Fremde Macht oder Linksextremisten? Die auffälligen Angriffe auf Kraftwerke

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Zwei Anschläge, zwei Bundesländer, ein Ziel: Deutschlands kritische Infrastruktur. Erst meldet die Polizei in Brandenburg einen Angriff auf das Umspannwerk am Kohlekraftwerk Jänschwalde. Die Täter brachten laut Behörden „leitfähiges Material“ in die Höchstspannungsleitungen ein, was zu Kurzschlüssen führte. Es habe aber nur einer von mehr als einem Dutzend „raketenähnlichen Gegenständen, die einen Treibsatz hatten“, sein Ziel erreicht, so die Ermittler.

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Kurz danach die Meldung aus Bergheim bei Köln. Auch hier griffen Täter das Umspannwerk eines Kraftwerks an. „Nach jetzigem Ermittlungsstand wurde gezielt ein Kurzschluss herbeigeführt. Das war Absicht, das war eine Straftat“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch. Der Essener Stromriese RWE musste daraufhin fünf Braunkohleblöcke im rheinischen Revier abschalten.

Die Spuren führten in zwei Richtungen: „fremdstaatlich gelenkte Sabotage oder Linksextremismus“. Es handele sich um einen gezielten Anschlag „auf unser Land, unsere Wirtschaft, auf uns alle“. Die kritische Infrastruktur, zu der auch Kraftwerke und Stromleitungen zählen, sei die Achillesferse unserer Gesellschaft.

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Die Fälle zeigen auffällige Parallelen. Die Täter sind noch unbekannt

Ein möglicher Zusammenhang mit der Sabotage an einer Hochspannungsleitung in Brandenburg werde geprüft. „Prüfen heißt aber nicht wissen“, betonte Reul. Die Täter sind der Polizei bisher weder im Brandenburger Fall noch bei den Ermittlungen in NRW bekannt. Was auffällt, ist die zeitliche Nähe, die ähnliche Vorgehensweise der Täter und dasselbe Ziel.

Das war ein Anschlag auf unser Land, unsere Wirtschaft, auf uns alle.

Nach der Störung an einem Umspannwerk in BergheimHerbert Reul (CDU),, NRW-Innenminister

Polizei findet Abschussvorrichtungen

Die bislang wichtigste Spur in Nordrhein-Westfalen führt in ein Maisfeld neben dem Umspannwerk. Dort fanden Ermittler am Mittwochmittag sechs Abschussvorrichtungen, die nach Einschätzung der Polizei mit dem Anschlag zusammenhängen könnten. „Es ist davon auszugehen, dass die Vorrichtungen so gebaut waren, dass pyrotechnische Gegenstände vermutlich einen Draht in die Höhe platzieren konnten“, sagte der Leiter des Polizeieinsatzes, Michael Esser. Offenbar sollte so leitfähiges Material über die Hochspannungsleitung gebracht und ein Kurzschluss ausgelöst werden.

„Für die Bürgerinnen und Bürger war die Stromversorgung zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Unsere Energieversorgung ist robust“, versicherte NRW-Wirtschafts- und Energieministerin Mona Neubaur (Grüne).

Mehr Schutz, weniger Transparenz

Deutschlands Energieversorgung war in den vergangenen Monaten immer wieder Ziel von Angriffen: Im Januar schnitten mutmaßliche Linksradikale mit einem Angriff Teile von Berlin über Tage vom Stromnetz ab. Polizei und Nachrichtendienste berichten zugleich von Drohnenüberflügen über Kraftwerksgelände. Der Verdacht: Russland testet die deutschen Abwehrsysteme.

Die jüngsten Vorfälle schüren die aktuelle Debatte. Und den Druck auf die Bundesregierung. „Wir verlangen von den Betreibern, dass sie ihre Anlagen schützen, geben ihnen aber nicht genügend Instrumente dafür“, sagte Landesministerin Neubaur. Die Betreiber von Kraftwerken und Bahnanlagen sollten zum Beispiel Kameras nicht nur auf dem eigenen Gelände, sondern auch im Umfeld einsetzen können.