Eine Stunde pro Jahr reicht: So prüfen Sie, ob Ihr Depot noch in die richtige Richtung läuft
Finanzexpertin warnt: Ein Depot ohne Check ist wie ein Navi ohne Update
Stand: 09.08.2026, 08:00 Uhr
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Leben verändern sich. Depots meistens nicht. Was passiert, wenn das Depot der eigenen Situation hinterherhinkt, und wie ein regelmäßiger Finanzcheck das verhindert.
Ein Depot wird eingerichtet. Ein Sparplan läuft. Und dann läuft es einfach weiter. Was das Depot nicht merkt: Das Leben hat sich verändert. Ein Kind ist geboren. Das Einkommen ist gestiegen. Eine Trennung ist passiert. Der Zeithorizont hat sich verschoben. Was einmal zur eigenen Situation gepasst hat, passt vielleicht nicht mehr.
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Was dabei meistens fehlt, ist ein Moment innezuhalten und zu fragen: Passt das, was ich investiere, noch zu dem, wie mein Leben gerade ist?
„Ein Depot, das nie überprüft wird, ist wie ein Navi, das nie aktualisiert wird“, sagt Margarethe Honisch, Finanzexpertin und Gründerin von Fortunalista. „Was einmal der richtige Weg war, führt irgendwann nicht mehr ans Ziel.“
Wann ein Depot-Check besonders wichtig ist
Es gibt Lebensereignisse, die fast immer eine Anpassung der Anlagestrategie erfordern. Was sie gemeinsam haben: Sie verändern entweder das verfügbare Kapital, den Zeithorizont oder die Risikobereitschaft.
Einkommensveränderungen. Gehaltserhöhung, Jobwechsel, Rückkehr aus der Elternzeit, Selbstständigkeit: Was sich am Einkommen ändert, verändert, was monatlich investiert werden kann und sollte. Was dabei meistens nicht automatisch passiert: der Sparplan wird angepasst.
Familienveränderungen. Geburt eines Kindes, Trennung, Heirat, Tod eines Partners: Was sich in der Familiensituation ändert, verändert finanzielle Ziele, Verpflichtungen und Sicherheitsbedürfnisse.
Veränderter Zeithorizont. Was mit 35 in dreißig Jahren gebraucht wird, wird mit 50 in fünfzehn Jahren gebraucht. Was dabei die Strategie beeinflusst: Ein kürzerer Zeithorizont erfordert meistens eine defensivere Aufstellung.
Größere Ausgaben am Horizont. Hauskauf, Renovierung, Ausbildung der Kinder: Was in fünf Jahren gebraucht wird, gehört nicht ins Depot. Was im Depot liegt und kurzfristig gebraucht wird, muss rechtzeitig umgeschichtet werden.
Erbschaft oder Einmalzahlung. Was plötzlich mehr Kapital bedeutet, verändert die gesamte Finanzstruktur. Was dabei einmalig geprüft werden sollte: Ob die bisherige Strategie auf das neue Gesamtvermögen passt.
Der jährliche Finanzcheck: Was geprüft wird
Was einmal im Jahr eine Stunde Zeit in Anspruch nimmt, verhindert, dass das Depot still in die falsche Richtung driftet. Was dabei geprüft wird, lässt sich in sieben Punkte strukturieren.
Punkt 1: Hat sich das Ziel verändert?
Was ursprünglich hinter dem Depot stand, sollte noch gelten. Was sich verändert hat: neue Prioritäten, neue Lebensumstände, neue Pläne.
Was dabei gefragt wird: Ist das Depot noch für dasselbe Ziel gedacht wie beim Start? Wenn nicht: Was ist das neue Ziel und was verändert das an der Strategie?
Punkt 2: Hat sich der Zeithorizont verändert?
Was mit jedem Jahr kürzer wird, ist der Anlagehorizont. Was das bedeutet: Was mit dreißig Jahren Zeit als risikoreich aber tolerierbar galt, ist mit fünf Jahren bis zur Rente möglicherweise zu riskant.
Was dabei konkret geprüft wird: Wann wird das Kapital das erste Mal benötigt? Wie viele Jahre bleiben noch? Passt der aktuelle Aktienanteil zu diesem Zeitraum?
Punkt 3: Hat sich die Risikobereitschaft verändert?
Was sich mit der Lebenssituation ändert, ist meistens auch die Risikobereitschaft. Wer ein Kind bekommt, denkt anders über Verluste als wer keine Verpflichtungen hat. Wer kurz vor der Rente steht, kann sich weniger Schwankungen leisten als wer dreißig Jahre hat.
Was dabei gefragt wird: Würde das aktuelle Depot heute noch so aufgebaut werden? Wenn nicht: Was würde verändert werden?
Punkt 4: Stimmt der Sparplan noch?
Was sich am Einkommen verändert hat, sollte sich am Sparplan widerspiegeln.
Was dabei geprüft wird: Liegt der Sparbetrag noch im sinnvollen Verhältnis zum Einkommen? Gibt es eine Gehaltserhöhung, die den Sparplan erhöhen lässt? Gibt es eine Phase finanzieller Belastung, in der der Betrag vorübergehend angepasst werden sollte?
Was dabei gilt: Der Sparplan sollte erhöht werden, wenn es möglich ist. Was der Zinseszins aus einem höheren Betrag macht, ist immer mehr als was er aus einem niedrigeren macht.
Punkt 5: Ist das Depot noch richtig gewichtet?
Was durch unterschiedliche Kursentwicklungen passiert, ist eine stille Verschiebung der ursprünglichen Gewichtung. Was mit 70 Prozent Aktien und 30 Prozent Anleihen begann, kann nach einem starken Aktienjahr bei 85 Prozent Aktien und 15 Prozent Anleihen gelandet sein.
Was das bedeutet: Das Risikoprofil hat sich ohne aktive Entscheidung verändert. Was dabei getan werden sollte: Rebalancing. Was übergewichtet ist, wird reduziert. Was untergewichtet ist, wird aufgestockt.
Was Rebalancing konkret bedeutet, hängt von der Situation ab. Was bei einem Sparplan oft automatisch passiert: Neue Einzahlungen können in die untergewichtete Kategorie fließen, ohne dass bestehende Positionen verkauft werden müssen.
Punkt 6: Sind die Kosten noch in Ordnung?
Was sich im Depot angesammelt hat, sollte auch auf Kosten geprüft werden. Was ältere Positionen meistens haben: höhere TER als neuere ETFs auf denselben Index.
Was dabei verglichen wird: die gewichtete durchschnittliche TER des gesamten Depots. Was über 0,5 Prozent liegt, sollte hinterfragt werden. Was dabei eine Alternative bietet: günstigere ETFs auf denselben Markt.
Punkt 7: Ist der Freistellungsauftrag ausgeschöpft?
Was bei wachsendem Depot irgendwann passiert: Die jährlichen Kapitalerträge übersteigen den Freibetrag von 1.000 Euro. Was dabei geprüft werden sollte: Wie hoch waren die Kapitalerträge im letzten Jahr? Ist der Freistellungsauftrag auf alle Depots aufgeteilt?
Was bei einem Ehepaar gilt: 2.000 Euro gemeinsamer Freibetrag, der auf die Depots beider Partner aufgeteilt werden kann.
Was beim Rebalancing konkret passiert
Was Rebalancing bedeutet, ist die Rückführung des Depots zur ursprünglich gewählten Aufteilung.
Was dabei zwei Methoden gibt:
Methode 1: Neue Einzahlungen gezielt einsetzen.
Was übersichtlich ist und keine Steuern auslöst: Die monatliche Sparrate fließt in die Position, die untergewichtet ist. Was dabei keine Verkäufe erfordert: kein steuerlicher Vorgang, kein Aufwand.
Was dabei Geduld braucht: Bei kleinen Sparplänen und großen Depots dauert es länger, die Gewichtung zu korrigieren.
Methode 2: Umschichten.
Was mehr Aufwand bedeutet und steuerliche Konsequenzen hat: Positionen, die übergewichtet sind, werden teilweise verkauft und das Kapital in untergewichtete Positionen investiert.
Was dabei berücksichtigt werden muss: Beim Verkauf von Positionen mit Buchgewinnen fällt Abgeltungssteuer an. Was das konkret kostet, sollte vor der Entscheidung berechnet werden.
Was dabei die Entscheidungshilfe ist: Wenn die Gewichtung erheblich abweicht, also mehr als 10 Prozentpunkte, ist Umschichten meistens sinnvoll. Was bei kleinen Abweichungen gilt: neue Einzahlungen gezielt nutzen.
Was ein Finanzcheck-Protokoll leistet
Was dabei hilft, den Check systematisch durchzuführen und nicht zu vergessen, ist ein einfaches Protokoll.
Was dabei aufgeschrieben wird: Datum des Checks, aktueller Depotwert, aktuelle Gewichtung, Sparplan-Betrag, Ergebnis des Checks und geplante Änderungen.
Was dabei mit dem Protokoll des Vorjahres verglichen wird: Was hat sich verändert? Was wurde geplant und was wurde umgesetzt?
Was dabei nicht nötig ist: eine komplexe Tabelle oder eine spezielle App. Eine einfache Notiz, einmal im Jahr geschrieben, reicht vollständig aus.
„Wer seinen Finanzcheck dokumentiert, sieht über die Jahre, wie das Depot mit dem Leben mitgewachsen ist“, betont Margarethe Honisch. „Was dabei entsteht, ist nicht nur ein besseres Portfolio. Es ist ein Verhältnis zur eigenen finanziellen Situation, das Sicherheit gibt.“
Was der Unterschied zwischen aktiver und passiver Kontrolle ist
Was dabei nicht gemeint ist: täglich ins Depot schauen. Was täglich geschaut wird, reagiert täglich. Was täglich reagiert, reagiert meistens emotional.
Was einmal im Jahr geschaut wird, schaut auf das große Bild. Was das große Bild zeigt, ist kein tägliches Auf und Ab. Es ist die Richtung.
Was dabei der Unterschied zwischen aktivem und passivem Investieren ist: Passives Investieren bedeutet nicht, das Depot zu ignorieren. Es bedeutet, nicht auf kurzfristige Schwankungen zu reagieren. Was dabei trotzdem regelmäßig getan wird: die grundlegende Richtung prüfen.
Was dabei das richtige Intervall ist: einmal im Jahr. Was bei großen Lebensereignissen zusätzlich gilt: ein außerordentlicher Check, wenn sich etwas Wesentliches verändert.
Fazit
Ein Depot, das zu einem früheren Leben gebaut wurde, passt nicht automatisch zum heutigen. Was sich verändert hat, sollte sich auch im Depot widerspiegeln.
Was ein jährlicher Finanzcheck dabei leistet: keine dramatischen Eingriffe. Keine ständige Optimierung. Nur ein ehrlicher Blick einmal im Jahr, der sicherstellt, dass das Depot noch dorthin führt, wohin es führen soll.
Ziel prüfen. Zeithorizont prüfen. Risikobereitschaft prüfen. Sparplan prüfen. Gewichtung prüfen. Kosten prüfen. Freistellungsauftrag prüfen.
Sieben Punkte. Eine Stunde. Einmal im Jahr.