Film „Sunny Dancer“ über krebskranke Jugendliche: Achtung, jetzt wird's berührend!

Der Film „Sunny Dancer“ von George Jaques spielt in einem Sommercamp für krebskranke Jugendliche. Witz gehört zum Ernst des Themas für ihn auch dazu.

Bella Ramsey und Daniel Quinn-Toye strecken ihre geöffneten Münder einer Seifenblasenpistole entgegen.
Spaß mit Seifenblasen: Ivy (Bella Ramsey) und Jake (Daniel Quinn-Toye) in „Sunny Dancer“

Foto: capelight

Dass ein Film, der in einem Sommercamp für krebskranke Jugendliche spielt, mit furchtlosem Humor vorangeht, ist erst mal ein gutes Zeichen. Als die 17-jährige Ivy (Bella Ramsey) von ihren Eltern in ebenjenes Ferienlager chauffiert wird, ruft ihre Mutter den möglichen neuen Freun­d:in­nen der Tochter vor Abfahrt zu: „Wenn sich einer von euch mit ihr anlegt, ist Krebs sein geringstes Problem!“

Am besten stellt man sich das in britischem Englisch vor. Lachen ist also erlaubt, denkt man erleichtert und stellt weiter fest, dass Diagnosen und Krankheitsverläufe in dieser Geschichte nur am Rande stattfinden. Sie stellen die emotionale Kulisse, vor der die jungen Menschen im Coming-of-Age-Film „Sunny Dancer“ Dinge erleben dürfen, die altersgerechter erscheinen als vier Runden Chemotherapie.

Ivy hat noch keinen Schulabschluss, weiß aber schon, wie sie mit Glatze aussieht und was Remission bedeutet. Das hinterlässt Spuren, auch bei erfolgreicher Behandlung. Die Hoffnung der Eltern: Vier Wochen im „Children Run Free“-Camp werden dem Kind neuen Lebensmut einhauchen. Weil auch ein Teenager mit Anamnese ein Teenager ist, stößt Ivy allein der Name des gut gemeinten Ferienprogramms ab. Die mit Sinnsprüchen tapezierten Räume hat sie da noch gar nicht betreten.

Der Film

„Sunny Dancer“. Regie: George Jaques. Mit Bella Ramsey, Neil Patrick Harris u.a. Großbritannien 2026, 106 Min.

Bella Ramsey ist als kindliche Königin aus „Game of Thrones“ oder der apokalyptischen Videospiel-Adaption „The Last of Us“ bekannt. In George Jaques’ zweiter Regiearbeit spielt Ramsey nun eine junge Frau, die es mit innerlichen Herausforderungen aufnehmen muss. Bei Ankunft am Ferienort wirkt Ivy skeptisch und auffallend schlagfertig, ihre unbefangene, empfindsame Seite steckt längst unter einem Panzer. Selbstverständlich werden die Wochen im Camp daran rütteln. Es wird auf einer Insel gezeltet, im Wald zu viel Wodka getrunken, Freundschaft geschlossen. Zwei Menschen verlieben sich so kopflos und schnell ineinander, wie es sich für ihr Alter gehört.

Mehr als Figuren im Pflegehemd

Das sind erwartbare Entwicklungen, die „Sunny Dancer“ wie so vielen Genrefilmen nicht schaden. Und über die Montagesequenzen, die Ivy im Stil eines weichgezeichneten Camp-Imagefilms mit ihrer neuen Clique zusammenwachsen lassen, lässt sich hinwegsehen. Obwohl die Gruppe um die Protagonistin eher stereotypisch gezeichnet ist: Man schließt den Cast aus neuen oder unerwarteten Gesichtern ziemlich problemlos ins Herz. Mit dem Film als Gesamtwerk gelingt das nicht so leicht.

„Sunny Dancer“ gesteht den Jugendlichen zwar zu, mehr zu sein als Figuren im Pflegehemd, die Mitleid wecken und Gesündere zu etwas mehr Dankbarkeit inspirieren. Seinem Publikum gönnt er dagegen wenig Spielraum. Nahezu jede Szene, die von der emotionalen Verfasstheit der Prot­ago­nis­t:in­nen kündet, wird nach etwa fünf seligen Sekunden mit jener Kategorie Filmmusik garniert, die noch den Affektärmsten beibringt: Obacht, jetzt wird’s berührend! So wird ein weiterer Film eines besseren Scores beraubt, während sich eine Falte zwischen Zuschaueraugen schiebt, die eben noch feucht werden wollten.

Vielleicht hat der junge Regisseur Sorge um den ursprünglich unbefangenen Umgang mit dem Thema bekommen? Das könnte auch erklären, warum eine Geschichte, die sonst auf dramatisch inszenierte Schicksalsschläge verzichtet, schließlich doch noch die Unglückskeule schwingt. Dabei haben die befreienden Witze und schönen Momente gar nicht verschleiert, dass schwere Erkrankungen das Leben in ein Davor und ein Danach teilen.

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„Sunny Dancer“ berührt gerade dann, wenn sich zwei Mädchen nebenbei erzählen, wie sie mit dem therapiebedingten Haarverlust umgegangen sind oder das erste Mal so eilig herbeisehnen, weil sie fürchten, dass ihnen nicht genug Zeit dafür bleibt. Muss das Schicksal also zwingend ein mieser Verräter sein, damit eine emotionale Geschichte als gelungen gelten kann? Ivy und die anderen im Camp hätten darauf wahrscheinlich eine Antwort.

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