Aufruhr geht weiter: Neue Krawalle in Frankreich – Mädchen verliert Auge
Aufruhr geht weiter
Neue Krawalle in Frankreich – Mädchen verliert Auge
Von dpa, afp, reuters, t-online
Aktualisiert am 18.10.2026 - 21:05 UhrLesedauer: 3 Min.
Auch am Tag nach den massiven Ausschreitungen kommt Frankreich nicht zur Ruhe. Für Anfang November kursiert bereits der nächste Protestaufruf.
Einen Tag nach den Gewaltexzessen am Rande eines nationalen Protesttages in Frankreich ist es in Paris erneut zu Ausschreitungen gekommen. Am Platz der Republik im Zentrum der Hauptstadt habe es gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen mehreren hundert Demonstranten und den Ordnungskräften gegeben, teilte am Sonntagabend die Polizei mit. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie in dem Stadtviertel erneut Geschäfte geplündert wurden. Am Rande der Proteste im ostfranzösischen Mulhouse verlor eine Jugendliche ein Auge.
Nach Angaben aus Polizeikreisen waren in Paris am Sonntag den zweiten Tag in Folge Sondereinheiten mobilisiert worden und am Platz der Republik im Einsatz. Sie setzten den Fernsehbildern zufolge erneut Tränengas ein.
Der symbolträchtige Platz der Republik war bereits am Samstag einer der Schauplätze der massiven Ausschreitungen, zu denen es in ganz Frankreich kam. Dabei wurden nach Behördenangaben landesweit mehr als 2.000 Menschen festgenommen, mehr als 600 Polizisten und Feuerwehrleute wurden verletzt. Inzwischen gibt es für den 5. November den Aufruf zu neuen Protesten.
Proteste in Frankreich: 17-Jährige verliert Auge
Zu der Gewalt kam es am Rande eines Protesttages gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem. An den Aktionen nahmen landesweit nach Regierungsangaben rund 550.000 Menschen teil, die Organisatoren sprachen von rund 800.000 Demonstranten.
In Mulhouse gab die Staatsanwaltschaft am Sonntag bekannt, dass eine Jugendliche am Rande des Aktionstages verletzt wurde und ein Auge verlor. Es solle eine Untersuchung wegen des Verdachts auf "schwere Körperverletzung" eingeleitet werden. Nach den ersten Ermittlungen handele es sich bei dem Opfer um eine in Mulhouse geborene 17-Jährige.
Macron: Neue Proteste könnten verboten werden
In Limoges versammelten sich am Sonntagabend rund 7.000 Menschen, um zum historischen Rathaus der Stadt zu ziehen. Das Gebäude in der zentralfranzösischen Stadt war am Rande der Proteste am Samstag in Flammen aufgegangen. Der zuständige Präfekt Maurice Barate sagte, das von einer "wilden Horde" in Brand gesetzte Rathaus sei "zum großen Teil verloren".
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, dass neue Demonstrationen notfalls auch verboten werden können. "Angesichts der aktuellen Lage werden die Präfekten in Abstimmung mit den Bürgermeistern Entscheidungen treffen, um unsere Städte, unsere öffentlichen Gebäude und unsere Geschäfte zu schützen, und dabei gegebenenfalls sogar so weit gehen, bestimmte Versammlungen zu verbieten und alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen", sagte Macron in einer Fernsehansprache am Abend.
Ausschreitungen auch in Italien
Auch in Italien ist es am Sonntag zu schweren Ausschreitungen gekommen. In Mailand hätten Demonstranten Steine geworfen und Geschäfte geplündert, hieß es aus den Reihen der Behörden. Die Bereitschaftspolizei habe Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt, nachdem Hunderte Vermummte Schaufenster eingeworfen und Mülltonnen angezündet hätten. Mehr als 60 Demonstranten seien zur Überprüfung auf Polizeiwachen gebracht worden.
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verurteilte die Gewalt und kündigte für Montag eine Regierungssitzung an, um über die Lage zu beraten. In Italien stehen im kommenden Jahr Wahlen an.
Bereits am Samstag war es in mehreren norditalienischen Städten zu ähnlichen Krawallen gekommen. Einem am Sonntag veröffentlichten Polizeibericht zufolge wurden bei Ausschreitungen in Mailand, Bologna, Brescia, Bergamo und Turin insgesamt 28 Menschen festgenommen. Die Unruhen erinnern an die Gewalt im Nachbarland Frankreich. Dort waren Hunderttausende aus Wut über steigende Kosten und den Abbau öffentlicher Dienstleistungen auf die Straße gegangen. Es waren die schwersten Proteste in Frankreich seit Jahren.