Weiterer Infantino-Mitarbeiter wendet sich gegen seinen Boss

Es könne sein, dass er nun seinen Job verliere, aber dann könne er zumindest »nachts ruhig schlafen«: Kevin Lamour, ein hoher Fifa-Funktionär aus Infantinos Umfeld, kritisiert dessen Vorgehen. Niemand sei in den WM-Plan eingeweiht gewesen.

31.07.2026, 20.33 Uhr

Kevin Lamour: »Die Zeit ist nun gekommen, dass sich die politischen Entscheidungsträger im Fußball die richtigen Fragen stellen« Kevin Lamour: »Die Zeit ist nun gekommen, dass sich die politischen Entscheidungsträger im Fußball die richtigen Fragen stellen«

Kevin Lamour: »Die Zeit ist nun gekommen, dass sich die politischen Entscheidungsträger im Fußball die richtigen Fragen stellen«

Foto: Joosep Martinson - UEFA / UEFA / Getty Images

Ein weiterer hochrangiger Fifa-Mitarbeiter hat schwere Vorwürfe gegen Gianni Infantino erhoben, den Präsidenten des Fußball-Weltverbandes.

Betriebsdirektor Kevin Lamour warf Infantino vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben. Sie hätten Besseres verdient als Missachtung und Einschüchterung, hieß es in einem Schreiben Lamours, aus dem die Nachrichtenagentur AP zitiert.

Zuvor war Carlos Cordeiro, ein hochrangiger Berater Infantinos, aus Protest gegen das Vorhaben zurückgetreten. Er hatte dies ebenfalls mit scharfer Kritik verbunden. Auch er betonte, an den Plänen nicht beteiligt gewesen zu sein.

»Es ist das Projekt einer Person«, schrieb Lamour in Bezug auf Infantinos Plan, WM-Anteile an Investoren zu verkaufen, und forderte indirekt Konsequenzen. »Nicht nur darf dieses Projekt nicht weitergehen. Aber die Zeit ist nun gekommen, dass sich die politischen Entscheidungsträger im Fußball die richtigen Fragen stellen und die richtigen Entscheidungen treffen.«

Lamour erklärte zwar nicht den Rücktritt von seinem Amt, das er seit dem 1. November 2024 ausübt, und begründete dies mit der Verpflichtung gegenüber seinen Kollegen. Der Franzose, der auch Schweizer Staatsbürger ist, stellte aber klar: »Falls das bedeutet, dass ich meinen Job verliere, dann ist es so. Ich werde diese Entscheidung verstehen und respektieren. Zumindest werde ich nachts ruhig schlafen.«

Mehrheit für Pläne scheint inzwischen fraglich

Seit dem Bekanntwerden der Fifa-Pläne hat sich massiver Widerstand dagegen formiert. Die Europäische Fußball-Union droht sogar damit, dass ihre 55 Mitgliedsverbände nicht mehr bei Fifa-Wettbewerben wie Weltmeisterschaften antreten.

Nach Angaben der Fifa sollen private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen FFE erwerben können, dessen Wert zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt ist. Im FFE werden die kommerziellen Rechte an den Fifa-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Club-WM gebündelt.

Die Fifa würde Mehrheitsgesellschafter des Unternehmens bleiben und hätte nach eigenen Angaben auch weiter die Kontrolle über den Spielkalender und alle Fragen des Regelwerks.

Nach der WM-Boykottdrohung der Europäer lehnte auch der für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige Kontinentalverband Concacaf die Investorenpläne der Fifa geschlossen ab. Damit positionieren sich auch die drei Gastgeber der diesjährigen WM, USA, Mexiko und Kanada, gegen Infantino.

pad/dpa/AP