Fliegerbombe am Bahnhof Diebsteich: akute Explosionsgefahr – „die Zeit läuft!“
KI-Stimme. Info
Großeinsatz für die Feuerwehr, hunderte Anwohner sind betroffen: Ganz in der Nähe des Bahnhofs Diebsteich ist am Mittwochnachmittag gegen 15.15 Uhr eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Der Sprengkörper wurde an der Schleswiger Straße / Plöner Straße in Bahrenfeld bei Bauarbeiten gefunden.

„Es handelt sich um eine englische 500-Pfund-Bombe mit einem chemischen Langzeitzünder“, sagte Feuerwehrsprecher Philipp Baumann dem Abendblatt gegen 18 Uhr. „Der Blindgänger wurde bei den Bauarbeiten versehentlich bewegt, weshalb von einer akuten Explosionsgefahr auszugehen ist. Die Zeit läuft.“
Laut einem Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes, mit dem das Abendblatt sprechen konnte, ist davon auszugehen, dass der Langzeitzünder von einem Bagger möglicherweise sogar aktiviert wurde, so dass jetzt quasi ein Countdown mit unbekannter Länge läuft. Deshalb ist die Entschärfung ausgesprochen heikel und zeitkritisch. Es ist auch denkbar, dass die Bombe kontrolliert gesprengt werden muss.
Fliegerbombe am Bahnhof Diebsteich gefunden: S-Bahn gesperrt, Evakuierung!
Der Kampfmittelräumdienst hat daher umgehend einen Sperrbereich von 400 Metern um die Fundstelle festgelegt und die sofortige Evakuierung angeordnet. Der Warnbereich um die Fundstelle beträgt 1000 Meter. Der Zeitpunkt für die Entschärfung oder Sprengung steht noch nicht fest, sie kann erst beginnen, wenn die Evakuierung abgeschlossen ist. Die Feuerwehr stellt sich auf einen Einsatz bis in die späten Abendstunden ein.
Die betroffenen Anwohner im Sperrbereich wurden dazu aufgefordert, sich auf eine zeitnahe Evakuierung vorzubereiten und auf Durchsagen der Polizei und der Feuerwehr zu achten. „Verlassen Sie den von der Polizei abgesperrten Bereich und nehmen Sie das Notwendigste, wie beispielsweise Ausweise und Medikamente, mit“, heißt es in der aktuellen Warnmeldung der Feuerwehr. Für den angrenzenden Warnbereich gelte: „Begeben Sie sich in feste Gebäude und halten Sie sich von Fenstern und Glastüren fern.“
Sabrina Skrzypuletz und Stefanie Wieter, die im Sperrgebiet wohnen, erwischte die Evakuierung völlig unvorbereitet. Die beiden Freundinnen waren gerade Pilze sammeln und standen dann an der Ecke Stresemannstraße/Ruhrstraße vor den Polizeiabsperrungen und wurden nicht mehr durchgelassen. Ihr Plan B? „Vielleicht schlafen wir bei Freunden“.

Die Feuerwehr Hamburg hat einen Warnbereich rund um den Bombenfund festgelegt.© Feuerwehr Hamburg | Feuerwehr Hamburg
Für die Anwohner, die niemanden haben, bei dem sie unterschlüpfen können, wurden mehrere provisorische Unterkünfte eingerichtet: Eine befindet sich im Gymnasium an der Max-Brauer-Allee 83-85, eine weitere in einer Halle an der Gasstraße und eine dritte an der Stadtteilschule Regerstraße. Für kranke oder gehbehinderte Menschen soll es besondere Hilfen geben.

Anete und Stefan Mansior mussten ihre Wohnung verlassen und im Gymnasium Allee an der Max-Brauer-Allee Unterschlupf finden.© Dominik Berner | Dominik Berner
Anete und Stefan Mansior schafften es nach der Evakuierung bis in das Gymnasium an der Max-Brauer-Allee. Bei ihnen hatte die Polizei an der Tür geklingelt, alle Bewohner ihres Hauses mussten das Gebäude verlassen. Besonders herausfordernd sei die Situation für Nachbarn, die zwei Katzen hätten. Das Ehepaar hofft, dass der Einsatz nicht zu lange dauert. „Ich habe ja nichts dabei“, sagt Anete Mansior.
Maita Poets traf mit ihrem Baby gegen 18.30 Uhr an der Notunterkunft ein. „Wir wohnen an der Schleswiger Straße, sehen aus dem Fenster auf die Baustelle“, sagt die junge Mutter. Als der Alarm auf dem Handy laut dröhnte, verließ sie mit ihrer Familie die Wohnung und kam mit dem Bus ins Gymnasium.

Mehrere betroffene Anwohner vor der Unterkunft an der Max-Brauer-Allee.© Dominik Berner | Dominik Berner
Zahlreiche Züge rund um Altona fallen aus
Von den Sperrungen und der anstehenden Entschärfung sind zahlreiche Zugverbindungen betroffen, der Bahnverkehr rund um den Bahnhof Altona ist in weiten Teilen zum Erliegen gekommen. Fern- und der S-Bahnverkehr wurden unterbrochen, wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte. „Es kommt zu massiven Ausfällen aus Richtung Norden.“

Claudie Wöste strandete wegen der Fliegerbombe in Hamburg.© Dominik Berner/HA
So wollte etwa Claudie Wöste eigentlich mit der Bahn nach Hause nach Dortmund fahren. Sie war zuvor im Urlaub in Scharbeutz. Wegen des Bombenalarms fiel jedoch ihr ICE aus. „Ich bin Zuggestrandete“, sagte sie dem Abendblatt. Wie es für sie weitergeht, weiß sie noch nicht. Sie ist mit dem Fahrrad unterwegs und einem Radplatz im Zug zu bekommen, sei nicht ganz einfach. Auch sie wollte in eine der Notunterkünfte fahren
Lesen Sie auch
Derzeit fahren keine S-Bahnen zwischen Altona/Holstenstraße und Eidelstedt, das betrifft die Linien S2, S3 und S5. Auch der Regionalverkehr zwischen Pinneberg und Altona/Hamburg Hauptbahnhof wurde eingestellt. Die Regionalzüge der Linie R6 nach Sylt starten und enden in Elmshorn. Die Linie R7 von und nach Flensburg/Kiel fährt nicht bis zum Hauptbahnhof, sondern nur bis Neumünster. Die R70 zwischen Kiel und dem Hauptbahnhof fährt bis Pinneberg.

Eine Anzeigentafel am Hamburger Hauptbahnhof zeigt Zugverspätungen und einen Zugunfall wegen der Fliegerbombe an.© Antonia Sawallisch/dpa | Antonia Sawallisch
Die Deutsche Bahn richtete teilweise einen Ersatzverkehr mit Taxis ein. Für Fernreisende zwischen Pinneberg und Altona verkehrten Ersatzbusse, hieß es.
Am Diebsteich baut die Deutsche Bahn den neuen Bahnhof Altona, der damit etwa zwei Kilometer nach Norden verlegt wird. Mehr als 80 Jahre nach Kriegsende werden in Hamburg noch immer Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt, die in den oft weichen Boden eingedrungen sind, ohne zu explodieren. Bei Bauarbeiten werden regelmäßig Sondierungen vorgenommen. Es kommt aber auch vor, dass Bomben unerwartet gefunden werden.