Fußball: FIFA-Spitze stellt sich hinter Infantino

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Inmitten der schwersten Krise seiner Amtszeit hat die Spitze des Internationalen Fußballverbands (FIFA) ihre „volle Unterstützung für Präsident Gianni Infantino bekräftigt“. Das teilte die FIFA am späten Mittwochabend nach einer Notfallsitzung in der marokkanischen Hauptstadt Rabat mit. Abseits der demonstrativen Rückendeckung aus den eigenen Reihen formiert sich aber weiter heftiger Widerstand.

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Bei dem Treffen war unter anderen Generalsekretär Mattias Grafström anwesend, der Infantino laut Medien wegen dessen geplanten Teilverkaufs von WM-Vermarktungsrechten intern kritisiert hatte. Nicht nur aus den Reihen der FIFA schlug dem 56-jährigen Schweizer im Zuge des gescheiterten Investorendeals, den Infantino offenbar eigenmächtig geplant hatte, deshalb heftiger Gegenwind entgegen.

Der Schwede Grafström hatte zuletzt angesichts des am weltweiten Widerstand gescheiterten Plans in einer internen Mail an FIFA-Mitarbeiter eine „traurige und tadelnswerte Reihe von Ereignissen“ beklagt. Es sei vereinbart worden, Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen dem Präsidenten, dem einzigen von den 211 Mitgliedsverbänden gewählten Funktionär, sowie dem Generalsekretär und dem Management zu verbessern, hieß es nach der Sitzung in Rabat von der FIFA.

FIFA-Präsident Gianni Infantino und der marokkanische Fußballpräsident Fouzi Lekjaa während des Frauen-Spiels zwischen Malawi und Zambia in Rabat, Marokko
Bei seinem Besuch in Rabat versuchte, Infantino auch Marokkos Verbandspräsidenten Fouzi Lekjaa auf seine Seite zu ziehen

In der Stellungnahme wurde die „großartige Arbeit“ der FIFA-Administration bei der erfolgreichen Abwicklung der WM in Nordamerika gewürdigt. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn der Präsident und sein Führungsteam nicht mit einer Stimme gesprochen und als ein Team zusammengearbeitet hätten. In diesem Zusammenhang sei das Spitzenmanagement der FIFA zuversichtlich, dass die Sitzung in Rabat dazu beitragen werde, das Vertrauen in die Organisation wiederherzustellen, und dem Verband ermöglichen werde, sich auf die bevorstehenden Großevents und Herausforderungen vorzubereiten.

Widerstand formiert sich weiter

Infantino verbrachte die vergangene Woche in Marokko, das 2030 WM-Mitausrichter sein wird, und dessen Fußballverband einer seiner großen Fürsprecher ist. Das Treffen der Topfunktionäre wurde weithin als Versuch gewertet, die Unterstützung für den FIFA-Chef zu stärken und sicherzustellen, dass dieser mit ausreichendem Rückhalt aus der Krise hervorgeht, um auch im März 2027 der Favorit für eine Wiederwahl zu bleiben. Infantino ist mittlerweile zehn Jahre im Amt, auch die Wahl wird in Rabat stattfinden.

Mit seinen Verkaufsplänen hatte Infantino für eine Welle der Empörung gesorgt. Der FIFA-Chef lenkte zwar ein und verwarf die Idee, dennoch formiert sich heftiger Widerstand gegen ihn. Eine Handvoll europäischer Staaten hat sich von dem Amtsinhaber abgewendet. Auch der kanadische Premierminister Mark Carney stellte am Mittwoch Infantinos Führungsqualitäten infrage und erklärte, er habe das Vertrauen in den FIFA-Präsidenten verloren, nachdem er erfahren habe, dass hochrangige Berater zu dem verworfenen Vorschlag nicht konsultiert worden seien.

Der ehemalige portugiesische Fußballstar Luis Figo, der 2015 für das Amt des FIFA-Präsidenten kandidieren wollte, bevor er seine Kandidatur zurückzog, bezeichnete Infantinos Verhalten als das „niedrigste, hinterhältigste und eigennützigste“, das er je gesehen habe. „Ich könnte 10.000 Wörter über die Probleme bei der FIFA schreiben. Aber die Lösung braucht nur drei: Infantino muss gehen“, schrieb Figo in einer Kolumne der „Daily Mail“. Die Vizepräsidentin des Europäischen Fußballverbands (UEFA), Laura McAllister, sagte, Infantinos Führung habe einen Krisenpunkt erreicht.

Erpressungsvorwürfe aus Jordanien

In der aktuellen Krise sieht sich Infantino nun auch Erpressungsvorwürfen ausgesetzt. Der Chef des jordanischen Fußballverbandes, Prinz Ali bin al-Hussein, behauptete, dass seinen Teamspielern in den vergangenen Monaten von der FIFA Gelder vorenthalten worden seien. „Bis mir während der Weltmeisterschaft mündlich mitgeteilt wurde, dass es unserem Fußballverband sehr helfen würde, wenn ich Infantino unterstütze“, schrieb Hussein dazu auf der Plattform X. „Wir haben ihn bisher nicht unterstützt und werden das auch jetzt ganz sicher nicht tun“, stellte der Prinz klar und ergänzte: „Aber die gesamte Situation läuft auf Erpressung hinaus, und wir weigern uns, das zuzulassen.“

Prinz Hussein war 2016 im Rennen um die Präsidentschaft des Weltverbands gegen Infantino angetreten, hatte aber keine Chance. Von 2011 bis 2015 war er als Vizepräsident im mächtigen Exekutivkomitee der FIFA. Nun schilderte der Funktionär, dass der Weltverband den jordanischen Spielern noch Geld schulde. Als Zweitplatzierte des FIFA Arab Cups im Dezember 2025 stünde Jordanien noch ein Preisgeld zu, das Medienberichten zufolge 4,2 Millionen Dollar (3,65 Mio. Euro) beträgt.

Wirbel um WM-Endspiel 2030

Unterdessen ist ein Bericht, wonach Infantino Marokko die Austragung des WM-Endspiels 2030 versprochen habe, vom Weltverband zurückgewiesen worden. Zuvor hatte die „Times“ berichtet, dass nach dem Willen des stark in der Kritik stehenden FIFA-Bosses das Finale im neuen Hassan II Stadium mit 115.000 Plätzen in Casablanca stattfinden solle. Das wäre ein großer Affront gegen Spanien und damit auch Europa. Spanien trägt zusammen mit Portugal und Marokko die WM 2030 aus. Dazu finden die ersten drei Spiele in Südamerika (Uruguay, Argentinien und Paraguay) statt.

„Es ist falsch und irreführend zu behaupten, der FIFA-Präsident habe irgendein Versprechen bezüglich der Austragung des Finales der FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2030 abgegeben. Eine Entscheidung wird von der FIFA zu gegebener Zeit getroffen“, teilte der Weltverband auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit.