Flixbus lässt 14-jährigen Autisten ohne Koffer zurück – Medikamente weg, Gepäck in Krakau
Stand: 11.08.2026, 19:00 Uhr
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Ein Busfahrer verweigerte einem Jugendlichen aus Diepholz die Mitnahme und fuhr in Bremen mit dessen Gepäck davon. Der Koffer tauchte drei Wochen später in Krakau auf – der Rückversand kostet 400 Euro.
Bremen/Diepholz – Einen wahren Albtraum erlebten Finnya Hagemeister und ihr mittlerweile 15-jähriger Sohn, der an ADHS mit autistischen Zügen erkrankt ist, vor wenigen Tagen am Reisebusterminal in Bremen – und eigentlich dauert dieser bis heute an.
Der Junge war mit dem Zug nach Bremen gefahren, um von dort mit dem Flixbus nach Hessen zu gelangen, wo er in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt. Doch der Busfahrer verweigerte dem Jugendlichen die Fahrt, weil auf dem Ticket nicht „Fahrrad“, sondern „Special Luggage“ (Sperrgut bis 240 Zentimeter) stand. Auch ein Nachlösen des richtigen Tickets war nicht möglich. „Mein Sohn rief mich völlig aufgelöst an“, berichtet Hagemeister. „Am Telefon bekam ich mit, wie der Busfahrer die Mitnahme auch ohne Fahrrad verweigerte.“ Er habe gar nicht reagiert, als ihr Sohn insgesamt dreimal darum bat, seinen Koffer zurückzuerhalten, weil darin wichtige Medikamente seien. Der Fahrer sei sogar fünf Minuten vor Fahrplan mit dem Gepäck im Bus gestartet.
Bahnhofspolizei nimmt sich des Jungen an
Nachdem der Junge dort zurückgelassen worden war, wandte er sich an die Bahnhofspolizei, die ihm eine Hilfeleistungsbescheinigung ausstellte, mit der er seine Situation bei der Weiterreise erklären konnte. Das Problem war allerdings, dass die ihm angebotenen Ersatzverbindungen keine Fahrradmitnahme ermöglichten. Zudem kam es bei der Hitze zu Verspätungen und Zugausfällen.
„Ich telefonierte ununterbrochen mit meinem Sohn und versuchte, ihn sicher nach Hause zu lotsen“, erinnert sich die Mutter. Sein Handyakku sei fast leer gewesen, und dann habe er völlig verzweifelt in Hannover gestanden, von wo aus die Bahn ihn erst am Abend mit seinem Fahrrad mitnehmen konnte. „Die einzige realistische Möglichkeit bestand schließlich darin, dass ich ein ICE-Ticket für 140 Euro gekauft habe, damit mein Sohn nicht bis tief in die Nacht an Bahnhöfen strandet“, so Hagemeister. Erschwerend sei dazu gekommen, dass der 14-Jährige aufgrund des Stresses Panikattacken und einen autistischen Meltdown (Kontrollverlust) bekommen habe.
Während ihr Sohn schließlich mit dem ICE in seinem Heim ankam, meldete die Diepholzerin den Vorfall bei Flixbus und füllte ein Formular für das verlorene Gepäck aus. Vergeblich. „Auf drei schriftliche Bitten um Antwort bekam ich keine Reaktion“, so die Mutter. Fast drei Wochen später erhielt sie dann eine E-Mail aus einem Fundbüro in Krakau (Polen). Man teilt ihr mit, dass der Koffer gefunden wurde. Allerdings müsse sie einen Paketdienst beauftragen und die Rücksendung auf eigene Kosten organisieren. Alternativ würde das Gepäck vernichtet.
Im Koffer befanden sich Geschenke
„Mein Sohn hatte wenige Tage nach dem Vorfall Geburtstag. Deswegen war sein Koffer voll mit Geschenken“, so Hagemeister. „Er hat nun Angst, dass sie den Weg zu ihm nicht mehr finden werden.“ Die Mutter erkundigte sich bei Lieferdiensten, was ein Transport nach Deutschland kosten würde, und kippte fast hintenüber. „400 Euro wurden mir genannt“, berichtete sie. „Das Geld habe ich einfach nicht.“
Auf Anfrage der Mediengruppe Kreiszeitung erklärte die Pressestelle von Flixbus: „Auch wenn wir für abhandengekommenes Reisegepäck grundsätzlich nicht haften, kommen wir der Familie entgegen und prüfen gerne eine Kostenerstattung für den Rückversand des Koffers nach Vorlage der Belege aus Kulanz.“ Das hilft Hagemeister nicht, weil sie das Geld nicht auslegen kann. Zudem, so merkt sie an, sei das Gepäck nur deshalb abhandengekommen, weil der Busfahrer es trotz Aufforderung nicht herausgegeben hatte. „Ich bin absolut fassungslos.“
Auch sonst ist die Reaktion von Flixbus eher nüchtern. „Dass es an der Haltestelle zu einem Missverständnis kam und der Fahrgast die Fahrt nicht fortsetzen konnte, bedauern wir“, heißt es. Fahrräder könnten in den Bussen nur transportiert werden, wenn sie bei der Buchung entsprechend angemeldet werden. Die Zahl sei limitiert.
Hagemeister hat sich unterdessen an Flixbus gewendet und angefragt, ob es denn nicht möglich sei, den Koffer mit nach Deutschland zu nehmen. Von dort sei der Transport nach Diepholz ungleich günstiger. Bislang wartet die Mutter auf eine Antwort.