Flusswärmepumpe in Planung: Mit kaltem Moselwasser heizen – So will Schweich es machen
Flusswärmepumpe in Planung Mit kaltem Moselwasser heizen – So will Schweich es machen
Schweich · Eine Flusswärmepumpe soll künftig die Wärme der Mosel nutzen und damit Gebäude in der Stadt versorgen. Doch wie funktioniert die Technik und welche Chancen bietet sie für Schweich?
23.09.2026 , 06:28 Uhr
Die Mosel als „Energiequelle“. Eine Flusswärmepumpe könnte aus dem Wasser Wärme für die Energieversorgung gewinnen.
Foto: Andreas Sommer
Schweich könnte künftig einen Teil seiner Heizenergie direkt aus der Mosel gewinnen. Die Stadt prüft den Aufbau eines Nahwärmenetzes, das unter anderem mit der Wärme der Mosel betrieben werden könnte. Besonders interessant ist das für Gebäude mit einem hohen Wärmebedarf, beispielsweise Schulen, das Schweicher Freibad, die Polizei und weitere öffentliche Einrichtungen.
Mosel: So wird aus kaltem Wasser Heizwärme
Auf den ersten Blick klingt es ungewöhnlich, mit kaltem Flusswasser Gebäude zu heizen. Doch auch im Winter enthält die Mosel noch Wärmeenergie. Eine Flusswärmepumpe kann diese Energie nutzen.
Dafür wird Wasser aus der Mosel entnommen und zu einem Wärmetauscher geleitet. Dort gibt das Wasser seine Wärme an ein Kältemittel ab. Dieses spezielle Mittel verdampft bereits bei niedrigen Temperaturen.
Anschließend wird das gasförmige Kältemittel von einem elektrisch betriebenen Verdichter komprimiert. Dabei steigen Druck und Temperatur deutlich an. Die gewonnene Wärme kann anschließend auf das Wasser des Heizsystems übertragen werden.
Danach wird das Kältemittel wieder abgekühlt und verflüssigt. Über ein Expansionsventil sinken Druck und Temperatur erneut. Der Kreislauf beginnt von vorne. Das Prinzip ähnelt damit einem Kühlschrank, nur in umgekehrter Wirkungsweise.
Nahwärmenetz: Was Schweich konkret plant
In Schweich soll die Flusswärmepumpe möglichst in der Nähe der Mosel entstehen. Die gewonnene Wärme könnte anschließend über ein Nahwärmenetz zu den angeschlossenen Gebäuden transportiert werden. Das Moselwasser würde nach der Wärmegewinnung leicht abgekühlt wieder in den Fluss zurückgeleitet.
Wird die Mosel jetzt kälter werden?
Da das Flusswasser durch einen Wärmetauscher geführt wird, wird ihm direkt an der Einleitungsstelle des abgekühlten Wassers Wärme entzogen. Hier kann in Abhängigkeit davon, wie viel Wasser entnommen wird, die Temperatur einige Zehntel bis wenige Grad Celsius sinken. Die Flusswärmepumpe darf also nicht einfach beliebig viel Wärme aus der Mosel entziehen. Die Auswirkungen auf die Wasserorganismen müssen berücksichtigt und genehmigungsrechtlich geprüft werden.
Die Idee einer Flusswärmepumpe ist nicht völlig neu. Bereits in der kommunalen Wärmeplanung der Verbandsgemeinde Schweich wurde untersucht, welches Potenzial die Mosel für die Wärmeversorgung hat. Dabei wurde für die Verbandsgemeinde ein erhebliches theoretisches Wärmepotenzial ermittelt. Die Nutzung der Flusswärme wird dort insbesondere in Verbindung mit zentralen Wärmenetzen betrachtet.
„Die Mosel direkt vor unserer Haustür zu haben, ist ein echter Glücksfall“, sagt Florian Merten, Klimaschutzmanager der Verbandsgemeinde Schweich. Der Grund: Selbst im Winter liegt die Wassertemperatur der Mosel im Schnitt bei 10 bis 12 Grad Celsius. Damit bietet der Fluss deutlich bessere Voraussetzungen für eine Großwärmepumpe als die kalte Außenluft. Das ermittelte Wärmepotenzial der Mosel liegt laut Angaben der Stadt Schweich bei mehr als 660 GWh (Gigawattstunden) pro Jahr für die gesamte Verbandsgemeinde. Damit sei die Flussthermie „mit Abstand das größte Potenzial“, erklärt Florian Merten.
Wärme aus der Mosel? Noch ist nichts entschieden
Bevor die ersten Gebäude tatsächlich mit Moselwärme versorgt werden können, müssen allerdings noch zahlreiche Fragen geklärt werden. Dazu gehören die technische Umsetzung, die Kosten für Wärmepumpe und Wärmenetz sowie die Zahl der Gebäude, die sich anschließen würden. Eine Machbarkeitsstudie soll deshalb zeigen, ob und unter welchen Bedingungen das Projekt wirtschaftlich umgesetzt werden kann. Die Ergebnisse werden für Anfang 2027 erwartet.
Das Schweicher Projekt zeigt, dass die Energiewende nicht nur mit großen Wind- und Solaranlagen stattfinden kann, sondern dass auch vorhandene regionale Energiequellen genutzt werden können. Die Mosel könnte dabei zu einem Baustein einer klimafreundlicheren Wärmeversorgung werden.