Flughafen Frankfurt: Wie Messflüge dafür sorgen, dass Flugzeuge sicher landen

Wer in den kommenden Nächten Fluggeräusche rund um die Nordwestbahn des Frankfurter Flughafens hört, muss nicht beunruhigt sein. Das sind Messflüge für die Kalibrierung des Instrumentenlandesystems. Denn eine Turbopropmaschine vom Typ Beech King Air 350 fliegt diese Landebahn von beiden Seiten aus zwischen 23 Uhr und drei Uhr morgens an. Sie vermisst im Auftrag der Deutschen Flugsicherung vom 17. bis 20. September nachts die Exaktheit des Instrumentenlandesystems für die anfliegenden Jets auf dieser Piste. Diese Flüge dürfen trotz des eigentlichen Nachtflugverbots stattfinden.

Eine Vermessung des sogenannten Instrumentenlandesystems, kurz ILS, ist an jedem deutschen Flughafen zweimal im Jahr notwendig. Denn nur wenn es auf den Zentimeter genau justiert ist, können mit seiner Hilfe Boeing, Airbus und Co. auch bei miserablen Sichtbedingungen die Bahn exakt am Anfang treffen. Ein ILS führt die Maschine mithilfe von zwei unterschiedlichen Leitstrahlen in einer Art virtuellem Trichter selbst in dichtem Nebel genau mittig zum Beginn der Landebahn. Anzeigen im Cockpit zeigen der Crew, ob und wie genau sie auf diesem ILS fliegt. Je nach Flugzeug, Wetterlage und Ausbildungsstand der Crew wird dieser Landeanflug entweder vom Autopiloten oder von Hand abgeflogen.

Der normale Gleitwinkel bei diesem ILS-Anflug auf den Frankfurter Flughafen beträgt drei Grad. Ein Flugzeug sollte also in einer Distanz von zehn nautischen Meilen zur Runway, das sind 16 Kilometer, möglichst 3000 Fuß, umgerechnet rund 900 Meter, hoch über der Landebahn sein, damit es bei drei Grad Gleitwinkel genau auf dem ILS fliegt und zur Landebahn geführt wird.

Crew kennt Großteil deutscher Flughäfen in- und auswendig

Für derartige Messflüge werden speziell umgerüstete Flugzeuge mit Propellerturbinen benutzt, etwa wie in diesen Tagen über Frankfurt eine US-amerikanische Beechcraft King Air 350. Denn zwei starke Propellerturbinen sorgen für ausreichende Betriebssicherheit. Bei einem Triebwerksausfall könnte die Maschine auch mit nur einer funktionierenden Turbine die Crew sicher wieder an einen Flugplatz bringen. Der Messingenieur sitzt bei diesen Flügen in der Kabine der Beech King Air vor Monitoren. Er sieht mithilfe der installierten Technik und eines speziellen Computerprogramms schon im Flug, wie exakt das Instrumentenlandesystem der Nordwestbahn in Frankfurt justiert ist. Die Daten kommen in Echtzeit. So können Techniker am Boden sofort die Einstellungen der Bodenantennen des ILS verändern, und die Messflugzeug-Crew kann simultan feststellen, ob es geklappt hat.

Deshalb müssen mehrere Anflüge des Messflugzeugs gemacht werden, bis die Anlage kalibriert ist und ihre Werte innerhalb der genau definierten Betriebsgrenzen liegen. Kein Wunder, dass die Crew der Beech King Air 350 einen Großteil der deutschen Flughäfen bereits in- und auswendig kennt. Die beiden Piloten teilen sich die Aufgaben. Während einer den genau definierten Anflug von Osten oder auch Westen her auf die Nordwestbahn des Flughafens Frankfurt manuell steuert oder aber den Autopiloten überwacht, funkt der andere mit der Flugsicherung, beobachtet den Luftraum oder gibt vorgeschriebene Positionsmeldungen durch.

In Deutschland und Europa gibt es mehrere derartig hoch spezialisierte Flugvermessungsunternehmen mit jeweils einem oder mehreren Flugzeugen. Sie werden hierzulande vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung beaufsichtigt. Dieses ist wiederum dem Bundesministerium für Verkehr unterstellt. Die Grundlagen dafür sind Verordnungen der Europäischen Union über einen einheitlichen europäischen Luftraum.

Denn an jedem deutschen oder auch europäischen Flughafen müssen das ILS und weitere zur Navigation dienende technische Bodeneinrichtungen nach Bestimmungen der internationalen Zivilluftfahrtvereinigung ICAO in genau vorgegebenen Intervallen überprüft und notfalls nachjustiert werden. Erst wenn alles korrekt eingestellt ist, können sich die Piloten von Boeing, Airbus und Co. darauf verlassen, dass sie selbst beim dichtesten Unwetter oder bei Nebel und quasi null Sicht genau am Aufsetzpunkt einer Landebahn und in deren Mitte ankommen.

Die Messflüge finden laut der Deutschen Flugsicherung noch bis 20. September von 23 Uhr bis drei Uhr früh an der Nordwestbahn statt. Dann stimmt das Instrumentenlandesystem wieder zentimetergenau für die nächsten sechs Monate.