„Wurde eskortiert“: 80-Jährige muss aus überbuchtem Flugzeug aussteigen – Airline äußert sich

Fluggesellschaft schmeißt 80-Jährige aus überbuchtem Flugzeug – „Wurde eskortiert“

Stand: 14.07.2026, 14:19 Uhr

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Flug-Überbuchungen können Airlines nutzen, aber Gästen schaden. Ein Experte erklärt, wie die Praxis funktioniert und welche Rechte Passagiere haben.

Anders als bei roten Karten, die aktuell bei der Fußball-WM 2026 verteilt werden, gibt es bei der Platzverweis-Analogie im Luftverkehr kein Zurück mehr. Ist ein Flug überbucht und niemand findet sich, der für Rückzahlungen oder Gutscheine freiwillig auf einen anderen Flug ausweicht, wird ein Passagier ausgewählt und entsprechend aus dem Flugzeug geführt. Genau das ist jüngst einer Passagierin passiert, die ihren Vueling-Flug von Málaga nach London Gatwick kurz vor dem Start verlassen musste.

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Dieser Artikel von Simon Calder entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.

Mehr Tickets zu verkaufen, als es Sitzplätze im Flugzeug gibt, ist eine langjährige Tradition. Während Ryanair und Jet2 nicht überbuchen, tun dies die meisten Fluggesellschaften. Sie begnügen sich nicht damit, alle 180 Sitze eines Airbus A320 zu verkaufen, sondern legen noch ein halbes Dutzend Tickets obendrauf. Denn sie können die Zahl der „No Shows“ vorhersagen und so ausgleichen.

Überbuchungen von Flügen können Airlines nutzen, aber Gästen schaden. Ein Experte erklärt, wie die Praxis funktioniert und welche Rechte Passagiere haben.

Vueling-Flugzeug auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld (Symbolbild). © dpa | Soeren Stache

Eine besonders vulnerable Passagierin trifft die Flug-Überbuchung hart

Die europäischen Fluggastrechte erlauben Überbuchungen, solange die Airlines einen finanziellen Anreiz bieten, um Freiwillige zu finden, die mit einem späteren Flug reisen. Jemanden gegen seinen Willen von Bord zu holen, sollte das allerletzte Mittel sein. Dennoch verzichtete das Vueling-Personal bei den Vorbereitungen für den Abflug des Flugs VY6620 offenbar darauf, Freiwillige zu suchen. Stattdessen entschieden sie wohl, einfach zufällig die zuletzt eingecheckte Person aus dem Flugzeug zu verweisen.

Der Vorfall wird jedoch deutlich gravierender, wenn man mehr über die unglückliche Passagierin erfährt, die zurück ins Terminal gebracht wurde: eine Großmutter in ihren Achtzigern, nicht bei bester Gesundheit. Mit anderen Worten: eine Frau, bei der in einem überfüllten Zug, Bus oder in der U-Bahn (hoffentlich) Mitreisende sofort aufspringen würden, um ihr ihren Platz anzubieten. Nicht so bei Vueling, wie sie telegraph.co.uk berichtet.

Dem Bodenpersonal war wohl versehentlich ein bereits belegter Sitz zugewiesen worden. Erst als sie an Bord war, habe ihr die Crew mitgeteilt, dass das Flugzeug voll sei und ausgerechnet sie an diesem Tag nicht reisen werde. „Ich wurde aus dem Flugzeug eskortiert, und dort saß ich dann stundenlang“, sagt sie. „Mir wurde nicht einmal eine Tasse Tee angeboten.“

Diese Pflichten unterliegen Airlines bei Überbuchungen – und diese Rechte haben Fluggäste

Schließlich hätten Mitarbeiter der Fluggesellschaft ein Hotelzimmer und ein Taxi zum Hotel organisiert – allerdings kein Abendessen. Und das, obwohl die Fluggastrechte vorschreiben, dass eine Airline, die die Beförderung verweigert, für Mahlzeiten aufkommen muss. Richtig gehandhabt, profitieren bei einer Überbuchung alle Beteiligten. Die Airlines verdienen mehr Geld, was (so sagen sie) die Ticketpreise senkt. Die Flugzeuge haben weniger leere Sitze, was die Umweltbelastung pro Person verringert.

Und Menschen, die dringend reisen müssen, können noch ein Ticket für einen Flug kaufen, der technisch gesehen bereits ausgebucht ist. Meistens kommen die Fluggesellschaften mit dem Überverkauf durch. Passagiere stecken möglicherweise im Stau auf dem Weg zum Flughafen fest oder sind auf einem Zubringerflug verspätet und verpassen den Anschluss. Oder die Pläne eines Fluggasts haben sich einfach geändert, und mangels Anreiz, die Reise formell zu stornieren, erscheint er oder sie einfach nicht.

So könnten Überbuchungen einem Luftverkehr-Experten zufolge fair ablaufen

EasyJet beziffert die Zahl der No-Shows auf rund fünf Prozent bei einem typischen Flug. Manchmal aber schaffen es eben doch alle bis zum Gate. Damit die Praxis für alle von Vorteil ist, müssen Fluggesellschaften in solchen Fällen offen und großzügig agieren. US-Airlines sind wahre Experten im Umgang mit Überbuchungen. In dem Wissen, dass fast jeder seinen Preis hat, beginnen sie mit einem Angebot von ein paar Hundert Dollar für diejenigen, die einen späteren Flug nehmen, und erhöhen die Summe so lange, bis sie genügend Freiwillige gefunden haben.

Auf dem überbuchten Flug von Málaga hätte vermutlich auch jemand bereitwillig seinen Platz aufgegeben, im Tausch gegen ein paar Hundert Euro und das Versprechen auf eine Hotelübernachtung vor dem Flug am nächsten Tag. So wie es lief, ist die Fluggesellschaft aber nun verpflichtet, der Passagierin, die unfreiwillig hinauskomplimentiert wurde, 410 Euro Entschädigung in bar zu zahlen.

Airline äußert sich zum Vorfall

Ein Sprecher von Vueling erklärte bei telegraph.co.uk: „Wir entschuldigen uns aufrichtig für die durch diesen Vorfall verursachte Belastung und Unannehmlichkeiten. Dies war eine äußerst ungewöhnliche Situation, und wir werden die Lehren aus diesem Fall nutzen, um unsere Prozesse zu verbessern und ähnliche Situationen in Zukunft zu vermeiden.“ Die Frau, die zur Lösung des Überbuchungsproblems der Airline auserkoren wurde, sagt mit bemerkenswerter Zurückhaltung: „Ich bin über Vueling etwas verärgert. Ich finde, ich hätte nicht diejenige sein sollen, die entfernt wird.“