Firma im Visier der Ukraine: Das ist Wildberries-Milliardärin Tatjana Kim, die reichste Frau Russlands
Die ukrainischen Drohnenangriffe auf den größten russischen Online-Händler Wildberries treffen zehntausende Kleinunternehmer empfindlich und bringen den Krieg für viele Russen direkt in den Alltag. Die Auswirkungen der Angriffe auf die Wirtschaft sind enorm. Wildberries wickelt zusammen mit anderen E-Commerce-Plattformen Waren und Dienstleistungen ab, die 8,5 Prozent der russischen Wirtschaftsleistung entsprechen.
Seit dem 18. Juli hat die Ukraine fast täglich Lagerhäuser des Unternehmens ins Visier genommen, was zu massiven Störungen im landesweiten Logistiknetz führt. Gründerin und Geschäftsführerin von Wildberries ist Tatjana Wladimirowna Kim. Das Vermögen der 49-Jährigen wird auf rund sieben Milliarden Euro geschätzt, was sie zur reichsten Frau Russlands macht.
Die Russokoreanerin wurde in Tschetschenien geboren
Kim gehört zur ethnischen Minderheit der Korjo-Saram, einer koreanischen Minderheit, die seit Generationen nach einer Auswanderungswelle verarmter Bauern im 19. Jahrhundert in Russland lebt. Geboren wurde Kim im tschetschenischen Grosny. Mit 28 Jahren gründete die heute siebenfache Mutter und gelernte Englischlehrerin aus dem Mutterschaftsurlaub heraus Wildberries.

© REUTERS/ANASTASIA BARASHKOVA
Ursprünglich konzentrierte sich das Unternehmen auf den Weiterverkauf von Bekleidung aus den Katalogen von Otto und Quelle. Das nötige Kapital dafür kam von ihrem damaligen Ehemann Wladislaw Bakaltschuk, einem Unternehmer und Gründer eines Internet-Service-Providers, den er kurz zuvor für mehrere Millionen Euro verkauft hatte.
Besonders wuchs Wildberries während der Corona-Pandemie, expandierte im post-sowjetischen Raum. Im Jahr 2021 verhängte die ukrainische Regierung Sanktionen gegen Tatjana Kim, Bakaltschuk und Wildberries, da das Unternehmen auch russische Militäruniformen und anti-ukrainische Literatur verkaufte.
Zum Skandal kam es 2024. Der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow erzählte bei Telegram, dass Bakaltschuk ihn besucht und sich über „ernsthafte Probleme sowohl innerhalb der Familie als auch im gemeinsam gegründeten Unternehmen“ beklagt habe. Kadyrow führte aus, Bakaltschuk und er seien alte Freunde.
Im September 2024 wurde Kims Ex-Mann wegen mutmaßlichen Mordes festgenommen
Hintergrund war, dass Tatjana Kim und Bakaltschuk sich scheiden ließen. Einer Forbes-Quelle zufolge verließ Wladislaw Bakaltschuk das Unternehmen Anfang Juli. Kim wurde zur alleinigen Eigentümerin von Wildberries. Im September 2024 wurde Kims Ex-Mann wegen mutmaßlichen Mordes festgenommen. Er hatte gemeinsam mit anderen bewaffneten Männern die Moskauer Zentrale von Wildberries gestürmt. Dabei wurden zwei Sicherheitskräfte getötet und sieben weitere verwundet.
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Bakaltschuk gab an, er sei zu einem vereinbarten Treffen erschienen und Mitarbeiter des Büros hätten die ersten Schüsse abgegeben. Tatyana Kim erklärte hingegen, ihr Ex-Mann hätte versucht, das Büro zu besetzen. „Das ist eine feindliche Übernahme oder vielmehr ein gescheiterter Versuch“, schrieb Bakalchuk bei Telegram. Hintergrund war offenbar eine Fusion von Wildberries mit der Firma RVB, welche Bakaltschuk ablehnte. Schlussendlich wurde er aber nicht angeklagt.
Einige russische Wirtschaftsmedien haben die Fusion als „seltsam“ bezeichnet und sie als Teil eines umfassenderen Machtkampfs zwischen Kadyrow und dem einflussreichen, milliardenschweren putin-nahen Senator Suleiman Kerimow beschrieben, mit Kim als Firmenbossin. Politisch hält diese sich eher zurück, gilt als pragmatisch und kremlkompatibel, fokussiert sich aber auch auf ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten. Doch nun hat Putins Politik des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auch sie eingeholt.
Der Kommandeur der ukrainischen Drohneneinheiten, Robert Brovdi, gab ein klares Ziel vor. Spätestens im September sollen alle Logistiklager von Wildberries zerstört worden sein. „Nichts wird übrig bleiben“, sagte Brovdi dem Online-Portal für Verteidigungs- und Sicherheitspolitik „The Baltic Sentinel“. „Sie können das als Versprechen auffassen.“(jmi mit Reuters)