zug regelmässig Debatten aus – und fasziniert auch jenseits der Kantonsgrenzen.
Kürzlich wurde Tännler zu einer interessanten Figur im Abstimmungskampf um die 10-Millionen-Schweiz. Im Blick-Interview erklärte er, wieso er beim Bevölkerungswachstum plötzlich auf die Bremse treten will – obwohl er eine Tiefsteuerpolitik fortführt, welche die Zuwanderung anheizt.
Philippe Müller (Bern)
Manchmal sind es bizarre Vorfälle, die jemanden ins Scheinwerferlicht katapultieren. Beim FDP-Regierungsrat Philippe Müller (62) war es eine Banane auf seiner Spesenabrechnung. Trotz eines grosszügigen Salärs rechnete er auch mal eine Frucht für 20 Rappen oder ein Bio-Mehrkornbrötli für 95 Rappen ab. Neben ihrer Spesenpauschale dürfen die Berner Regierungsräte nämlich auch einzelne Quittungen einreichen. Sonst fällt Müller ab und an mit markigen Worten auf, etwa gegen Antifa-Demonstranten.
Christophe Darbellay (Wallis)
Als der Walliser Staatsrat Christophe Darbellay (55, Mitte) verkündete, nicht für die Landesregierung zu kandidieren, lud er die Medien dafür extra ins Wallis ein – an einem Sonntag. Von 2006 bis 2016 führte Darbellay die nationale CVP und war massgeblich an der historischen Abwahl von Christoph Blocher (85) beteiligt. An Bekanntheit mangelt es ihm nicht – und er sorgt dafür, dass das auch so bleibt.
Pierre Maudet (Genf)
Der Genfer Pierre Maudet (48) war einst Star der FDP und Bundesratskandidat – bis zu einer Luxusreise nach Abu Dhabi auf Staatskosten. Er wurde verurteilt, von seiner Partei verstossen und abgewählt. Doch Maudet dachte nicht an den Ruhestand: Mit einer eigenen Liste schaffte er 2023 die Rückkehr in die Genfer Regierung. Und sorgt dort wiederum für Aufregung.