Fieser Taxi-Trick in den Niederlanden: So werden Touristen in Amsterdam abgezockt

Stand: 26.08.2026, 19:34 Uhr

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Wer die Regeln nicht kennt, kann in Amsterdam zu viel für eine Taxifahrt zahlen. Wie die Masche abläuft und worauf Reisende achten sollten.

Hamm – Amsterdam ist für viele Reisende ein beliebtes Ziel für einen Kurzurlaub. Wer nach der Ankunft oder bei schlechtem Wetter schnell von A nach B kommen möchte, nimmt häufig ein Taxi. Für ausländische Besucher ist jedoch nicht immer leicht einzuschätzen, welcher Preis für eine Fahrt angemessen ist und welche Regeln auf dem niederländischen Taximarkt gelten.

Taxi in Amsterdam (Symbolbild)

Eine ungewöhnliche Masche sorgt in Amsterdam für Beschwerden: Erst lehnt ein Taxifahrer ab, dann verlangt ein anderer deutlich mehr Geld (Symbolbild). © Pond5 Images/Imago

In Amsterdam sorgen deshalb Berichte über eine ungewöhnliche Masche für Aufmerksamkeit. An größeren Taxiständen soll zunächst ein Fahrer eine Fahrt ablehnen, bevor ein anderer Fahrer aus derselben Warteschlange die Strecke zu einem deutlich höheren Festpreis anbietet. Die sogenannte „Handbremsenmethode“ beschäftigt inzwischen auch die niederländische Politik.

Taxi-Abzocke in den Niederlanden: So funktioniert die „Handbremsenmethode“

DerWesten berichtet von der Masche am Amsterdamer Centraal Station. Ein Kunde wendet sich demnach zunächst an das erste Taxi in der Reihe. Der Fahrer lehnt die Fahrt jedoch ab, weil sie angeblich zu wenig einbringt oder nicht lohnend sei. Danach übernimmt ein anderer Fahrer aus derselben Warteschlange die Fahrt – allerdings zu einem deutlich höheren Festpreis.

Der Name der Masche, „Handbremsenmethode“, beschreibt das Vorgehen: Der erste Fahrer zieht bildlich gesprochen die Handbremse und lässt die kurze, wenig lukrative Fahrt stehen. Der zweite Fahrer kann sie anschließend zu einem Preis übernehmen, der für den Kunden schwer einzuschätzen ist. Ob sich einzelne Fahrer tatsächlich absprechen, ist ein Verdacht und durch die Berichte nicht bewiesen.

DerWesten nennt als Beispiele eine Fahrt vom Hauptbahnhof zum Noordermarkt, für die teilweise 35 Euro verlangt worden seien. Nach den damals geltenden Höchstsätzen hätte diese Strecke laut dem Bericht rund 12,84 Euro kosten dürfen. Am Nieuwmarkt sollen Fahrer für Fahrten von weniger als fünf Minuten pauschal 20 Euro verlangt haben. Die Angaben beziehen sich auf die im Bericht beschriebenen Fälle und stellen keine allgemeine Preisangabe für jede Taxifahrt in Amsterdam dar.

Für Touristen kann die Situation besonders schwer einzuschätzen sein. Sie kennen die örtlichen Regeln oft nicht und können möglicherweise nicht beurteilen, ob der verlangte Betrag für die Strecke angemessen ist.

140 Meldungen zu möglichen Betrugsfällen

Nach Angaben der niederländischen Verkehrsaufsicht Inspectie Leefomgeving en Transport, über die FOCUS online berichtet, gingen innerhalb von fünf Jahren 140 Meldungen zu möglichen Betrugsfällen im Taxigewerbe ein. Genannt werden unter anderem überhöhte Fahrpreise, Probleme mit Taxametern, gefälschte Fahrer- oder Unternehmensausweise sowie nicht zugelassene Taxifahrer.

Die Zahl bedeutet nicht automatisch, dass in allen 140 Fällen ein Betrug festgestellt wurde. Sie beschreibt Meldungen an die Aufsichtsbehörde. Zudem ist unklar, wie viele Fälle möglicherweise nicht gemeldet wurden.

Auf Anfrage von WA.de von Ippen Media, teilte das Niederländische Büro für Tourismus & Convention mit, es habe „selbst bislang keine entsprechenden Signale erhalten“. Der Organisation sei auch nicht bekannt, dass es sich um ein „breiteres Problem unter ausländischen Besucherinnen und Besuchern der Niederlande“ handle.

Zugleich erklärte das Büro, ihm seien einzelne Medienberichte bekannt, in denen unter anderem von rund 140 Betrugsmeldungen innerhalb der vergangenen fünf Jahre die Rede sei. Eine Bewertung oder Einordnung der Zahl nehme es jedoch nicht vor: Weder die zugrunde liegenden Daten noch mögliche nicht gemeldete Fälle lägen der Organisation vor. Zudem sei das Niederländische Büro für Tourismus & Convention nach eigenen Angaben nicht die zuständige Stelle für die Aufsicht über den Taximarkt. Deshalb könne es die Fragen nicht fundiert beantworten.

Warum Reisende besonders aufpassen sollten

Der niederländische Taximarkt lässt bei klassischen Taxis offenbar unterschiedliche Preisvereinbarungen zu. Laut FOCUS online müssen solche Taxis Taxameter und gesetzliche Höchsttarife nutzen, können mit Fahrgästen aber auch einen Festpreis vereinbaren. Genau diese Möglichkeit könnte bei der beschriebenen Masche ausgenutzt werden.

Wichtig ist deshalb, vor Fahrtbeginn klar zu klären, ob der Taxameter verwendet wird oder welcher Festpreis gelten soll. Ein hoher Preis sollte nicht allein deshalb akzeptiert werden, weil mehrere Fahrer zuvor eine kurze Fahrt abgelehnt haben. Wer sich für die Fahrt entscheidet, sollte die Quittung aufbewahren und sich die Angaben zum Fahrzeug und zum Fahrer notieren.

Daran erkennen Reisende ein offizielles Taxi

  • FOCUS online verweist auf mehrere Merkmale, an denen sich zertifizierte Taxis in Amsterdam erkennen lassen:
  • ein blaues Nummernschild,
  • eine Dachleuchte mit Firmenname und Taxinummer,
  • ein Taxameter,
  • eine gut sichtbare Taxilizenz des Fahrers.

Offizielle Taxistände sind in Amsterdam gekennzeichnet. Reisende sollten nicht jedem Fahrer folgen, der sie außerhalb eines offiziellen Standes anspricht. Entscheidend ist, dass vor dem Einsteigen die Konditionen der Fahrt eindeutig sind.

Regierung plant Untersuchung im Herbst

Die Berichte über die „Handbremsenmethode“ führten zu parlamentarischen Fragen der niederländischen Partei VVD. Die zuständige Staatssekretärin Annet Bertram kündigte nach Angaben von FOCUS online an, dass im Herbst eine Untersuchung zu sogenannten Wucherpreisen auf dem legalen Taximarkt beginnen soll.

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Die niederländische Regierung prüft demnach auch, ob Gesetze und Vorschriften geändert werden müssen, um besser gegen überhöhte Preise vorgehen zu können. In Amsterdam gibt es zudem Forderungen nach einer dauerhaften Kontrolle der Taxistände. Eine solche Überwachung wäre laut dem Bericht allerdings mit hohen Kosten verbunden.

Für Reisende bleibt damit vorerst vor allem die eigene Vorsicht. Die Berichte beziehen sich auf einzelne mutmaßliche Fälle in Amsterdam und sind kein Beleg dafür, dass alle Taxifahrer oder der gesamte niederländische Taximarkt unseriös arbeiten. Wer ein offizielles Taxi wählt, den Preis vorab klärt und die Quittung aufbewahrt, kann das Risiko einer unangenehmen Überraschung verringern. (Quellen: Focus.de, DerWesten, eigene Recherche) (str)