Fondsmanager sehen Anleiherenditen als zunehmendes Problem für Risikoanlagen

Risikoanlagen wie Aktienmärkte können sich im großen Bild betrachtet immer noch auf einem hohen Niveau halten. Und das, obwohl die Anleiherenditen weltweit dabei sind kräftig anzusteigen. In den USA knackte die zehnjährige Laufzeit gestern die 5 % Marke, der höchste Stand seit dem Jahr 2007.
Die Belastung wird immer größer. Und das Risiko eines Rückschlags bei Risikoanlagen nimmt zu, je höher die Renditen ansteigen. Aber noch gibt es ein sensationell gutes Wachstum der Unternehmensgewinne als großen Pluspunkt für höhere Aktienkurse. Eine heute veröffentlichte Umfrage der Bank of America vom 4. bis 10. September unter 170 Fondsmanagern, die 470 Milliarden Dollar verwalten, zeigt zunehmende Besorgnis.
Risikoanlagen unter Druck durch höhere Anleiherenditen
Die Euphorie rund um Risikoanlagen lässt nach, da sich Anleger Sorgen über einen chaotischen Anstieg der Anleiherenditen und die Ergebnisse der US-Zwischenwahlen machen, wie laut Bloomberg aus einer Umfrage der Bank of America hervorgeht.
Die Umfrage ergab, dass netto 49 % der Fondsmanager globale Aktien übergewichten, verglichen mit 56 % im Vormonat. Die Befragten wiesen darauf hin, dass sie einen ungeordneten Anstieg der Anleiherenditen nun als das größte Tail-Risiko für den Markt betrachten. Die Barbestände stiegen auf 3,9 % der Portfolios.
Globale Aktien sind unter Druck geraten, da die Anleiherenditen angesichts der Befürchtungen eines Inflationsschocks wichtige Schwellenwerte durchbrochen haben. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen stieg am Dienstag mit über 5 % auf den höchsten Stand seit 2007, während die Ölpreise über 106 US-Dollar pro Barrel notieren. Der MSCI All-Country World Index gab zum zweiten Mal in Folge nach.

Swap-Händler preisen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von etwa 94 % für eine Zinserhöhung der Federal Reserve am Mittwoch ein – die erste Anhebung seit drei Jahren. Dennoch zeigte die Umfrage der BofA, dass die Anleger der Meinung sind, die Zentralbank hinke der Entwicklung hinterher. Netto 25 % der Teilnehmer gaben an, die Geldpolitik sei zu expansiv – der höchste Wert seit 2022.
Konjunktur und Unternehmensgewinne als Rettungsanker?
Während einige Anleger vor weiterem Druck auf Aktien durch US-Renditen für 10-jährige Anleihen von über 5 % gewarnt haben, sind Marktprognostiker weitgehend zuversichtlich, dass Aktien höhere Zinsen aufgrund der widerstandsfähigen Wirtschaft verkraften können.
Michael Hartnett von der BofA sagte, der Anteil der Befragten, die für das kommende Jahr einen zweistelligen Anstieg der Unternehmensgewinne erwarten, sei der höchste seit August 2021. Die Anleger seien hinsichtlich der makroökonomischen Aussichten optimistisch, wobei die „einzige Sorge“ darin bestehe, dass Unternehmen zu viel Kapital investieren, so Hartnett.
Derzeit sind netto 48 % der Fondsmanager in Anleihen untergewichtet – so viele wie seit Mai 2022 nicht mehr. Fast die Hälfte der Teilnehmer gab an, keine Auswirkungen des Rückkaufprogramms des Finanzministeriums auf die Renditen zu erwarten.
Zwischenwahlen
Im Hinblick auf die Zwischenwahlen gaben etwa 44 % der Anleger an, dass das wahrscheinlichste Ergebnis eine Aufteilung der Macht zwischen einem demokratischen Repräsentantenhaus und einem republikanischen Senat sei. Im Falle eines demokratischen Erdrutschsiegs rechnet fast die Hälfte der Befragten mit steigenden Anleiherenditen und fallenden Aktienkursen.
FMW/Bloomberg

Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Capital Markets Redakteur
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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