Filmreifer Handshake im Kino zwischen den Gegenspielern Babler und Zeiler

Führungsdebatte

Filmreifer Handshake im Kino zwischen den Gegenspielern Babler und Zeiler

Bei der Filmpremiere von "Bruno – der junge Kreisky" kam es zu einer kurzen Begegnung zwischen den beiden roten Kontrahenten. In der SPÖ-Obmanndebatte bleibt vorerst noch vieles offen

David Krutzler

Ein Mann im Vordergrund spricht mit einer Person, während ein anderer Mann mit Mütze im Hintergrund steht. Die Szene spielt in einem Innenraum mit Beleuchtung und Publikum im Hintergrund.
Medienmanager Gerhard Zeiler und SPÖ-Chef Andreas Babler schüttelten sich im Wiener Gartenbaukino vor der offiziellen Filmpremiere von "Bruno – der junge Kreisky" kurz die Hände. Mit Babler war Finanzminister Markus Marterbauer mitgekommen.

Zum entspannten Filmschauen ist Andreas Babler nicht vorbeigekommen. Den Film hat er bereits bei einer Vorpremiere im Februar erstmals gesehen. Und entspannt ist in der zerstrittenen SPÖ angesichts der schwelenden Führungsdebatte derzeit sowieso nichts.

Bei der Galapremiere von Bruno – der junge Kreisky am Dienstagabend im Wiener Gartenbaukino ging es für Babler um mehr als um die sozialdemokratische Ikone Kreisky. Schließlich traf der SPÖ-Chef vor Ort auf seinen Gegenspieler Gerhard Zeiler – und das erstmals seit Zeilers Ankündigung, für den SPÖ-Parteivorsitz zur Verfügung zu stehen. Der Kurier schrieb im Vorfeld gar von einem ersten "Showdown", zu dem es kommen könnte. Nachsatz: "Eventuell." Für Beobachterinnen und Beobachter des regen Treibens vor und im Kino hieß das: Man bringe das Popcorn.

Viel ließen sich Zeiler und Babler allerdings nicht entlocken. Als Erster traf der Medienmanager ein: Auf die Frage, wie das Treffen mit dem Vizekanzler ablaufen werde, sagte Zeiler nur kurz: "Wunderbar. Aber heute geht's wirklich nur darum, den Film anzusehen." Zeiler hatte den Film von Regisseur Harald Sicheritz zu einem kleinen Teil mitfinanziert. Babler kam wenig später in Begleitung von Finanzminister Markus Marterbauer, der ihm demonstrativ nicht von der Seite wich.

Auch Babler umschiffte Fragen zur roten Führungsdebatte. "Ich freue mich auf den Kreisky-Film", sagte er. Überrascht werden konnte er an seinem zweiten Kreisky-Filmabend jedenfalls nicht mehr. Auf die Frage, was Kreisky zur Sozialdemokratie im Jahr 2026 sagen würde, meinte der SPÖ-Chef, dass dieser "genauso mit voller Entschlossenheit für die Demokratie kämpfen" würde, "so wie wir das auch gemacht haben". Babler dürfte sich dabei auf die Koalitionsentscheidung bezogen haben.

Eine Person wird von mehreren Mikrofonen und Kameras bei einer Filmpremiere im Gartenbaukino in Wien umringt. Im Hintergrund sind ein rotes Poster und eine Filmankündigung sichtbar.
Herausforderer Gerhard Zeiler wollte wie Babler mit Medien nur über den Kreisky-Film sprechen.

Händeschütteln mit Abstand

Zeiler nahm schließlich in Reihe 17 des Gartenbaukinos Platz, Babler in Reihe 20. Kurz vor dem Filmstart kam es dann doch noch zu einem filmreifen Handshake zwischen den roten Konkurrenten über Sitzreihe 18 hinweg. Die Reihe 19 war kein Hindernis, im Gegenteil: In diesem Bereich befindet sich im Kino ein Gang.

Eine Gruppe von Personen in einem Kinosaal während einer Veranstaltung. Im Vordergrund sitzt ein älterer Mann, während im Hintergrund weitere Personen stehen und sich unterhalten. Der Raum ist mit blauen Kinosesseln ausgestattet.
Etwas Distanz zwischen Gerhard Zeiler und Andreas Babler.

Zur Premiere angesagt war auch der rote Ex-Parteichef und Altkanzler Christian Kern. Bis zum Filmstart war dieser allerdings nicht erschienen. Kern hatte erst im Februar bekanntgegeben, doch nicht gegen Babler im Kampf um den Parteivorsitz anzutreten. Damals schrieb Kern auf Facebook unter anderem: "Ich habe kein Interesse an einer fortgesetzten Führungsdiskussion in der SPÖ und werde am kommenden Parteitag nicht kandidieren." Dieser fand am 7. März statt, Babler wurde mit 81,5 Prozent im Amt bestätigt.

Neben den beiden Konkurrenten war auch Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) bei der Filmvorführung dabei. Auch sie nahm nur kurz zur erneuten Obmanndebatte Stellung. Diese sei in die SPÖ "hereingetragen worden, die haben wir uns nicht ausgesucht", sagte sie. Auf welcher Seite sie stehe? "Ich stehe auf der Seite einer stabilen Bundesregierung." Mehr war vorerst nicht herauszukriegen.

Drei Personen posieren vor Filmplakaten im Gartenbaukino in Wien bei der Premiere des Films
Zur Filmpremiere kamen auch Regisseur Harald Sicheritz, Schauspielerin Maya Unger und Schauspieler Nils Arztmann, der den jungen Bruno Kreisky spielte.

Offen ist, wie es nun in der roten Causa Prima weitergeht. Rote Landesorganisation forderten am Dienstag eine zügige Entscheidung zu einer Zeiler-Kandidatur. Die Kärntner Roten übernahmen die Initiative und regten ein Treffen der Landesparteichefs an, der steirische SPÖ-Chef Max Lercher unterstützte die Vorgangsweise. Um einen Prozess für eine mögliche Stichwahl zu starten, brauche es laut dem Vorarlberger SPÖ-Chef Mario Leiter aber einen Parteivorstand. Der nächste wäre erst für Anfang November angesetzt, so viel Zeit könne man sich nicht lassen.

"Feuer am Dach"

Der mächtige Wiener SPÖ-Chef und Bürgermeister Michael Ludwig hielt sich bisher bedeckt. Deutlich wurde hingegen der Wiener Gemeinderat Christian Deutsch, der zwischen 2019 und 2023 auch Bundesgeschäftsführer der SPÖ war: Er stellte sich gegen Babler. "Bei Umfragen, in denen die SPÖ bei 15% und der Vorsitzende bei 8% Zustimmung liegt, ist Feuer am Dach", schrieb er Dienstagabend auf X. "Andi Babler hätte früher Andi Babler zum Rücktritt aufgefordert. Es liegt an ihm, einen geordneten Übergang an den oder die NachfolgerIn nicht in die Länge zu ziehen."

Kommt es zu einer Kampfabstimmung um die SPÖ-Spitze, wäre es erst die bisher dritte. Und hier schließt sich der Kreis zu Kreisky: Dieser hatte sich 1967 bei der ersten roten Kampfabstimmung gegen den Gewerkschafter und ehemaligen Innenminister Hans Czettel nach einem hart geführten Kampf zwischen zwei Parteiflügeln durchgesetzt. 2023 gewann Babler die Abstimmung gegen Burgenlands Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil nach der Excel-Auszählungsaffäre.

Der offizielle Kinostart des Kreisky-Films von Regisseur Sicheritz folgt übrigens am Freitag. Der innerparteiliche Führungsstreit in der SPÖ könnte freilich länger laufen, als der Streifen im Kino ist. (David Krutzler, 29.9.2025)

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