Feierstunde am Tegernsee: Erster „Platz der Kinderrechte“ im Landkreis Miesbach eingeweiht

Stand: 29.09.2026, 07:00 Uhr

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Eröffnung des 1.Platzes der Kinderrechte im Landkreis Miesbach in Bad Wiessee  Robert Kühn, Janaa Schlick, Jens Zangenfeind. Foto tp

Eröffneten gemeinsam den „Platz der Kinderrechte“ in Bad Wiessee: (v.l.) Bürgermeister Robert Kühn, Janaa Schlick und und Landrat Jens Zangenfeind. © Thomas Plettenberg

Der Kinderschutzbund Miesbach hat in Bad Wiessee einen „Platz der Kinderrechte" eröffnet. Es ist einer von deutschlandweit 79 Plätzen. Er soll auf die Rechte der Jüngsten aufmerksam machen.

Bad Wiessee – Rund 60 Gäste – kleine und große – waren der Einladung des Kinderschutzbundes Miesbach gefolgt: Feierlich wurde beim Spielplatz in Bad Wiessee, nahe der Zeiselbachmündung, der erste „Platz der Kinderrechte“ im Landkreis eingeweiht. Deutschlandweit gibt es insgesamt 79 solcher Plätze, in Bayern sind es nunmehr sechs.

Wie die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes im Kreis Miesbach, Janaa Schlick, betonte, würden Kinderrechte im Alltag häufig nicht zur Kenntnis genommen. Die Plätze würden auf diese Rechte aufmerksam machen. Jeder, der an einem solchen Platz vorbeikomme, werde daran erinnert, dass Kinder per UN-Kinderrechtskonvention das Recht auf Gleichbehandlung, auf Gesundheit, auf Bildung, auf Spiel und Freizeit und auf freie Meinungsäußerung und Beteiligung haben. Außerdem das Recht auf gewaltfreie Erziehung, auf Schutz im Krieg und auf der Flucht, das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung, auf elterliche Fürsorge und auf besondere Fürsorge und Förderung bei Behinderung. Kurzum: Kinder hätten das Recht, auch im Alltag gesehen und gehört zu werden.

„Wenn der Platz dazu beiträgt, dass Leute stehen bleiben, auf das Thema aufmerksam werden und beim nächsten Mal besser hinhören und hinsehen, wäre der Zweck erfüllt“, meinte Schlick. Kinder hätten keine politische Lobby und müssten dennoch lange mit den Entscheidungen leben, die heute getroffen werden, erklärte sie eindringlich. „Wir müssen Kinder ernst nehmen, ihnen zuhören und ihnen die Möglichkeit geben, sich zu beteiligen“, forderte Schlick.

Als der Kinderschutzbund vor etwa zwei Jahren auf den Wiesseer Bürgermeister Robert Kühn mit der Idee für einen solchen Kinderrechte-Platz zugekommen sei, habe der sich „erfrischend pragmatisch gezeigt und sofort und spontan eingewilligt“. In einem ersten Schritt war hier der erste offene Kinderbücherschrank in einer ausrangierten Telefonzelle aufgestellt worden.

Dass nun der Platz mit einer kleinen Feier offiziell eingeweiht werden konnte, ist vielen Unterstützern zu verdanken. Allen voran dem Rotary-Club Tegernsee, der Einkünfte aus dem jüngsten Entenrennen für diesen Zweck spendete. Nicht nur den anwesenden Rotariern dankte Schlick herzlich, auch dem eigenen Vorstand und den Kollegen, die viel ehrenamtliche Zeit in das Projekt gesteckt hätten. Stolz zeigte sie sich auf die Kinder aus dem Landkreis, die mithilfe des Ateliers Farbenspiel in Miesbach künstlerisch erarbeitet hätten, was das Recht auf Bildung bedeutet. Das Ergebnis floss in ein lebensgroßes, interaktives Memoryspiel, das der örtliche Bauhof installiert hatte, und das Landrat Jens Zangenfeind und Bürgermeister Kühn sodann gemeinsam enthüllten.

Zangenfeind lobte in seinem Grußwort das „fantastische Projekt“. Kinder seien schließlich unsere Zukunft. Damit dies kein leerer Spruch bleibe, sei geplant, Kinder künftig zu Kreistagssitzungen einzuladen und junge Leute zu ermutigen mitzumachen. Zangenfeind würdigte die Tatsache, dass Bad Wiessee diesen „unglaublich schönen Platz“ an die Kinder gegeben hatte. Auch mit Blick auf den Umgang mit den Kindern und Jugendlichen während der Corona-Pandemie forderte Zangenfeind von den Anwesenden: „Kinder haben eine Stimme. Und wir müssen diese Stimmen hören und mit Leben füllen.“

Kühn befand, dass Kinderrechte nicht viele Worte brauchen, aber viele Erwachsene, die aus Worten Ernst machen. „Ein Ort oder eine Gemeinschaft ist nur dann lebenswert, wenn auch die Kleinsten gehört werden“, erklärte der Bürgermeister. Zum Schluss ließ er zusammen mit den Kindern rund 50 blaue Luftballons steigen, an denen bunte Karten hingen, auf die die Kinder ihre Rechte gemalt und geschrieben hatten.

ak