Mit welchen Waffen die EU künftige Waldbrände bekämpfen will

„Feuerwetter“ in Europa: Mit welchen Waffen die EU nun Waldbrände bekämpfen will

Stand: 30.08.2026, 06:41 Uhr

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Hunderte Feuer haben im Sommer in vielen Regionen in Europa gewütet. Die EU justiert ihre Maßnahmen gegen Waldbrände.

Brüssel – Die Zwischenbilanz der diesjährigen Waldbrände in Europa ist verheerend: Bis Mitte August wüteten mehr als 1700 Feuer in Europa, meldete das Europäische Waldbrand-Informationssystem Effis. Das sind mehr als doppelt so viele Brände wie im langjährigen Mittel. Und mit dem Klimawandel wächst die Waldbrandgefahr weiter.

Waldbrand im Hohen Venn

Die EU will Waldbrände künftig stärker präventiv verhindern (Symbolfoto). © Bruno Fahy/Belga/dpa

Eine neue Studie unter Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) errechnet, dass sich die jährlich von Waldbränden betroffene Fläche in Europa bis Ende des Jahrhunderts schlimmstenfalls fast verdreifachen könnte. Zwar mahnen Expertinnen und Experten, die nicht an der Studie beteiligt waren, zur Vorsicht bei konkreten Zahlen. Aber fest steht: Der Klimawandel begünstigt „Feuerwetter“ – Wetterlagen, bei denen Hitze, extreme Trockenheit und starke Winde gleichzeitig auftreten. Stellt sich die Frage: Wie lassen sich Waldbrände in Europa künftig besser bekämpfen?

Klimaschutz bleibt wichtigste Waffe im Kampf gegen Waldbrände

Die EU will einen Kurswechsel. Im März 2026 hatte die EU-Kommission ihre Waldbrandstrategie präsentiert. Für diesen Sommer kam der neue EU-Plan für viele Regionen Europas zu spät. Die Idee lautet aber: Brände sollten nicht nur gelöscht, sondern präventiv bekämpft werden. Vor allem leicht entzündliche Vegetationen – wie trockene Kieferbestände – sind enorme Brandbeschleuniger. Bevor diese Flächen zur akuten Brandgefahr werden, müssen sie frühzeitig gepflegt und ausgedünnt werden.

Landwirte und Forstbetriebe will die EU mit Geld dabei unterstützen, Wälder auszulichten, Weidewirtschaft zu fördern und brachliegende Flächen wieder nutzbar zu machen. Zudem will die Kommission Feuchtgebiete, Moore und Auen renaturieren, damit sie mehr Wasser speichern und die Ausbreitung von Bränden auf natürliche Weise verlangsamen. Aber: Diese Pläne werden wohl Jahre benötigen, bis sie Landschaften und Brandrisiken spürbar verändern.

Zudem hängen viele der vorgeschlagenen Maßnahmen nicht von Brüssel ab, sondern von den Mitgliedsstaaten. Waldbewirtschaftung, Raumplanung und Katastrophenschutz fallen überwiegend in die Zuständigkeit der nationalen Regierungen. Die Europäische Kommission kann Impulse geben, Maßnahmen koordinieren und Anreize schaffen. Die Umsetzung liegt überwiegend bei den EU-Staaten, den einzelnen Regionen, den Landwirten, Forstbetrieben und privaten Waldbesitzern.

Als weitere zentrale Maßnahme will die Kommission das Europäische Waldbrandinformationssystem ausbauen, um die Frühwarn- und Brandüberwachungsinstrumente zu verbessern. Auch die Entwicklung von KI-gestützten Waldbrand-Modellierungsinstrumenten soll Einsatzkräfte bei künftigen Entscheidungen besser helfen.

EU-Abgeordnete fordert mehr Innovationen zur Waldbrand-Bekämpfung

Die EU-Abgeordnete Delara Burkhardt (SPD) fordert mehr präventive Maßnahmen zur Bekämpfung von Waldbränden. Ein wichtiger Ansatz sei, mehr Wasser in den Landschaften zu halten. „Dazu gehören die Wiedervernässung von Mooren und Feuchtgebieten, natürliche Wasserrückhalteflächen sowie die Renaturierung von Flussauen. Gleichzeitig sollten wir Innovationen zur Wasserspeicherung, zur Wiederverwendung von Wasser und für eine effizientere Bewässerung stärker fördern“, sagt Burkhardt der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Wasser-, Landwirtschafts- und Forstpolitik müssten mit Klimaschutz zusammengedacht werden.

Die zunehmenden Waldbrände seien ein deutliches Zeichen, wie dringend die Klimakrise bekämpft werden müsse. Prävention müsse einen deutlich höheren Stellenwert bekommen. „Dazu gehören konsequenter Klimaschutz und die weitere Reduktion von CO₂-Emissionen ebenso wie Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels“, meint die Sozialdemokratin, die im EU-Umweltausschuss sitzt.

Auch die Landwirtschaft könne einen wichtigen Beitrag leisten. „Humusaufbau, ganzjährige Bodenbedeckung, Zwischenfrüchte, vielfältige Fruchtfolgen und Agroforstsysteme helfen dabei, Feuchtigkeit im Boden zu halten und landwirtschaftliche Flächen widerstandsfähiger gegen Dürre zu machen“, sagte Burkhardt. Auch die Wälder müssten resilienter werden – durch artenreichere, standortgerechte Wälder und weniger anfällige Monokulturen. Gleichzeitig sollten Satellitendaten und moderne Frühwarnsysteme besser genutzt werden, um Trockenheit und Brandrisiken frühzeitig zu erkennen. Insgesamt müsse die EU ihre Mittel für Prävention, Anpassung und Innovation stärker bündeln.

Außerdem will die EU eine neue europäische Feuerwehrstation in Zypern einrichten, um die Vorsorge- und Reaktionskapazitäten bei Waldbränden in ganz Europa und im südlichen Mittelmeerraum zu stärken. Zwölf neue Löschflugzeuge und fünf Hubschrauber sollen zudem die rescEU-Flotte, eine europäische Katastrophenschutzreserve, aufstocken. Burkhardt lobt rescEU als wichtiges Instrument der europäischen Krisenbewältigung, entscheidend sei, die gemeinsame Vorsorge auszubauen: „In einer Krise müssen wir europäische Ressourcen gemeinsam nutzen können, statt, dass jedes Land versucht, alle Kapazitäten allein vorzuhalten.“ (Quellen: Europäische Kommission, Europäisches Parlament, Europäisches Waldbrand-Informationssystem Effis, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, eigene Recherche/Jan-Frederik Wendt)