Hugo Boss: Hauptaktionär macht taktisches Übernahmeangebot | cash

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«Freiwilliges Übernahmeangebot» des Hauptaktionärs sorgt bei Hugo-Boss-Chef Daniel Grieder für Stirnrunzeln

Die Frasers Group gibt für das ­deutsche Modehaus Hugo Boss eine Alibi-Offerte ab. Dahinter steckt ein Plan, der auch Boss-Chef Daniel Grieder einengt.

aktualisiert um 14:05

Von Ueli Kneubühler

Hugo-Boss-CEO Daniel Grieder.

Hugo-Boss-CEO Daniel Grieder.

Quelle: imago/Pressefoto Baumann

Am 10. Juni 2026 flatterte am Hugo-Boss-Sitz in Metzingen ein «freiwilliges Übernahmeangebot» ins Haus. Absender: die britische Frasers Group um Gründer und Mehrheitsaktionär Mike Ashley, mit rund 26 Prozent grösster Anteilseigner des deutschen Modehauses.

Bei Hugo-Boss-Chef Daniel Grieder sorgte das Angebot für Stirnrunzeln. Es war nicht abgestimmt, und die Briten boten bloss 38 Euro pro Aktie – was nur leicht über dem damaligen Kurs lag.

Was Ashley damit bezweckt: Sicherung der Flexibilität. Er muss für das Angebot keine Aktien am Markt kaufen, sondern steuert über den Terminmarkt. Ein Blick in die Orderbücher zeigt, dass Mitte Juli – und auch in den kommenden Monaten – beträchtliche Positionen an Optionen fällig werden. Je nach Entwicklung der Aktie verfallen diese wertlos, und Frasers lässt sich die Annäherung mit den Prämien der Gegenparteien versüssen. Oder es winkt die Lieferung der Aktien zu günstigen Konditionen. Laut Analysten hat Frasers dem Titel damit einen psychologischen Boden gegeben.

Das Angebot ist ein taktischer Kniff. Wer ein freiwilliges Kontrollangebot abgibt, hebelt nach deutschem Recht die Übernahmeregeln aus. Frasers kann künftig die kritische Schwelle von 30 Prozent überschreiten, ohne jemals wieder ein teures Pflichtangebot vorlegen zu müssen. Also maximale Flexibilität.

Das Vorgehen hat System. Ashley setzt seine Ziele über Finanzkonstrukte unter Druck, gesehen bei den britischen Onlinehändlern Asos und Boohoo Group. Als die Performance schwächelte, ging er bei Boohoo auf Konfrontationskurs zum Management – wie bei Hugo Boss.

Frasers hatte Boss-Präsident Stephan Sturm das Vertrauen entzogen. Es bestand Uneinigkeit, ob der Gewinn als Dividende ausgeschüttet oder ins Unternehmen reinvestiert werden soll. Die Briten wollen Investitionen sehen. Nun signalisiert Frasers wieder Unterstützung für Sturm. An der Personalfront herrscht offenbar Burgfrieden, auch mit Frasers-CEO Michael Murray, der im Boss-Verwaltungsrat sitzt.

Für CEO Grieder bedeutet das britische Vorpreschen vor allem eines: Es engt seinen Spielraum ein. Frasers kann die Kontrolle über Optionen nun jederzeit übernehmen. Der Schweizer hat operativ zwar freie Hand, doch wenn er strategisch danebengreift, kann Frasers über den Terminmarkt Druck ausüben. Grieder muss operativ liefern, sonst diktiert ihm Ashley demnächst das Sortiment.